„Mein Parzifal“: Ein Ritter findet seinen Weg

Von: Grit Schorn
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Ein Stück für Menschen ab 10 Jahren: „Mein Parzifal“ bietet das Aachener Grenzlandtheater als „Greta“-Produktion des jungen Grenzlandtheaters den Schulen der Region an. Jutta Dolle und Patrick Dollmann spielen darin alle Rollen. Foto: Kerstin Brandt-Heinrichs

Aachen. Wer hätte das gedacht? Parzifal, der junge Tor, der im Wald aufwächst, damit er bloß nicht mit der Welt da draußen in Berührung kommt, und der später dennoch die untröstliche Mutter Herze-loyde verlässt, um ein tapferer Ritter wie sein im Morgenland gefallener Vater zu werden, ist nicht nur der Held einer berühmten Wagner-Oper, sondern auch von Wolfram von Eschenbach im 13. Jahrhundert in nahezu 25.000 Verse gefasst.

Und jetzt können Jugendliche (ab 10 Jahren) seine Geschichte in knackigen 50 Minuten in der Schule miterleben. Greta, das junge Grenzlandtheater Aachen, macht es möglich.

Vorreiter war jetzt das Rhein-Maas-Gymnasium in Aachen mit der Premiere der Bühnenversion von Paul Steinmann und Karin Eppler. Die siebte Klasse, gut vorbereitet von Lehrern und der Theaterpädagogin Anja Geurtz, zeigte sich begeistert von den Erlebnissen des zunächst so weltfremden Jungen, der auszieht, um Abenteuer zu bestehen und so etwas wie eine „Ritter-Lehre“ macht.

Glänzend die beiden Akteure Jutta Dolle und Patrick Dollmann, in guter Erinnerung geblieben aus „Werther“, die sämtliche Rollen spielen. Ein Riesenbuch auf der Bühne macht (fast) alles möglich. Der „Wälzer“, der natürlich an die 25.000 Verse erinnern will, birgt viele Geheimnisse, Requisiten und Standorte. Großartig, wie lebensecht die beiden Schauspieler sich rasend schnell in andere Figuren verwandeln. Man begegnet vielen Figuren wie Klingsor, Kundry, König Artus ebenso wie Amfortas, dessen Siechtum nur durch Parzivals Mitleid behoben wird.

Ein höchst aufmerksames junges Publikum ließ sich von dem wundersamen und humorvollen Geschehen bezaubern. Liebesszenen („wie im Kino“) kamen ebenso gut an wie Fechtkämpfe und witzige Dialoge.

Der „junge Tor“ Parzival offenbart den gleichen Wunsch nach Vorbildern wie heutige Jugendliche, die auch ihren eigenen Weg finden müssen. Und aus Fehlern lernen können und müssen. Wichtige Entwicklungsprozesse also, die auch Parzifal aus seiner Weltfremdheit befreien. Hell leuchtet der Heilige Gral (dank LED), und das junge Publikum strahlt ebenfalls. Eine wunderschöne Aufführung, glänzend inszeniert von der erst 26-jährigen Regisseurin Sonja Hödl.

Applaus bis zum (buchstäblichen) Abwinken von GTA-Theaterintendant Uwe Brandt.

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