„Mörderische Phantasien”: Es grüßt Miss Marple

Von: Grit Schorn
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„Mörderische Phantasien” im
„Mörderische Phantasien” im Aachener Grenzlandtheater - leichte Krimi-Unterhaltung zum Saisonausklang: mit Zeljka Preksavec und Tom Vie-
höfer. Foto: Kerstin Brandt-Heinrichs

Aachen. Gar nicht übel, was sich der Drehbuch- und Theaterautor Bernard Slade da ausgedacht hat. Der gebürtige Kanadier, Jahrgang 1939, der auch in Hollywood sehr erfolgreich war, gewährt in seinem Beziehungskrimi „Mörderische Phantasien” verblüffende Einblicke in eine Paarbeziehung, die bereits seit 20 Jahren besteht.

Einfallsreich schon die Auftaktszene mit Agatha-Christie-Touch, er an seinem Schreibtisch hockend, sie weit entfernt davon in einem bequemen Sessel - im ebenso bequemen Bademantel. Und das um sechs Uhr nachmittags...

Klingt da schon das Nachlassen der partnerschaftlichen Bemühungen an, die später zutage tritt? Arthur Putnam, beliebter Kriminalautor, stopft seine Pfeife, nimmt einen alten Armee-Revolver auf und gibt einen dröhnend lauten Schuss ab: in Richtung Ehefrau Julia, die maßlos erschrickt.

Nicht nur über diesen „Scherz” ist Julia entsetzt, sondern auch wegen ihrer Lektüre. Anders als sonst hat Arthur erstmals keinen Thriller geschrieben, sondern eine „saftige” Liebesgeschichte, mit einer männlichen Hauptperson, die ihr sehr vertraut vorkommt. Hat Arthur etwa hier über eine eigene Affäre geschrieben?

Julias Eifersucht wird schnell weiter befeuert. Denn bald taucht Brenda auf, eine attraktive, exaltierte Blondine. Regisseur Frank Voß, auch als Schauspieler kein Unbekannter, inszeniert charmant und mit Augenzwinkern die ausufernden Verdachtsmomente und immer neu entstehende Konstellationen. Feines intimes Zusammenspiel von Zeljka Preksavec und Frank Büssing als Julia und Arthur, ein Paar, das vielleicht doch noch zueinander findet.

Umtriebig und flott im 60er-Modelook verkörpert Alexandra Sydow die Brenda, die mehrere Leben zu haben scheint. Mit reizender Scheu spielt Marie-Theresa Lohr die junge Lektorin, und Tom Viehöfer als Julias Stiefsohn überrascht mit finsteren Plänen.

Marion Gretchen Schmitz imponiert als kühl-elegante Amerikanerin, die unbedingt Arthurs „wahre Geliebte” sein will, und Peter Anders macht aus seinem Part als bescheidener Polizist und Amateurmime einen köstlichen Auftritt. Bühne und Kostüme mit Miss- Marple-Charme: in den bewährten Händen von Manfred Schneider. Herzlicher Applaus.

Weitere Aufführungen gehen bis zum 17. Juni im Aachener Grenzlandtheater, Elisen-Galerie, über die Bühne (Beginn jeweils 20 Uhr), danach bis zum 6. Juli in Spielstätten der Region.
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