Aachen - Mozart kommt exzellent zur Geltung

Mozart kommt exzellent zur Geltung

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Dass Mozart ausgerechnet seine beiden größten und bedeutendsten Chorwerke, das „Requiem” und die Messe in c-Moll KV 427, unvollendet hinterlassen hat, ist schon bedauerlich genug.

Die hypothetischen Rekonstruktionsversuche ganzer Heerscharen von Mozart-Kennern aller Zeiten schafften leider keine Milderung, sondern verstärkten meist noch den Kummer um die verlorenen Schätze. Dem Problem konnte sich auch Marcus R. Bosch bei seiner Aufführung der großen Messe im voll besetzten Aachener Dom nicht ganz entziehen.

Er griff auf die behutsame, auch in der Neuen Mozart-Ausgabe enthaltene Fassung von Helmut Eder zurück, die sich zum Glück mit einigen (sinnvollen) Ergänzungen in der Instrumentation und der doppelchörigen Ausarbeitung des Sanctus begnügt und das Werk als fragmentarischen Torso (ohne Agnus Dei, mit einem rudimentären Credo) belässt.

Akustisch problematisch

Wer auf den Sitzen nur noch Platz fernab in der Nähe des Karlsschreins finden konnte, dem blieb die doppelchörige Raffinesse des Sanctus akustisch vorenthalten.

Dass die kunstvollen Chorfugen dennoch nicht zu einem diffusen Klangbrei verklumpten, ist dem exzellenten Niveau des Chors der „vocapella” zu verdanken, den Bosch vor 21 Jahren in seiner Heimatstadt Heidenheim gründete und der derzeit von Andreas Klippert vorzüglich betreut wird.

Bosch sorgt mit zügigen Tempi und der ihm eigenen lebendigen Phrasierung für eine in jedem Takt spannende Interpretation auf hohem vokalem und orchestralem Niveau.

Dabei entfaltet das Aachener Sinfonieorchester ein samtweich abgedunkeltes Klangbild. Auch wenn sich Bosch emotional zurückhält und jeder Emphase aus dem Weg geht, wirkte sich das Ganze weniger nüchtern aus als seine nicht unumstrittenen Bach-Interpretationen.

Den ätherisch schwebenden Höhenflügen im Kernstück des Werks, dem „Incarnatus”, fehlte es allerdings ein wenig an Auftrieb. Für das vollkommene Glückserlebnis mangelt es dem Sopran von Stephanie Elliott an der nötigen Schwerelosigkeit.

Absolut untadelig

Ansonsten setzte die Sängerin zusammen mit ihrer Kollegin Astrid Pyttlik markante Akzente. Patricio Arroyo (Tenor) und Randall Jakobsh (Bass) führten ihre von Mozart etwas stiefmütterlich behandelten Partien absolut untadelig aus.

Viel Beifall für eine exzellente Begegnung mit Mozarts kostbarstem Chorwerk.
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