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Neue Töne: Sades sehnsuchtvoller Schmuse-Pop

Von: Julian Mieth, dpa
Letzte Aktualisierung:

Hamburg. Freunde des melancholischen Schmacht-Pops können aufatmen: Nach zehn Jahren Stille ertönt jetzt wieder die Samtstimme von Sade Adu.

Seit dem 1984 erschienenen Debütalbum „Diamond Life” ist die geschmeidige Stimme das unverwechselbare Erkennungszeichen der britischen Sängerin. Seit Freitag ist ihr neues Album „Soldier Of Love” auf dem Markt.

Während sich die 80er-Jahre im Pop in entseelten Synthie-Sounds, toupierten Haarschnitten und gewagten Pullover-Leggins-Kombinationen ergingen, präsentierten Sade und ihre dreiköpfige Band eleganten Cool Jazz, verfeinert mit pointiert eingesetzten Saxofon-Solos und dezenten Latin-Pop-Einlagen. Mit dem enigmatischen „Smooth Operator” wehte 1984 jäh ein Hauch von entrückter Romantik über die Tanzfläche, zu der sich Paare eng umschlungen im Schein der neonfarbenen Bar- Beleuchtung wiegten.

Auf ihrem jüngsten Werk „Soldier Of Love” hat die britische Sängerin nigerianischer Abstammung nun den zeitgenössischen Rhythm and Blues entdeckt. Die Freude an aufgebrochenen Takt-Konstruktionen und synkopierten Phrasen wird gleich im ersten Stück ”The Moon And The Sky” deutlich. Darin stimmt Sade mit leicht angerauter Stimme zur Wehklage über eine längst vergangene Beziehung an. Ihr Grundthema hat die 51-Jährige nicht aus den Augen verloren: Weiterhin singt sie von den Liebesscharmützeln der Geschlechter.

Wirklich neu klingt dagegen das Titellied und ist darum auch das stärkste Stück der Platte. Rigide Trommelwirbel brechen nach vorne und jaulende Power-Gitarren reißen selbst den letzten Verliebten aus seinen Träumen. So martialisch hat sich Sade ihren Hörern noch nie gezeigt. In dem vorab veröffentlichten Musikvideo zeichnet die Sängerin eine trostlose Welt: Blitze zucken, Explosionen knallen und uniformierte Männer tanzen im Gleichschritt.

So unmittelbar geht es jedoch nur gelegentlich weiter. Den Rest der Platte machen süßliche Dub-Balladen aus - wie etwa „Babyfather”, in dem die 13 Jahre alte Tochter Ila im Hintergrund singen darf, oder „Long Hard Road”. Das alles klingt zwar nett, ist aber musikalisch wenig spektakulär. Vielmehr scheint Sade mit unbekannten Klängen und Stilen experimentieren zu wollen - in „Be That Easy” schreckt sie sogar vor Country-Klänge nicht zurück.

Dass Sade jäh zu überraschen vermag, ist indes nichts Neues. Immer wieder tauchte sie ins Private ab - etwa Anfang der 90er-Jahre: Sie ließ sich von dem spanischen Filmproduzenten Carlos Scola scheiden, ohne dass man zuvor von einer Heirat gewusst hätte, und gebar 1996 nach einer Affäre mit einem jamaikanischen Musiker ihre Tochter. Unvermittelt erschien dann 2000 das Album „Lovers Rock”. Ein Jahr später folgte eine Tournee durch die USA.

So plötzlich wie sie sich auf der Bühne zurückgemeldet hatte, so schnell war sie wieder verschwunden. Dieses Mal suchte sie Zuflucht vor der Öffentlichkeit in der ländlichen Idylle in Londons Norden. „Ich bin nicht gerade kontaktfreudig”, sagt Sade. „Ich mache gerne Dinge allein - wie Werkeln, Schreiben oder Gärtnern.”

Vor zwei Jahren trafen sich alle Bandmitglieder erstmals wieder gemeinsam im Studio. In mehreren Sessions erarbeiteten sie das mit neuem stilistischen Beiwerk drapierte Liedgut, ohne ihren in Schwermut schwelgenden Klängen untreu zu werden. Sade weiß um die Ambivalenz ihrer Musik: „Aus Traurigkeit kann durchaus Glück entstehen. Fröhliche Lieder können dich aber noch schlechter fühlen lassen.”
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