Brügge - Magisch leuchtende Märchenwelt aus purem Eis

Magisch leuchtende Märchenwelt aus purem Eis

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
Eine märchenhafte Welt aus Ei
Eine märchenhafte Welt aus Eis: Um Dornröschen aus ihrem langen Schlaf zu erwecken, muss Prinz Phillip gegen einen Drachen kämpfen. Auf dem Bahnhofsvorplatz in Brügge haben 30 Künstler aus elf Nationen 400 Tonnen Eis in Kunst Foto: Sarah Maria Berners

Brügge. Mit Kettensägen und scharfen Klingen haben 30 Künstler eine zauberhafte Welt aus Eis und Schnee geschaffen, die auch Erwachsene mit Kinderaugen staunen lässt.

Da stehen die lächelnden Autos aus dem Film „Cars” neben Mickey Mouse, Goofy, Donald Duck und deren Erfinder Walt Disney. Auch Mogli und Balu aus dem Dschungelbuch sind da, und hinter all dem thront die „Black Pearl”, das Piratenschiff aus dem Film „Fluch der Karibik”. Das Eis funkelt im Licht der Scheinwerfer und man weiß gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll.

Der Atem aus den staunenden Mündern bildet kleine Wölkchen. Es ist kalt, minus sechs Grad. Handschuhe, Mütze, Winterjacke und dicke Stiefel sollte man nicht vergessen, wenn man nach Brügge in das „Ice Wonderland” fährt. Und die Fahrt dorthin lohnt sich.

In fünf Wochen haben Eiskünstler aus elf Ländern - im Sommer verdienen viele von ihnen ihr Geld mit Sandskulpturen - 400 Tonnen Eis und Schnee in eine märchenhafte und atemraubend schöne Welt verwandelt. Die Arbeiten dafür haben schon im Oktober begonnen.

Mit viel Lärm erbaut

Gabelstapler setzen die bis zu 150 Kilogramm schweren Eisblöcke aufeinander. Mit scharfen Klingen ritzen die Künstler eine grobe Skizze ins Eis. Und dann wird geschlagen und gesägt. Die grobe Arbeit erledigen die Eiskünstler mit Kettensägen. Eissplitter spritzen durch den Raum. Was später so still da steht, wird mit viel Lärm errichtet. Für die Feinarbeit werden Schnitzwerkzeuge und extrem scharfe Klingen in die Hand genommen.

Schicht für Schicht arbeiten die Künstler die Ohren von Minnie Mouse, das Gesicht von Jack Sparrow und den Palast von Dornröschen aus klobigen Eisblöcken. Die körperliche Anstrengung lässt sie die Minusgrade am Arbeitsplatz nicht spüren. Für kleine Figuren brauchen die Künstler knapp einen Tag, an großen Werken arbeiten sie mehrere Wochen lang.

Zum Beispiel an der „Black Pearl”. Das Piratenschiff thront hinter Jack Sparrow und Elisabeth, am Steuer steht ein schimmerndes Skelett. Detailgetreu haben die Künstler das Schiff nachgebaut. Die Segel sind aufgerollt, und an den Masten hängen filigrane Netze. Man sollte sich Zeit nehmen, um die Details zu entdecken. Am Heck sieht man feinste Schnitzereien und einen Totenkopf.

Vergängliche Kunst

Es ist eine vergängliche Kunst. Und gerade diese Vergänglichkeit und die Einfachheit des Materials verleihen den Eisskulpturen eine besondere Magie. Wenn die isolierten Zelte nicht mehr heruntergekühlt werden, bleibt von den Figuren, Schlössern und Wandverzierungen nur Wasser zurück.

Vorbei an Rapunzel, den Tieren aus König der Löwen und mit einem letzten Blick auf Pegasus, der beeindruckend in der Höhe schwebt, geht es in die Märchenwelt. Dort ragt das Schloss der Herzkönigin und des Herzkönigs empor. Das weiße Kaninchen hält seine Uhr in die Luft, und die Tafel ist reich gedeckt.

Gegenüber schweben Peter Pan und Tinkerbell vor dem Piratenschiff von Captain Hook. Neben Schneewittchen und den sieben Zwergen hält die böse Stiefmutter den vergifteten Apfel in die Höhe. Beeindruckende Eisskulpturen erzählen aber auch die Geschichten von „Die Schöne und das Biest” und „Aschenputtel”.

Früher wurde das Eis aus Lappland importiert. Heute kann es in einem riesigen belgischen Kühlschrank produziert werden. Das Eis vieler Skulpturen ist kristallklar, nicht so trüb, wie die Eiswürfel im heimischen Gefrierschrank. Dies erreichen die Macher mit einer speziellen Gefriertechnik.

Im dritten Zelt haben die Künstler sogar eine Eisrutsche errichtet. Hinauf geht es über eine Treppe aus Eisblöcken, die aussieht, als würde sie in das prächtige Schloss von Dornröschen führen. Und während die Kinder oben rutschen, können die Erwachsenen unter ihnen - mit bangem Blick nach oben - durch einen schmalen Gang aus Eis schreiten. In der Mitte sitzt der Weihnachtsmann umrahmt von Rentieren und Schlitten und liest aus einem gläsern aussehenden Buch. Auf warmen Fellen dürfen Besucher in Schlitten aus Eis Platz nehmen.

Sattsehen kann man sich an den schimmernden Skulpturen, die kunstvoll beleuchtet werden, nicht. Aber nach einer guten halben Stunde kann ein heißes Getränk nicht schaden. Um die Heimreise anzutreten, ist es aber noch zu früh. Anschließend lohnt ein Besuch im mittelalterlichen Stadtkern Brügges. Die Altstadt mit ihren Kanälen, Plätzen, Museen und Pralinengeschäften ist in 15 Minuten zu Fuß erreichbar.
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