Meisterkonzert technisch gut, aber ohne Esprit

Von: Thomas Beaujean
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Aachen. Zwei bedeutende Mozart-Werke in festlichem C-Dur bildeten den Schwerpunkt des 4. Meisterkonzertes im Aachener Eurogress: das Klavierkonzert KV 503 und die Jupiter-Symphonie. Festliches C-Dur? Nicht so beim Solisten des Abends: dem jungen Pianisten David Fray.

Der hochgelobte Franzose spielte den Solopart des zugegebenermaßen nicht durchweg strahlenden Konzertes technisch zweifellos makellos, aber ohne jeden Esprit, ohne Charme, wirkte eingesponnen wie in einen Kokon, ohne jede Kommunikation mit den überaus differenziert und temperamentvoll musizierenden London Mozart Players und ihrem Dirigenten David Stern, der alles versuchte, wenigstens aus dem Orchesterpart Funken zu schlagen.

Selbst im Rondo-Finale konnte sich Fray nicht zu einer freundlicheren und freudigeren Artikulation durchringen. Insofern blieb die Wiedergabe des vielschichtigen Werkes bei allen Qualitäten des Orchesters unbefriedigend.

Auch Frays Zugabe mit Schuberts As-Dur-Impromptu wirkte versponnen, völlig zurückgenommen und freudlos. Ist das nun Attitüde oder künstlerische Überzeugung?

Fray wird seinen Weg, den er mit Bach so überzeugend eingeschlagen hat, zu anderen Komponisten wohl noch finden müssen.

Jupiter-Symphonie gelungen

Umso gelungener war dann die Aufführung der Jupiter-Symphonie im zweiten Konzertteil. Die London Mozart Players erwiesen sich hier als ein Ensemble von hohen Qualitäten, das sich von David Stern zu einer klanglich transparenten, vitalen und zügigen Mozart-Interpretation anregen ließ, die keine Wünsche offen ließ.

Dabei gingen die durchweg straffen Tempi nicht zu Lasten fein ausgearbeiteter Details und eines sorgfältig artikulierten Klangbildes. Bei aller Vitalität hielt auch das kostbare Finale immer die Balance zwischen Schwung und genauer Zeichnung der polyphonen Strukturen. Einen originellen Beitrag aus der Raritäten-Kiste stellte die 7. Sinfonie „La Chasse” des englischen Mozart-Zeitgenossen John Marsh dar, während von den Interludien aus Henry Purcells Oper „Dido und Aeneas” vor allem das abschließende, von der Solobratscherin bewegend schön gespielte Lamento des Aeneas beeindruckte. Als schmissige Zugabe musizierten die Londoner das Scherzo aus Carl-Maria von Webers C-Dur-Symphonie.
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