„Magicgruppe Kulturobjekt” stellt im Ludwig Forum aus

Von: Eckhard Hoog
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Ein Sammelsurium an Material h
Ein Sammelsurium an Material hängt, steht und liegt im Aachener Ludwig Forum: Das Künstlerkollektiv „Magicgruppe Kulturobjekt” hat knapp drei Wochen über die Verteilung der Installation im Raum gebrütet. Die Kooperation an sich ist hier selbst Kern der Foto: Heike Lachmann

Aachen. Ein Stück Fußboden ist mit Folie abgedeckt, im Farbeimer stecken Restholzstücke, Kabelknäuel liegen in der Ecke herum, graue Betonklötze stapeln sich. Als ob Handwerker nicht mehr dazu gekommen sind, ihre Werkstatt aufzuräumen - so wirkt die neue Ausstellung im Aachener Ludwig Forum.

Stahlschienen bilden ein Häufchen in der Mulde, umgeben von Weinflaschen. Von der Decke hängen Ketten aus stählernen Rauten und Kunststoffbahnen herab; ein blaues Gerüst verhindert, dass die Besucher die Treppe runterfallen. Kübel und Säcke im Museum durchbrechen die Seherfahrung - ob sie auch zum Sehen reizen?

Was hier den Charme beliebig zusammengewürfelten Gerümpels verströmt, ist in Wahrheit das Ergebnis eines wochenlangen künstlerischen Gruppenprozesses. Und genau das ist auch der Sinn, den die 14 beteiligten Künstler aus Österreich, Deutschland und Belgien ihrem Kollektiv mit dem Namen „Magicgruppe Kulturobjekt” geben: „kollaborative Projekte” durchzuführen. Man könnte auch sagen: Der Weg ist das Ziel, Kooperation alles und der Künstler als Einzelindividuum eine antiquierte Erscheinung aus vergangenen Tagen.

Austausch wird großgeschrieben

Und so traf man sich vor knapp drei Wochen in der Ausstellungshalle des Ludwig Forums, wie Kuratorin Anna Sophia Schultz erläutert, um zunächst „das Potenzial des Raums” gemeinschaftlich zu erkunden und dann durchweg über Tag und Nacht ohne Plan eine Installation aufzubauen - aus Werkstoffen oder dem, was die Künstler mal eben so gefunden hatten.

„Austausch” und „Teamgespräche”, das sind die Zauberworte dieser Art von Kunst. Der „kollektiven Reflexionsarbeit” folgte die „kollektive Orchestrierung von Material” in „kollektiver Praxis” aller „kollektiver Akteure”, deren konservierte „kollektive Kommunikation” in der Installation einen wichtigen Raum einnimmt: Die Gespräche werden als Audio-Installation in die Halle hörbar eingespielt. Und wem das an Nachvollzug kollektiver Erfahrung nicht reicht, der kann auch noch die schriftlichen Gesprächsprotokolle nachlesen.

Eine radikale Haltung

Dabei leiden die Künstler durchaus nicht an einem kollektiven Koller - oder doch? Sie repräsentieren jedenfalls eine radikale Haltung, die womöglich dem Zeitgeist entspricht: Der Individualist ist nichts, das Team alles. Kollektive mögen dabei durchaus von größerer Schlagkraft sein: Brigitte Franzen verweist gerne auf die politisch-demonstrative Seite der Erscheinung, wie sie sich zum Beispiel in der Occupy-Bewegung manifestiert hat.

Die „Magicgruppe Kulturobjekt”, die „Ungerichtetheit zum Programm” erhebt (Franzen), treibt ihren Kollektivismus bis zum Exzess: Parallel zum Ludwig Forum baut sie in Antwerpen in der Kunsthalle Extra City ebenfalls eine raumbezogene Installation auf. Die Künstler tauschten sich dabei zwischen Aachen und Antwerpen aus, reisten hin und her, um das wechselseitige Einbringen von Ideen vollends zu zelebrieren.

Bei all der extremen Betonung der Prozesshaftigkeit ihrer handlungsbezogenen Kunst wirkt die Beteuerung der Gruppe, dass die Ästhetik des Produkts, die visuelle Qualität, auch „wichtig” ist, nicht so recht glaubwürdig.

Immerhin ein Einfall ragt aus dem ganzen Material-Sammelsurium eines exklusiven Kreises von Ideengebern heraus: Drei Ventilatoren treiben eine Plastiktüte in einer Ecke hin und her und halten sie in Schach. Irgendwie putzig.

Der Trend zum Kollektiven liefert allerdings keine Kunstwerke von besonderer Dauer: Das Einzige, was wahrscheinlich die Ausstellung im Ludwig Forum über das Ende am 29. April hinaus als Dokument überleben wird, ist - das schriftliche Gesprächsprotokoll. Der Rest wird zusammengekramt und weggeräumt.

Eröffnung in Aachen: Freitag, 20 Uhr. In Antwerpen: Samstag, 18 Uhr.

Ausstellung „Magicgruppe Kulturobjekt”, Ludwig Forum Aachen, Jülicher Straße 97-109.

Eröffnung: Freitag, 20 Uhr; ab 22.30 Uhr Party.

Dauer: bis 29. April.

Geöffnet: Di./Mi./Fr. 12-18, Do. 12-20 Uhr; Sa./So. 11-18 Uhr.

Ausstellung in Antwerpen: Extra City Kunsthal, Eröffnung: Samstag, 3. März, 18 Uhr. Dauer: bis 1. April.

Kuratiert wird die Ausstellung im Ludwig Forum von Anna Sophia Schultz.

Im Rahmenprogramm in Aachen gibt es am 29. März, 18.30 Uhr, eine Kuratorenführung mit Anna Sophia Schultz und am 1. April, von 12 bis 17 Uhr, einen Familiensonntag mit Führungen und offenen Workshops.

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