Ludwig Forum präsentiert Werke der FH-Professorin Ilka Helmig

Von: Eckhard Hoog
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Sie spürt Wachstumsstrukturen nach: Ilka Helmig. Die Professorin für visuelle Konzeption und Zeichnung an der Fachhochschule Aachen zeigt ihre Werke ab Sonntag im Ludwig Forum. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Preisfrage: Was haben nächtliche Satellitenfotos von London und Mikroskop-Aufnahmen von Gehirnzellen gemeinsam? Antwort: Sie unterscheiden sich kaum. Die erleuchteten Versorgungswege der Millionenstadt, über lange Zeit quasi natürlich gewachsen, und Nervenverknüpfungen weisen verblüffende Ähnlichkeiten in der Struktur auf.

Verblüffend auch für eine Künstlerin, die sich mit derartigen Phänomenen auseinandersetzt: Ilka Helmig, seit 2007 Professorin für visuelle Konzeption und Zeichnung an der Fachhochschule Aachen, stellt ab Sonntag im Aachener Ludwig Forum unter dem Titel „Phénotype“ ihre Beobachtungen und Entdeckungen im Bereich zufälliger und gewachsener Strukturen vor.

Stoppelfelder wie Grafiken

Ob Stoppelfelder im Schnee, die im Kontrast von Schwarz und Weiß wie eine wohlkomponierte Grafik wirken, Luftaufnahmen von agrarisch geprägten Landschaften in Frankreich mit ihren Äckern und Feldern oder vergrößerte Staubpartikel – Ilka Helmig interessieren die eigentümlichen Strukturen der Phänomene und die Fragen nach ihrer Entstehung. Dabei findet sie immer wieder ganz erstaunliche Übereinstimmungen, aber auch signifikante Unterschiede zwischen biologisch und kulturell bedingten Strukturen.

Gemeinsam ist die große grafische, die ästhetische Qualität der Bilder – gleichgültig, ob die Gebilde rein zufällig oder durch bewusste Eingriffe des Menschen entstanden sind. Die Künstlerin schafft Vexierbilder – auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, worum es sich bei dem Dargestellten überhaupt handelt. Es könnten auch reine Zeichnungen sein. Bewusst reizt Ilka Helmig damit die konkurrierenden Wissens- und die Wahrnehmungs-Sensoren des Betrachters, der auf den ersten Blick womöglich das Bild eines Sternenhimmels aus seinem Erinnerungsreservoir abruft, in Wahrheit aber kristalline Details eines Steins erblickt. Wenn der Maßstab fehlt, ist die Irritation komplett.

Auf die Spitze treibt Ilka Helmig ihr erkundendes Spiel mit Strukturgebilden, indem sie eine Skulptur in den Raum wachsen lässt, deren „Aufblühen“ nur durch einige wenige Anfangsparameter festgelegt ist: die Kantenzahl der verwendeten Hölzer und die Winkel, in denen sie abgeschnitten werden. Das Gehölz mäandriert bereits durch den Ausstellungsraum, hat statische Elemente des Fabrikbaus erobert, „umarmt“ Balken und kehrt wieder auf den Boden zurück. Bis zum Ende der Schau am 1. September will die FH-Professorin ihr „ästliches“ Gebilde weiter pflegen und in die zufälligsten Richtungen schießen lassen.

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