Aachen - Marga Render sorgt für Schwung auf der Minibühne

Marga Render sorgt für Schwung auf der Minibühne

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Ganz schön flott: Bei der Inszenierung des Musicals „Irma la Douce“ im Grenzlandtheater Aachen, das am 15. Dezember Premiere hat, wird viel gesungen und getanzt. Foto: Harald Krömer
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Für die Choreografie ist Marga Render verantwortlich. Foto: Harald Krömer

Aachen. Auf dem schwarzen Shirt glitzert es rosig: „100 “, das ist Marga Renders Devise – immer und bei jedem. Die Proben zum Musical „Irma la Douce“, das am 15. Dezember im Grenzlandtheater Aachen Premiere hat, laufen auf Hochtouren.

Marga Render (50) sorgt für den Tanz, für geschmeidige Bewegungsabläufe auf der kleinen Bühne – seit Jahren eine spannende Aufgabe für die erfahrene Choreographin, die unter anderem für die Schauspielbühnen Stuttgart, das Ohnsorg-Theater Hamburg und die Volksoper Wien im Einsatz ist. Ihre letzten Produktionen am Grenzlandtheater Aachen waren „La Cage aux Folles“, „Cabaret“ und „Hello Dolly“ – rund 50 Musicals hat sie bereits betreut.

Natürliche Übergänge

Bei „Irma la Douce“ gilt es erneut, auf wenigen Quadratmetern möglichst viel Schwung zu entwickeln, Maxine Kazis, die „Irma“, elegant mit „ihren sieben Männern“ in Szene zu setzen. „Das Schöne bei diesem Stück ist der häufig sehr natürliche Übergang von Spiel- zur Tanzszene“, sagt Marga Render. „Das muss natürlich wirken.“ Damit das gelingt, wird geübt, ausprobiert, noch mal, noch mal, noch mal.

„Zu Hause höre ich die Musik und zeichne mir mögliche Bewegungsabläufe auf“, berichtet die Choreographin, die in Paris ihre Ausbildung durchlaufen hat und selbst viele Jahre lang als Tänzerin auf der Bühne stand – unter anderem im Theater Aachen. „Da muss ich bei der Entwicklung des Stücks schon meine Hausaufgaben machen.“ Ihre Devise: „Jeder kann etwas, aber nicht jeder kann alles.“

Dennoch müssen in den Tanzszenen alle zusammen gut wirken. In diesem Probendurchlauf mit einer vor Optimismus sprühenden „Irma“ ist beim Song „Dis-donc“ eine Hebung vorgesehen „Da sorge ich schon dafür, dass die kräftigeren Leute auf die richtige Position kommen“, meint Marga Render und schaut genau hin. „Die Darstellerin muss sich schließlich sicher fühlen.“ Sind die Tänzer synchron? Steht niemand dem anderen im Weg? Sie hockt sich hin. Wie sieht es jetzt aus? „Die Zuschauer in den ersten Reihen haben diese Perspektive“, lacht die Tanzexpertin. „Daran muss man immer denken.“ Regisseur Ulrich Wiggers nickt, geht manchmal in die Szene, sorgt für kleine Veränderungen. Aber beim Tanz hat Marga Render das Sagen.

Was ist von diesem Musical, das bereits 1956 in Paris Premiere hatte, zu erwarten?

Tanzstile werden gemischt

„Die Tanzstile sind gemischt, bei uns gibt es Break Dance, Hip-Hop, Streetdance, eine poppige Mischung, natürlich mit Elementen von Michael Jackson.“ Marga Render ist ein großer Hip-Hop-Fan. „Ich habe es in den 80er Jahren gelernt, auf der Straße mit einer ganzen Gruppe, das war eine großartige Zeit“, erzählt sie begeistert. Die Überraschung bei „Irma la Douce“: Einer der Akteure hat gleichfalls Hip-Hop-Erfahrung. „Ausgerechnet der Älteste in der Truppe“, staunt die Choreographin. Speziell der Tanzstil bei „Dis-donc“, das die singende „Irma“ gern mit einem koketten Hüftschwung versieht, ist eine Erinnerung an die Entstehungszeit des Werkes. Wie seltsame Vögel, den Oberkörper in Schrägstellung steif wie ein Brett, die Hände in der Nierengegend abgestützt, bewegen sich die Akteure mal nach rechts, dann nach links.

Das wirkt kurios, ist aber ziemlich anstrengend, zumal sich jeder dabei eine Zigarette in den Mund stecken und sie dort festhalten soll – schließlich hat man es mit Gangstern zu tun. „Diese komplett unnatürliche, groteske Haltung ist typisch für Choreographien der 60er Jahre“, erklärt Marga Render. „Das bleibt aber die einzige Szene in diesem Stil.“ Was sie überhaupt nicht mag? „Stepptanz!“ seufzt sie. „Ich kann es zwar, aber das ist nicht mein Ding und kommt möglichst nicht vor.“

Die bei jeder Inszenierung neue Zusammensetzung eines Ensembles ist eine menschliche und kreative Herausforderung. „Ich habe viel Geduld und gute Ideen“, sagt sie. „Ich verlange nicht von jedem den Spagat. Aber wenn jemand aus Unsicherheit aggressiv wird, gibt es nur ein gutes Mittel: reden.“

Und das geschieht meist unter vier Augen oder sehr leise, wie beiläufig – „pass auf den Fuß auf“, „halte die Zigarette anders“, „Dein Hut ist im Weg . . .“ Wer bei der Probe zuschaut, hat das Gefühl, es wird nur gelobt. „Ja, da muss man eben geschickt sein, und mit Freundlichkeit und Liebe geht schließlich alles besser“, lächelt die Tänzerin.

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