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Paris leert sich: Frankreichs Kunst wandert gen Süden

Von: Sabine Glaubitz, dpa
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Marc Chagalls Gemälde "Cheval bleu dans le ciel" von 1946 ist Bestandteil der Ausstellung "Sens dessus-dessous", mit der in Nizza das "Musee National Message Biblique Marc Chagall" dem 25. Todestag des Malers gedenkt. Die wichtigen Kunstausstellungen Frankreichs finden im Sommer in den Museen an der Cote dAzur statt, erst im Herbst beginnt wieder der Ausstellungs-Zyklus in Paris. Foto: dpa

Paris. Wenn die Temperaturen auf Werte zwischen 27 und 32 Grad ansteigen, dann zieht es nicht nur Touristen und Sommerhungrige an die Côte dAzur und in die Provence. Auch Frankreichs Kulturszene schließt sich der alljährlichen Wanderbewegung an. Denn wenn mit Beginn der Ferienzeit die großen Ausstellungen in den Pariser Museen langsam ausklingen, lässt sich die Kunst an den schönsten Orten der südfranzösischen Mittelmeerküste nieder.

Die Fondation Maeght, aber auch das Museum Annonciade in Saint-Tropez oder das Chagall-Museum in Nizza ziehen in den Sommerwochen mit ihren Ausstellungen Tausende von Besuchern an.

Die französische Mittelmeerküste ist eines der beliebtesten Sommerreiseziele weltweit. Ein Pluspunkt, um die Besucher als Abwechslung vom Strand in gut klimatisierte Ausstellungssäle zu locken.

Doch strömen die Sonnen- und Erholungshungrigen nicht nur deshalb in die zahlreichen Museen in Vence, Antibes, Nizza, Céret oder Saint-Tropez. Die Ausstellungen sind qualitativ hochwertig. Sie verschlingen oft den Löwenanteil des Jahresbudgets wie in Saint-Tropez.

„Ich organisiere eine große Ausstellung pro Jahr, und das im Sommer”, erklärt Jean-Paul Monery, der Direktor des Musée „LAnnonciade”. Das Museum liegt direkt an dem pittoresken Hafen, in dem die Reichen aus aller Welt ihre Yachten zur Schau stellen.

Die diesjährige Saint-Tropez-Sommer-Werkschau widmet sich der Bildsprache des italienischen Malers Amadeo Modigliani. Es gibt weltweit nur wenige Modigliani-Ausstellungen. Der Italiener führte ein kurzes, von Krankheit und Armut überschattetes Leben und ließ nur ein kleines Gesamtwerk zurück.

Von seinen poetischen Bildern, auf denen Frauen mit überlangen Hälsen und schmalen Gesichtern posieren, konnte das Museum rund 50 Werke vereinen. Die Gemälde und Zeichnungen - sie sind bis zum 18. Oktober zu sehen - stammen aus großen internationalen Einrichtungen.

Saint-Tropez besitzt eine auserlesene Sammlung. Braque, Derain, Dufy, Maillol, Matisse, Seurat, Signac oder Vlaminck zählen zu den Perlen des Museums, die im Austausch dafür als herausragende Leihgaben auf Reisen gehen.

Nizza, die Hauptstadt der Côte dAzur, gedenkt des 25. Todestags von Marc Chagall, der die letzten 35 Jahre seines Lebens zunächst in Vence und später in Saint-Paul-de-Vence verbracht hat, zwei pittoresken Dörfern nur wenige Kilometer von Nizza entfernt.

Dort schuf der französisch-russische Maler Werke von explosiver Farbkraft und einer phantastischen irrealen Zusammenfügung symbolhafter Bildmotive.

Bei Chagall stehen nicht nur die Häuser auf dem Kopf, sondern die ganze Welt, wie der Titel der Ausstellung „Sens dessus dessous” (etwa: Sinne, drunter und drüber) andeuten will.

Die rund 90 Werke, darunter wird ein Viertel erstmals der Öffentlichkeit gezeigt, sind bis zum 11. Oktober im „Musée National Message Biblique Marc Chagall” zu sehen.

Chagall schenkte der französischen Regierung zu Lebzeiten mehrere Bilder - als Anerkennung widmete sie ihm das Museum, das 1973 eingeweiht wurde.

So dicht wie an der Côte dAzur sind nirgendwo sonst Museen und Ausstellungen konzentriert: Die Fondation Maeght in Saint-Paul-de-Vence präsentiert „Giacometti & Maeght”, das Museum Fernand Léger in Biot, 15 Minuten von Cannes und 25 Minuten von Nizza entfernt, zeigt „Scheiben und Semaphoren” und stellt Legers geometrische Zeichensprache zeitgenössischen Künstlern gegenüber.

Während an der Côte dAzur in den Museen Hochbetrieb herrscht, bereitet sich Paris fiebrig auf die „Rentrée” vor, den Wiederbeginn, wie man in Frankreich das Ende der knapp zweimonatigen Sommerferien nennt und den Beginn des öffentlichen Lebens.

Einige der Pariser Ausstellungen versprechen wieder lange Besucherschlangen wie die große Monet-Ausstellung im Pariser Grand Palais, die am 22. September ihre Türen öffnet, oder die Retrospektive „Jean-Michel Basquiat” im städtischen Museum für moderne Kunst in der Nähe des Trocadéro, Eröffnung ist am 15. Oktober.
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