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Mitreißende Inszenierung: Das Sams im Das Da Theater

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Turbulent: Am quirligen Sam (Rebecca Selle) kommt auch Herr Taschenbier (Mike Kühne) nicht vorbei. Premiere im Das Da Theater Aachen.

Aachen. Am ebenso quirligen wie dickbäuchigen Sams kommt keiner vorbei. Das kesse, um keine Frage verlegene Geschöpf nimmt jeden gefangen. Gerade weil es so unbefangen in die Welt des scheuen Büroangestellten Taschenbier gerät, ist es praktisch nicht möglich, sich diesem „unmöglichen“ Wesen zu verweigern.

 Paul Maar berühmtes Kinderstück „Eine Woche voller Samstage“ begeistert nicht nur die kleinen Zuschauer ab sechs Jahre, sondern ebenso Eltern und Großeltern. Und selbst kritische Jugendliche lassen sich von dem respektlosen wie gewitzten Wesen bezaubern.

Maren Duponts mitreißende Inszenierung wird einfallsreich unterstützt durch Frank Rommerskirchens wunderbare Pappmaché-Welt, die sich blitzschnell wandeln kann: Eben noch das triste Zimmer des Untermieters Taschenbier, im nächsten Moment ein Kaufhaus, ein Park oder das Büro mit einem Stinkstiefel von Chef.

Der schüchterne Büroangestellte Taschenbier muss sich urplötzlich um dieses wie vom Himmel gefallene Wesen kümmern, das sich Sams nennt und nach einer Woche wieder entschwindet. Nach und nach merkt der schüchterne Mann, der sich auch seiner rigorosen Zimmerwirtin, Frau Rotkohl, unterworfen hat, wie köstlich Mut und Durchsetzungskraft schmecken. Dass er dies alles dem unverschämt durchsetzungsfähigen Sams zu verdanken hat, merkt er erst später.

Ein Genuss für kleine und große Zuschauer: Szenen im Kaufhaus, wo das Sams Anzüge anprobiert und sie durch kräftiges Einatmen platzen lässt, begeistern ebenso wie die Situation im Büro, wo Taschenbiers ebenso jämmerlicher wie nervöser Chef seinen Mitarbeiter plötzlich zu schätzen weiß. Sams, ein mathematisches Genie, hat dazu kräftig beigetragen. Der kleine Frechling mit dem roten Haar und den blauen Wunschpunkten im Gesicht nennt Herrn Taschenbier „Papa“, woran sich der Angestellte schnell gewöhnt hat.

Kinder werden einbezogen

Mit ganz schön frechen Liedern (musikalische Leitung: Christoph Eisenburger) werden die Kinder ebenso einbezogen, wie mit dem Abreißen des großen Wochenkalenders auf der Bühne – bis Samstag geht die Woche, in der das Sams wieder entschwindet. Doch es wird wiederkommen, irgendwann zu seinem „Papa“, der immer mehr Selbstvertrauen gewinnt und sogar die herrschsüchtige Frau Rotkohl in eine völlig andere Person verwandelt.

Gerade diese Slapstick-Szenen mit rasantem Wortwitz sind es, die alle im Publikum zu Beifallsstürmen hinreißen. Die Schauspieler kann man gar nicht genug loben für ihre großartige Ensemble-Leistung: Rebecca Selle als Sams und Mike Kühne als Herr Taschenbier gehen wundersam anrührend und ebenso witzig in ihren Rollen auf. Tobias Steffen kann auch sein ganzes Können zeigen in grundverschiedenen Parts : als Müllmann mit Migrationshintergrund, als Abteilungsleiter, Schüler und vor allem als Frau Rotkohl, der er unnachahmliche Charakterzüge verleiht. Und Christoph Kubica imponiert als ekliger Lehrer, als Verkäufer, als nervöser Chef und sogar als kuschliger Eisbär. Dass man vor selbst ernannten „Respektpersonen“ nicht immer kuschen muss, macht die einstündige Vorstellung sehr schön klar.

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