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Männer in der Lebenskrise

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Männer-Turbulenzen: Frank Watzke (l.) und Tim Riedel in der Komödie „Alte Freunde” im Foto: Kerstin Brandt-Heinrichs

Aachen. Da helfen keine Treueschwüre: Das unzertrennliche Männerquartett hat die munteren Studentenjahre längst hinter sich gelassen. Jeder macht sein eigenes Ding, jeder ist sich selbst der Nächste.

Der Politiker Joep, der gerade seine Familie verlassen hat, zieht zwar bei dem Kulturbeamten Pieter ein, doch wichtig ist ihm nur ein in Aussicht stehender Ministerposten. Und Pieter grämt sich wegen seiner Bilder, die ihm eigentlich von der Kulturverwaltung „geschenkt” wurden. Doch inzwischen sind die Kunstwerke in Preis und Ansehen stark gestiegen und werden zurückgefordert.

Ganz schlimm steht es um den Top-Anwalt Tom, ausgebrannt, kokainabhängig und gerade zurück aus der Psychiatrie. Zudem gerät Joep geradewegs mit Maarten, dem unkonventionellen Theatermacher und „Womanizer”, hart aneinander. Denn der hat Joeps blutjunger Tochter eine „Nacktrolle” gegeben.

Ausgezeichnete Darsteller

Ähnlich wie die Dramatikerin Yasmina Reza in ihrem Stück „Kunst” gruppiert die Niederländerin Maria Goos (Jahrgang 1956) in der Komödie „Alte Freunde”, die jetzt im Aachener Grenzlandtheater Premiere hatte, mehrere Männer um das Thema Lebenskrise und Kunst, vor allem um fehlende Lebenskunst. Ulrich Wiggers´ geradlinige Regie hält sich zurück und profitiert von den ausgezeichneten Darstellern, die den etwas stereotyp gezeichneten Typen scharfe Konturen verleihen.

Berührend zart und überzeugend verkörpert Frank Watzke den unscheinbaren Kulturmenschen Pieter, der seine künstlerischen Träume mit dem Beamtenstatus zu Grabe getragen hat. Tolle Idee im von Walter Schwab gestalteten zartfarbigen Bühnenbild: Bilder und Skulpturen von Aachener Künstlern wie Nicole Royé, Detlev Kellermann oder Kai Savelsberg.

Heinz Simon Keller macht das große Ego und die noch größere Unsicherheit des ehrgeizigen Joep sichtbar, während Michael Schwager als der zunächst auftrumpfende, selbstbewusste Theatermann Maarten den ganz „kleinen Menschen” dahinter offenbart. Fast schon verstörend echt spielt Tim Riedel den scharfsinnigen „Psychiatriefall” Tom, der witzig und gleichzeitig verdüstert die eigenen Werbetexte deklamiert, die er jetzt für Kataloge schreibt.

Eitelkeiten, männlicher Selbstbetrug und emotionale Hilflosigkeit verhindern wahre Nähe zwischen den vier Männern, die sich ja eigentlich beistehen wollen. In einer grandiosen Nebenrolle als „Geburtstagsgeschenk” für Joep brilliert Juliane Maria Wolff als mitfühlende Slawin (Kostüme:Ê Heike M. Schmidt und Zarah Boras).

Das 2003 in Amsterdam uraufgeführte Stück, das am Ende etwas ausufert und eine Straffung vertragen könnte, kommt mit Situationskomik und flotten DialogenÊ besonders beim weiblichen Publikum an. Die Männer haben hier ja eh weniger zu lachen. Und wenn auf der Bühne Männer weinen, lachen die Frauen im Zuschauerraum. Das ist auch bei der großen Yasmina Reza nicht anders.

Vorstellungen von „Alte Freunde”

Weitere Aufführungen von Maria Goos´ Komödie „Alte Freunde” im Aachener Grenzlandtheater, Elisen-Galerie, täglich um 20 Uhr bis zum 16. Mai. Danach Vorstellungen in Spielstätten der Region bis zum 27. Mai. Karten-Telefon: 0241/4746111

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