Metropolis trifft auf den „Herrn der Ringe”

Von: vm
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„Mondkarren”: Die Sammlung „Kunst aus NRW” zeigt unter anderem dieses Werk von Hans Salentin. Foto: Ralf Roeger

Kornelimünster. Der ursprüngliche Zweck der massiven Maschinenteile lässt sich nur noch erahnen. Vielleicht ist das eine ein Tankdeckel, das andere Teil einer Pumpe.

Unter Hammerschlagblau und Felgensilber hat Hans Salentin (1925-2009) sie aus ihrem Zusammenhang gerissen und zu neuen Gebilden zusammengestzt. Zum Astronauten, Fahrrad, Mondkarren oder martialisch wirkenden Robotter.

Eine kleine Retrospektive seiner collagierten Montagen und Zeichungen sind ab morgen, 22. Januar (Eröffnung 15 Uhr), bei „Kunst aus NRW” in der ehemaligen Reichabtei Kornelimünster zu sehen. Die meisten Werke des gebürtigen Düreners, der in Köln lebte und 2009 verstarb, stammen aus dem Nachlass und einer Privatsammlung in Essen, nur das „Fahrrad” befindet sich in der Sammlung in Kornelimünster.

Zu den frühen Arbeiten gehören zeilig zu Reliefs angeordnete Dachziegel - die Nähe zur Düsseldorfer Gruppe „Zero” ist hier in der Beschränkung auf die Struktur, auf Licht und Schatten, noch am offenkundigsten. Zu „Zero” zählten Ende der 50er bis Mitte 60er auch Heinz Mack und Otto Piene. Die Hinwendung zur Leichtigkeit der Kinetik vollzog Salentin allerdings nicht. Stattdessen sperren sich viele seiner Konstruktionen symmetrisch starr in den Raum, etwa das „Hippiebett” mit seinem Gleichklang aus parallelen Verstrebungen und acht ovalen Lüftungsgittern.

Gegen die Metropolis-Industrie-Ästhetik wirken manche Bilder des Düsseldorfers Klaus Ritterbusch geradezu wie Szenen aus Fantasyromanen. Drei Türme oder Felsen in der Ferne, darüber ein diffuses Licht, im Vordergrund eine einsame Gestalt, die am Rande eines Kraters steht. Ritterbusch gilt nicht umsonst als moderner Romantiker, allerdings will Kuratorin Maria Engels diese Romantik nicht als Idylle verstanden wissen; hinter den meist menschenleeren Landschaften stünde nicht nur Sehnsucht und Beglückung, sondern auch Endzeitstimmung und Bedrohung, sagt sie. Etwa bei dem neon-orange spuckenden Vulkan.

Ritterbusch (geb. 1947) hat in Berlin nicht nur Maltechnik studiert, sondern auch Philosophie, Soziologie und Psychologie. 1979 erhielt er den Förderpreis für Bildende Kunst des Landes NRW.

Bislang noch nicht gezeigt ist Ritterbuschs aktueller Zyklus „Körper-Krakeleen”. Das Besondere ist eine Mischtechnik, bei der die aufgetragene Farbe durch Sonneneinstrahlung bricht. Die Risse erinnern an weiße Adern, die sich durch die schwarzen Torsi ziehen. Ebenfalls in jüngerer Zeit entstanden ist eine Bilderreihe in Anlehnung an das Ramayana - die Sage um den indischen Prinzen Rama.

Über die beiden Förderpreisträger hinaus, denen die Ausstellungen „Klaus Ritterbusch - Quatro Stazioni” und „Reliefs-Skulpturen-Collagen” gewidmet sind, sind im Obergeschoss Neuankäufe junger Kunst aus dem vergangenen Jahr zu sehen.

Die Ausstellungen in der ehemaligen Reichsabtei in Kornelimünster laufen bis zum 13. März. Öffnungszeiten: dienstags und mittwochs 10 bis 13 und 15 bis 17 Uhr, samstags 15 bis 18 Uhr, sonntags 12 bis 18 Uhr.
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