Oma mit Nieten, ganz schön fit

Von: Susanne Schramm
Letzte Aktualisierung:
nenabild
Omas sind auch nicht mehr das, was sie mal waren: Nena auf der Konzertbühne in Köln. Foto: Thomas Brill

Köln. Früher wussten Großmütter, was sich gehört. Trugen Gesundheitsschuhe mit Kreppsohlen, bewegten sich gemächlich und bevorzugten dunkle Kleidung zum adrett ondulierten Silberhaar. Damit hat Gabriele Susanne Kerner, besser bekannt als Nena, fast gar nichts gemeinsam.

Die 50-Jährige, seit Ende 2009 gleich doppelt Großmutter, mag lieber glitzernde Turnschuhe, springt über die Bühne wie ein Flummi und ihre fransig geschnittene Kurzhaarfrisur glänzt im Scheinwerferlicht wie Lakritze. Allenfalls die dunkle Kleidung passt. Falls man darunter auch nietenverzierte Blousons, Glitzertops und Röhrenjeans mit üppigen Glitzer-Applikationen verstehen darf. Die rund 5000 Fans in der Kölner Lanxess-Arena sind von diesem Outfit restlos begeistert. Ebenso wie von dem gut zweistündigen Programm, das Nena mit ihrer fantastischer Band und vier Background-Stimmen (darunter die von Tochter Larissa und Sohn Sakias) präsentiert.

Die musikalische Zeitreise reicht von Stücken ihres Debüt-Albums „Nena” (1983) bis hin zur letzten CD „Made in Germany”, die im März 2009 herauskam. Weil auch die Tour zum 50. Geburtstag der Sängerin, die einst auf dem Kamm der „Neuen Deutschen Welle” zum Erfolg surfte, mit „Made In Germany” überschrieben ist, finden sich fast alle Stücke der Scheibe auf der Setliste.

Am überzeugendsten: die Ballade „In meinem Leben”, Nenas neue Single, die auf Platz vier der deutschen Charts einstieg. Als Selbstbetrachtung markiert sie dramaturgisch perfekt den Schlusspunkt des Konzerts vor dem Zugabenteil. Aber auch die alten Hits, mit denen viele im Publikum erwachsen wurden, kommen nicht zu kurz. Allerdings neu arrangiert, mit Härte, Schnelligkeit und sirrender Elektronik. Nena selbst ist dabei permanent in Bewegung. Sie stürmt über den langen Laufsteg in den Innenraum, federt über die Bühne und wirbelt um die eigene Achse.

Die fünffache Mutter ist tadellos in Form - was Aussehen als auch Benehmen betrifft. Sie vergisst weder, ihre Musiker zu beknuddeln, noch das Publikum zu loben („Ah, Leute, ihr seid toll!”) oder pädagogisch wertvoll zu motivieren: „Singen ist schön! Wollt ihr nicht mitsingen?”

Sie bittet einen der Security-Männer um Wasser für die dürstenden Fans, die den Laufsteg umringen, lässt zur zweiten Zugabe „Irgendwie, irgendwo, irgendwann” die Kindlein aus dem Innenraum zu sich kommen, und bei „99 Luftballons” dürfen alle die beiden Riesenballons in die Luft pritschen, auf denen die Zahl „50” aufgemalt ist. Das befriedigt den Spieltrieb und ermöglicht es zugleich, das Geburtstagskind hoch leben zu lassen. Ist diese hyperaktive Gutmenschwunderoma tatsächlich echt? Für einen Nena-Fan die falsche Frage.

Auf ihrer Tour macht Nena auch in Belgien Station: Am 27. April spielt sie ab 21 Uhr im Triangel in St. Vith und am 28. April im Capitol in Eupen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert