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Oper Köln präsentiert Verdis „Otello“

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
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Die Eifersucht beginnt zu gären: Anne Schwanewilms als Desdemona und José Cura in der Titelrolle der Kölner Premiere von Verdis „Otello“. Foto: Paul Leclaire

Köln. Übernahmen leicht abgestandener, erzkonservativer Produktionen aus anderen Häusern, garniert mit ein paar Gesangsstars, zahlen sich nicht immer aus. Dass dieses Rezept zur dauerhaften Überwindung der finanziellen Engpässe unserer Theater beitragen kann, ist ebenso wenig zu erwarten.

Die Wiederbelebung der Stockholmer Otello-Inszenierung von Johannes Schaaf zündet in der Kölner Premiere allein durch ihre musikalische Qualität. Das ist bei einem Schwergewicht wie Verdis Spätwerk zwar schon eine Menge. Aber auch wenn José Cura die Titelrolle mit seinem leicht eingedunkelten Tenor mit Strahlkraft und innerlicher Intensität ausstattet, wenn Anne Schwanewilms den lyrischen Partien der Desdemona berückend zarte Töne verleiht, bleibt der Gesamteindruck zwiespältig, wenn die Szene nicht mehr bietet als dekoratives Beiwerk mit schlecht oder gar nicht geführten Personen. Die Eifersuchts-Exzesse des Titelhelden bleiben lediglich angedeutet, es wird vor allem viel und wenig reflektiert herumgestanden oder sich verlegen an der Rampe entlang gehangelt.

Von einer motivierten Personenführung kann bei Eike Eckers szenischer Politur nicht die Rede sein. Und die pseudo-realistischen Dekorationen von Lennart Mörk und Christof Cremer eignen sich auch nur bedingt, um dem Spiel die Leidenschaft zu vermitteln, die es braucht. Nebelschwaden zuhauf, eine riesige Kanone im ersten Akt, später Teile eines Säulengangs und das verhängnisvolle Bett im Finale bilden den recht fantasielosen optischen Hintergrund.

Dass sich trotz der szenischen Banalitäten eine Ahnung von der Größe des Stück einstellt, ist der musikalischen Leitung von Willi Humburg zu verdanken, der die Sänger auf Händen trägt, die orchestrale Leuchtkraft trotz des leicht wattierten Klangs im Musical-Theater am Dom aufblühen lässt und den dramatischen Akzenten nachhaltige Impulse verleiht. Niemand, auch José Cura in den wildesten Passagen nicht, muss seine Stimme überanstrengen. Das kam vor allem der Desdemona von Anne Schwanewilms mit ihrer schönen, zarten, aber nicht sonderlich großen Stimme entgegen. Den geschlossensten Eindruck hinterließ der Bayreuth-erprobte Bariton Samuel Youn, der dem Jago stimmlich jene schillernde Hintergründigkeit und dämonische Schärfe verlieh, die der Regie fehlt. Ordentlich bis gut sind die kleineren Rollen besetzt.

Großer Beifall für die musikalischen Kräfte, geteilte Reaktionen trafen aber das szenische Team. Die nächsten Aufführungen in der Oper am Dom: am 23., 25. und 30. Mai sowie am 1. Juni. Karten in allen Servicestellen Ihrer Tageszeitung.

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