„Me and my girl” begeistert in Mönchengladbach

Von: Armin Kaumanns
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Eigentlich ist alles grauenhaft: Aber das Musical „Me and my girl ist wenigstens „handgemacht” - und kommt beim Publikum in Mönchengladbach bestens an. Foto: Matthias Stutte

Mönchengladbach. Die Story ist fade und zu lang, die Musik wenig originell, die Inszenierung uninspiriert, die Akustik grauenhaft, und die Pointen sind vorhersehbar - trotzdem herrscht nach der Premiere des Musicals „Me and my girl” im Theater im Nordpark in Mönchengladbach beste Stimmung im ausverkauften Parkett.

Man klatscht, trampelt mit den Füßen, Bravos überfluten die Bühne, die ihrerseits birst vor Sängern, Opernchor, Tänzern und Statisten. Wie geht das zusammen?

Gute Unterhaltung muss nicht gut sein, mag man nach so einem Abend kalauern, hat man doch im Hinterkopf etwa die unsäglichen „Wetten dass...” oder „Musikantenstadl”, die trotz himmelschreiender Dürftigkeit regelmäßig ein Millionenpublikum vor die Mattscheibe bannen. Das Musical ist zumindest live, handgemacht und mit großem Engagement gesungen und gespielt - sicher ist es ja gerade das, was bei einem Theaterbesuch immer wieder fasziniert. Diesmal kommen auch noch massenweise hübsche, pastellbunte Kostüme dazu und der Mutwille, mehr oder weniger alles in Tanz oder zumindest rhythmisches und im Pulk synchrones Gehüpfe zu verwandeln. Fertig.

„Me and My Girl” stammt aus der Feder von Noel Gay, erblickte 1937 in London das Licht der Welt und wird seitdem eher selten gespielt. Vielleicht weil „My Fair Lady” so viel besser ist. Die Handlung ist ähnlich, nur dass hier ein Bill lernen muss, sich wie ein Gentleman zu benehmen, wo er doch aus der Gosse Londons stammt. Er ist der „Seitensprung” eines Lords und soll viel Geld erben und der Earl von Hareford Hall werden. Wenn er sich benehmen kann. Die Kohle will Bill schon, aber noch viel lieber seine Sally, die ebenso wenig vorzeigbar ist, aber sehr herzig singt und ihn kurz vor Schluss sogar freigeben will, aus Liebe. Mit von der Partie sind neben Massen von Nebenfiguren, einem Testamentsvollstrecker, zwei ältere und zwei jüngere Herrschaften von Stand, aber ohne Herzensbildung - am Ende kriegen sich alle.

Schlagwerk aufgerüstet

Im Graben leitet Kenneth Duryea die Niederrheinischen Sinfoniker, die mit Klavier, Saxophon und Schlagwerk aufgerüstet sind. Der Job der Schlagzeuger ist faszinierend, besteht er doch aus pausenlosem Hin und Her zwischen Glockenspielen, Pauken, Becken mit gleichzeitiger Betätigung von Trillerpfeifen, Windspielen, Eselskiefern und anderen Effektgeräten.

Auf der Bühne mobilisiert Regisseur Georg Köhl die Massen, verwandelt aber auch den allerletzten Ton der Partitur in rhythmische Bewegung des Personals, dass man sich im Grunde nach der Ouvertüre schon reizüberflutet vorkommt. Mit Luis Lay ist ein singender Tänzer für die Rolle des Bill besetzt, Gabriela Kuhn, ist auf süße Sally gestylt, hat die Attitüden eines Schlager-Sternchens aber bestens drauf, auch stimmlich. Sie ist so präsent wie niemand sonst. Bemerkenswert, weil immer gleich lustig ist Walter Plant als Anwalt sowie Isabelle Razawi als nymphomane Lady Jacqueline. Nymphoman ist gar kein Ausdruck.

Des Weiteren wird unentwegt gereimt, etwa so: „Ich lehne am Laternenpfahl, du hältst mich wohl für asozial.” Und ohne Unterlass rücken fleißige Bühnenarbeiter bemalte Tafeln in die Szene und wieder weg, damit Platz für die Tänzer ist. Alles ist Tiffany oder graue Backsteinmauer - schaurig-schön. Und was das alles soll, fragt hinterher sowieso niemand. Hat aber Laune gemacht.
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