Aachen - Meister mit dem typischen Blick auf die Qualitäten des Einzeltons

Meister mit dem typischen Blick auf die Qualitäten des Einzeltons

Von: Pedro Obiera
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Aachen. Extrem eng wurde es im Spiegelsaal des Theaters beim 2. Programm der städtischen Kammerkonzertreihe, die sich anhaltender und offenbar auch wachsender Beliebtheit beim Publikum erfreut.

Was Werkwahl und Ausführung angeht, gehörte das Konzert zum Besten seit längerer Zeit. Wie schon beim letzten Mal gaben auch diesmal die Damen den Ton an. Im ersten Programmblock sah sich Cellist Walter Mengler einer ausschließlich weiblichen Phalanx ausgesetzt, was ihn freilich nicht in Bedrängnis bringen konnte.

Man startete mit zwei Solo-Vorträgen des koreanischen Meisters Ysang Yun: „Piri” für Oboe solo, entstanden 11971 unter dem Einfluss seiner Kerkerhaft, sowie „Salomon” für Flöte solo. Das asketisch streng klingende Oboen-Werk gestaltete Blanca Gleisner mit fein nuancierten Farben von fahlen bis zu kerngesunden Klängen und gewann den vier kurzen, aber intensiven Sätzen auch emotionale Stärke ab.

Versöhnlicher gibt sich das ruhigere Flöten-Opus, das den für Yun typischen Blick auf die Qualitäten des Einzeltons richtet und das Stefanie Faust mit langem Atem und ebenfalls differenziert abgestuften Klangnuancen interpretierte. Eine erfrischend vitale Darstellung von Mozarts kurzem Oboen-Quartett C-Dur KV 370 schloss den ersten Programmteil ab. Hier schien die Arbeit von GMD Marcus R. Bosch an einer lebendigen und natürlichen Phrasierung auch auf dem kammermusikalischen Parkett Früchte zu tragen.

Spannungseinbußen konnten so selbst im leicht gefährdeten langsamen Satz vermieden werden. Das betrifft auch das große, zerklüftete Streichquartett Nr. 2 a-Moll op. 13 von Felix Mendelssohn Bartholdy, das in seiner emotionalen Zerrissenheit selbst im Scherzo nicht die geringsten Rückschlüsse auf die klischeebeladene „Sommernachtstraum”-Welt des jungen Komponisten zulässt.

Als Schmankerl trug die Sopranistin Monika Kettenis mit dem Cellisten Nigel Fish am Klavier (!) zunächst das Lied „Frage” vor, das Mendelssohn in seinem Quartett zitiert. Das Quartett bot eine in sich geschlossene und gleichwohl aufgewühlte Interpretation, die die starke Beethoven-Nähe nachhaltig hörbar machte.

Anja Busemann und Fabian Grimm (Violine) sowie Andrea Böhnel (Viola) und Nigel Fish (Violoncello) gelang eine in jedem Takt spannende, klanglich exzellent ausgehörte und spieltechnisch vorzügliche Interpretation des bedeutenden, im Alter von 18 Jahren entstandenen Werks.

Begeisterter Beifall für einen hervorragenden Beitrag zur maßgeblich von der „Gesellschaft der Musik- und Theaterfreunde zu Aachen” finanzierten Reihe. Das Konzert wird heute Abend um 20 Uhr im Spiegelfoyer des Theaters wiederholt.
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