Köln - „Literatur ist ein Motor für Mitgefühl”: Start der lit.Cologne

„Literatur ist ein Motor für Mitgefühl”: Start der lit.Cologne

Von: Susanne Schramm
Letzte Aktualisierung:
Auftakt zur lit.Cologne mit ei
Auftakt zur lit.Cologne mit einer Gala für Amnesty International, moderiert von Roger Willemsen (3. von links): Prominente Künstler, Musiker und Autoren unterstützen die Aktion, darunter Herbert Grönemeyer (links), der sich noch einmal als Schauspieler präsentierte. Foto: Thomas Brill

Köln. Eigentlich hätte man an diesem Abend nur einen gebraucht: Roger Willemsen. Gewohnt eloquent, engagiert und wohl wissend, dass zu viel Betroffenheit die Suppe versalzt, führte der 55-Jährige durch die Auftaktveranstaltung der diesjährigen „lit.Cologne”.

Im Mittelpunkt der Mischung aus Gala, Geburtstagsfeier und Giga-Lesung in der Lanxess-Arena standen die Menschenrechte. „Amnesty International”, 1961 in Köln gegründet, feierte 50. Geburtstag. Für kleines Geld gab es in der mit rund 7000 Plätzen ausverkauften Arena ein riesiges Staraufgebot und drei Stunden Non-Stop-Programm.

Als Gratulanten und Vorleser waren die Schauspieler Benno Fürmann, Maria Schrader, Katja Riemann, Nina Hoss und Ulrich Mat-thes dabei, die Multitalente Cordula Stratmann, Bastian Pastewka, Charlotte Roche und Herbert Grönemeyer, die Schriftsteller Michael Lentz, Frank Schätzing und Dogan Akhanli sowie, im musikalischen Teil, Max Herre mit Band, Soul-Sängerin Joy Denalane und die Band Klee mit Frontfrau Suzie Kerstgens. 2000 der 7000 Tickets waren von Sponsoren bezahlt und Kölner Schülern geschenkt worden.

Dass es bei einem dreistündigen Programm ohne Pause immer wieder zu Unruhe kam, ließ sich kaum vermeiden. Dennoch gelang es den Mitwirkenden mit Texten verfolgter, emigrierter und regimekritischer Schriftsteller wie dem chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, dem Algerier Hamid Skif und der Tunesierin Sihem Bensedrine, mit Gedichten von Lyrikerinnen wie Mascha Kaléko, Auszügen aus Stéphane Hessels Protestschrift „Empört euch!” und der am 10. Dezember 1948 von den Vereinten Nationen verkündeten Menschenrechts-Charta über lange Strecken in Bann zu ziehen.

Positiv bleibt anzumerken: Die lit.Cologne-Macher haben endlich dazugelernt und blendeten zu den einzelnen Autoren Kurzbiografien mit Bild ein, so dass auch jene vorgestellt wurden, die nicht so bekannt sind wie eine Herta Müller oder ein Antonio Skármeta. Dazwischen gab es zudem filmische Einspieler mit Por-träts von Menschenrechtlern und Schriftstellern.

Zu den Höhepunkten des Abends zählte Willemsens Interview mit dem deutsch-türkischen Autor Dogan Akhanli, der gerade erst nach seiner Verhaftung aus der Türkei zurückgekehrt ist. Das Publikum honorierte Akhanlis bescheidene Art und seinen hintergründigen Humor mit begeistertem Applaus. Auch, dass man Herbert Grönemeyer, in den letzten Jahren eher als Musiker ein Begriff, noch einmal als Schauspieler erleben konnte, war ein Genuss. Im Wechsel mit dem Dürener Schriftsteller und grandiosen Laut-Poeten Michael Lentz trug er Texte von Jesse Thoor, Ossip Mandelstam und César Vallejo vor. Was für ein Erlebnis!

Willemsen deklarierte Literatur zum Motor für Mitgefühl: „Literatur fördert Empathie. Sie macht Dinge erfassbar, die wir Gott sei Dank, nicht erfahren müssen. Sie löst in uns ein Gefühl von Das soll nicht sein! aus. Literatur besitzt hohe Kompetenz in Menschenrechtsfragen.”

Vereinzelt gibt es immer noch Restkarten

Die 11. Ausgabe der lit.Cologne läuft bis Samstag, 26. März. In den kommenden Tagen stehen noch mehr als 130 Veranstaltungen auf dem Programm. Europas größtes Literaturfestival wird im Schnitt von 80.000 Menschen besucht und ist zu mehr als 90 Prozent ausgelastet. Dennoch gibt es noch Karten für einzelne Veranstaltungen. Aktuell nachzulesen im Internet unter der Adresse http://www.litcologne.de.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert