Köln - Literarische Leckerbissen bleiben lauwarm

Literarische Leckerbissen bleiben lauwarm

Von: Susanne Schramm
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litfoto
Literarischer Besuch aus der Galaxis bei der Eröffnungs-Gala zur lit.Cologne: Moderator Denis Schweck (links) begrüßte den Autor Frank Schätzing, der das Publikum in der ausverkauften Philharmonie mit seinem Auftritt als Weltraumreisender überraschte.

Köln. „Über den leiblichen Genuss”, so ist die lit.Cologne-Gala 2009 überschrieben. Gemeint ist damit die Allianz „von Literatur und Essen und Trinken”, wie Moderator Denis Scheck (44), seines Zeichens Kulturjournalist und Literaturkritiker, eingangs erläutert.

Mit den Schauspielern Eva Mattes (54) und Jürgen Tarrach (48), dem Gastro-Kritiker Jürgen Dollase (60), Schriftstellerin Liane Dirks (53), Medien-Tausendsassa Harry Rowohlt (63) sowie Sternekoch Vincent Klink (60) und Musiker Patrick Bebelaar (37) als Duo an Bass-Trompete und Piano haben sich sieben kulinarisch versierte Mitwirkende eingefunden, um, so Scheck, „die Speisekarte der Literatur zu plündern”.

Die Ankündigung des Magazinmachers von „Druckfrisch”, es handle sich dabei nicht nur um „literarische Betthupferl” sondern durchaus auch um Beiträge, die „quer im Hals stecken bleiben, erfüllt sich in der Folge nicht.

Die Auswahl reicht thematisch von Religion (Speiseregeln aus Koran und Talmud) über Politik (Auszug aus Günter Grass´ „Beim Häuten der Zwiebel” über einen nicht sattmachenden Kochkurs 1945 im oberpfälzischen Gefangenenlager und Franois Mitterands makaberes letztes Mahl aus den Erzählungen „Tote Bekannte” von Patricia Görg) bis hin zu zeitgenössischer Belletristik (Liane Dirks liest aus ihrem satirisch feinmaschigen Roman „Der Koch der Königin”).

Dazwischen bleibt dem eloquenten „Kellner” (Scheck über Scheck) noch genügend Zeit, persönliche Beziehungen zur Küche auszuloten. So outet sich Liane Dirks als Tochter eines Kochs, die als Kind mit „schaurig-schöner Faszination” dem Todestanz im Hummer-Topf beiwohnte.

Viel eher gelangen Feinsinn (Jürgen Dollases Vortrag über die Kunst „Den Teller zu lesen”), Freigeisterei (Eva Mattes liest aus Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen”) und Frugales (Jürgen Tarrach interpretiert Robert Gernhardts „Diät-Lied”) zu ihrem Rech. Der Versuch, die Leidenschaft fürs Essen mit der fürs Geschlechtliche zu verknüpfen, bleibt ein Versuch.

Das Sinnlichste an diesem Abend ist T.C. Boyles Erzählung über die „Verführung” der Restaurant-Kritikerin Willa Frank, von Jürgen Tarrach formvollendet - will heißen: mit leise simmernder Erotik - vorgetragen. Ähnlich viel Applaus bekommt nur Harry Rowohlt für seinen kulinarischen Wildwest-Schundroman „John Rock oder der Teufel”.

Spätestens dann, wenn Bestseller-Autor Frank Schätzing, als Überraschungsgast und letzter Programmpunkt des Abends, gekleidet wie ein Astronaut erscheint, um Douglas Adams „Restaurant am Ende der Galaxis” seine Referenz zu erweisen und ein bisschen Werbung für seinen neuen Roman zu machen, stellt sich allerdings die Frage, warum so viele der Literatur-Rezepturen dieses Abends aus einer Kochnische stammen.

Allen voran „Oberkellner” Scheck, der bereits 2007 auf der lit.Cologne, zusammen mit Schätzing, Katja Lange-Müller und Werner Köhler ein „1. Kulinarisches Quartett” formieren durfte, um ein Jahr später Bill Buford zu dessen Koch-Roman „Hitze” zu befragen.
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