Motto: Adeliger Bauer sucht Frau

Von: Eckhard Hoog
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Sie spielen die Hauptrollen in
Sie spielen die Hauptrollen in „Arabella”: Irina Popova (links) und Michaela Maria Mayer. Foto: Wil van Iersel

Aachen. Marketingexperten hätten ihre Freude daran, mit welchem Slogan man heute eine 1933 in Dresden uraufgeführte Oper an den Mann bringen könnte: „Adeliger Bauer sucht Frau”. Kein Geringerer als Marcus Bosch entdeckte die Nähe von Richard Strauss musikalischem Werk „Arabella” und einschlägig beliebten Privatfernseh-Formaten.

Aber Bosch wäre nicht Aachens Generalmusikdirektor, würde er die Qualitäten dieses musikalisch wie szenisch genialen Dreiakters ernsthaft auf den Wert einer bloßen Docusoap reduzieren. Immerhin: Der 41-jährige Heidenheimer hält den Unterhaltungswert des Werks, das ausgerechnet genau im Jahr seiner Geburt zum letzten Mal in Aachen gespielt wurde, für durchaus vergleichbar mit popkulturellen Blockbustern. Nur: Den Opernfreunden könnte das möglicherweise wenig bekannt sein. Am 1. Mai ist Premiere im Theater Aachen, das sich riesig darauf freut, ein „total neugieriges Publikum” (Bosch) begrüßen zu dürfen.

„Es gibt den schwierigen Strauss der Elektra und den heiteren der Arabella”, sortiert Aachens GMD das Oeuvre des Münchner Komponisten, der die Noten für „Arabella” mit Blick auf die Garmisch-Partenkirchener Berge zu Papier brachte - geradezu ein Dickicht an Noten, die teilweise auf bestimmten Instrumenten wie den Geigen gar nicht spielbar sind. Strauss-Kenner vermuten heute, dass er mit seiner ausgiebigen Komponiernotiererei die rechte Ausrede hatte, um seinem angeheirateten Hausdrachen Pauline fern bleiben zu können.

Viele komische Momente

„Arabella” könnte die entsprechende Gegen-Projektion gewesen sein, die Vision von einer Frau - Bosch schwärmt von der Figur und dem mit ihr verbunden psychologischen Tiefgang der Oper: „Wie sie liebt, wie sie leidet, wie sie hofft - das geht einem selbst beim Dirigieren noch zu Herzen.” „Araballa”, das ist für Bosch der typische Strauss des „Rosenkavaliers” - eine Komödie für Musik. Komische Momente gibt es führ ihn zuhauf, trotz der etwas bedrückenden Grundkonstellation einer Familie, die sich am existenziellen Abgrund bewegt. Verarmter Adel, selbst verschuldet: Graf Waldner hat Haus und Hof verspielt, das Restvermögen reicht gerade, einer der beiden Töchter Arabella und Zdenka die obligatorische Mitgift zu bieten. Zdenka zieht dabei den Kürzeren und muss die Pleite der Waldners als vermeintlicher Sohn Zdenko ausbaden. Keine Frage: Das kann weder glatt- noch gutgehen. Und mündet in hochkomische Situationen. zumal Arabellas agrarisch geprägter Verehrer die Herkunft nicht verleugnen kann. Das Ganze spielt an einem Karnevalsdienstag. Bosch, augenzwinkernd: „Ist doch wie für Aachen gemacht.”

Die Orchesterbühnenprobe ist gerade vorbei, der Dirigent ist noch ganz gefangengenommen von der Vielfalt der musikalischen Farben: „Das quirlt hier und wuschelt da - ein einziger Klangzauber.” Am liebsten mag Bosch dabei die Momente wenn es beinahe ganz still ist, „wenn Arabella ganz bei sich ist......”

Zweieinhalb Stunden plus zwei Pausen zwischen den Akten, so lange wird das Vergnügen dauern - das Publikum, verspricht Bosch, wird seine Freude daran haben. Regie führt Ludger Engels.

Fritz Busch gewidmet

Richard Strauss widmete „Arabella” im Übrigen dem GMD der Dresdener Semperoper Fritz Busch, und der war zuvor Musikdirektor des Sinfonieorchesters Aachen - Vorgänger vor solchen Heroen wie Karajan, Sawallisch, Bosch und wer da in Kürze noch alles kommen mag.

„Arabella”, Oper von Richard Strauss, im Theater Aachen. Premiere: Sonntag, 1. Mai, 18 Uhr.

Weitere Aufführungen: 7., 12., 22., 28. Mai; 5. Juni; 3., 7. und 15. Juli.
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