Berlin - Objektkünstlerin Rebecca Horn wird 65 Jahre

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Objektkünstlerin Rebecca Horn wird 65 Jahre

Von: Gerd Korinthenberg, dpa
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Rebecca Horn
Am 24. März wird Rebecca Horn 65 Jahre alt. Foto: dpa

Berlin. Vielgestaltig wie wohl kaum sonst in der deutschen Gegenwartskunst ist das Werk von Rebecca Horn. „Multimedial” könnte das Schlagwort sein, um das mit zahlreichen hohen Preisen geehrte Oeuvre der Künstlerin zu benennen, die vor 65 Jahren, am 24. März 1944, im Odenwald geboren wurde.

Die Wahl-Berlinerin sei „eine Performance-Künstlerin, die ortsbezogene Installationen macht, eine Bildhauerin, die Filme dreht, eine Künstlerin, die zeichnet und Gedichte schreibt”, brachte Armin Zweite, damals Chef der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, das Phänomen Rebecca Horn zu ihrer Ausstellung „Bodylandscapes” (2004) auf den Punkt.

Zumeist kreist das Schaffen Horns mit starken Bezügen zur unterschwelligen und bedrohlichen Magie des Surrealismus um den Körper, der zur Chiffre von Eros, Tod und Trauer wird. 1972, als Horn als jüngste Teilnehmerin auf der Documenta in Kassel vertreten war, entsteht ihre eindrucksvolle „Bleistiftmaske”, die einem Folterinstrument gleicht, aber eine Mal-Maschine ist. Zeichenstifte sind dabei wie spitze Stacheln an Riemen befestigt, die den Kopf fest umschlingen.

„Einhorn” heißt die Performance, bei der eine junge Frau mit weiß bandagiertem Körper eine Spitze auf dem Kopf trägt. Einschnürende Bandagen und „Prothesen” eröffnen hier wie in vielen anderen Körperskulpturen Horns neue Dimensionen der Wahrnehmung des Körpers und seines Ausdrucks.

Zweckfreie Kunstmaschinen gehören ebenso zum Repertoire Horns, wobei kleine Motoren Messer, Federn, Stäbe oder Pinsel nicht ohne erotische Anspielung in sich immer gleichförmig wiederholende Bewegungen setzen. „Les Amants” heißt 1991 ein solcher Mechanismus, der - in bestem, ungezügelten Action Painting - Tinte aus zwei Trichtern als Symbol unbefriedigten Verlangens „sinnlos” an die Wand spritzt.

Horns Kunst-Konstruktionen kommen mal als ironischer Nonsense in der Nachfolge Tinguelys, mal ernst daher oder lassen an die bedrückende Maschinenwelt im bitter-komischen Chaplin-Film „Modern Times” denken. „Der Zwilling des Raben” ist 1997 Titel eines solchen Arrangements aus schwarzen Feder-Fächern, Motoren und Metall-Achsen.

Historische Verbrechen wie der Holocaust, Thema einer mahnenden Installation 1997 in einem alten Turm in Münster oder wenig später in Weimar als „Konzert für Buchenwald”, beschäftigen die Künstlerin. Hier und da, etwa bei einer Arbeit zum Gedenken der 09/11-Attentate in den USA („Book of Ashes”/2002) oder den sich drehenden Riesen- Pinseln des Meditationsstücks „Yin and Yang” (2004), sind die späten Arbeiten der Künstlerin nicht ohne Nähe zur Larmoyanz.

Seit den 60er Jahren gehören Zeichnungen zum Werk Rebecca Horns, die Trägerin zahlreicher angesehener Künstler-Auszeichnungen wie des Goslarer Kaiserrings oder des Piepenbrock-Preises ist. Während frühe Körper-Skizzen ganz der Vorbereitung ihrer Skulpturen dienten, setzen seit einigen Jahren willkürliche Klecksbilder in surrealem Erbe Assoziationen aus dem Unbewussten frei. Jüngste „Bodylandscapes”, Riesenformate mit bogenförmigen Linien aus dem Schwung der Arme, knüpfen wieder an die frühe Beschäftigung mit dem eigenen Körper an.
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