Nicht gerade funkensprühend: „Das Verhör” im Grenzlandtheater

Von: Grit Schorn
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Das nennt man wohl intensive B
Das nennt man wohl intensive Befragung: „Das Verhör” im Aachener Grenzlandtheater mit (von rechts) Christian Ingomar, Theo Pfeifer und Philipp Wirz. Foto: Kerstin Brandt-Heinrichs

Aachen. Nein, betulich-nett wie die beliebte TV-Krimiserie „Barnaby” ist „Das Verhör” im Aachener Grenzlandtheater nicht, auch wenn der vorwitzige Sergeant und sein eher zurückhaltender Inspector „very british” daherkommen.

Ein trister Vernehmungsraum mit kaltem Licht, einem altmodischen Waschbecken und Minimalmöblierung (Bühne: Nicole Royé und Willy Zitzen) - das reicht als Setting für die gefährliche Handlung, die Claude Miller 1981 in seiner Verfilmung mit Stars wie Lino Ventura, Michel Serrault und Romy Schneider nach Frankreich verlegt hatte.

Das verzwickte Kammerspiel - entstanden nach dem Roman „Brainwash” (Gehirnwäsche) von John Wainwright, der selbst lange Jahre als Polizist in Yorkshire arbeitete - erlebte in der Bühnenfassung von Eddi Cromwell jetzt seine Uraufführung im Grenzlandtheater.

Zu vorgerückter Stunde erwarten Chief Inspector Parker und Sergeant Hastings noch den Hauptzeugen eines schrecklichen Verbrechens. Das Opfer, ein kleines Mädchen, missbraucht und brutal getötet, wurde von dem angesehenen Anwalt Barklay bei seinem Abendspaziergang in einem Park gefunden.

Die Polizisten haben noch einige Fragen an den Zeugen. Der etwas unwillig und im eleganten Smoking (Kostüme: Heike M. Schmidt und Linda Lange) auftretende Anwalt hätte eigentlich Besseres vor. Doch zunächst wirkt die Atmosphäre recht locker, Parker und Barklay kennen sich bereits seit Jugendtagen und aus dem lokalen Golfklub.

Christian Ingomar als Inspector Parker macht das Jagdfieber des Fahnders ebenso deutlich wie seine Zweifel und Ängste, die ihn ans Waschbecken treiben wie einen Pilatus. Philipp Wirz wirkt als junger Sergeant übergriffig und irgendwann auch brutal - sehr glaubwürdig. Er hält den schnieken Anwalt, der sich über seine Ehe beklagt, von Anbeginn für schuldig. Der „Hauptzeuge” wird bald zum Hauptverdächtigen.

Theo Pfeifer gibt dem arroganten und zwielichtigen Juristen starkes Profil; noch überzeugender ist er später als erhitzte und verschwitzte Kreatur, ein geständiger „Spanner”, der das Spiel „böser Bulle, guter Bulle” der beiden Beamten nicht mehr verkraftet. Kühl und schön undurchsichtig spielt Jana Reiß seine wesentliche jüngere Frau Lilian, die ihren Mann schwer belastet.

Doch die schnörkellose Inszenierung von Anja Junski lässt den theatralen Funken nicht so recht überspringen, und die Spiegelwand im Verhörzimmer konfrontiert die Zuschauer in den ersten Reihen mit ihrem eigenen Konterfei.

Nicht jedem gefällt diese ständige „Selbstbespiegelung”. Recht abrupt kommt das Ende mit einer überraschenden Wendung, die viele Fragen aufwirft. Freundlicher Beifall des Publikums.

„Das Verhör” ist bis zum 1. März täglich (außer Fettdonnerstag und Rosenmontag) im Grenzlandtheater Aachen in der Elisengalerie zu sehen. Von 3. bis 14. März gibt es Vorstellungen in den Spielstätten der Region.
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