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Listige Fouls, artistische Ballkunst

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Der Ball ist rund: Die französische Compagnie Black Blanc Beur beim „Schrittmacher”-Festival in Aachen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Akrobatik, überbordender Spielfreude, furioser Breakdance: Zum Auftakt des „Schrittmacher”-Festivals verwandelte sich die Mulde des Aachener Ludwig Forums in einen feurigen Kessel.

Die französische Compagnie Black Blanc Beur, gern gesehener Festival-Gast und Träger des Innovationspreises 2002 der Peter-und-Irene-Ludwig-Stiftung, schweißt seit 25 Jahre HipHop, Breakdance und verschiedene andere kulturelle Einflüsse zusammen und führt den Street Danc von der Straße auf die Bühne.

„Contrepied” („falscher Fuß”), das schon legendäre erste Stück der Truppe, passt wunder zur bevorstehenden Fußball-WM in Südafrika. Alles dreht sich dabei um das, was Ball im weitesten Sinne bedeuten kann. Ob Weltkugel oder schwangere Bäuche, eine zerdrückte Dose oder gar ein Kopf - alles dient der hinreißenden Ballartistik, die in Tanz und rasende Bewegung umgesetzt wird.

Die Geschichte führt auf die Straße, der Blick richtet sich zunächst auf zwei Jungen, die ihren großen Fußball-Traum träumen - doch nur einer wird ihn erfüllt sehen. Wirbelnd und dribbelnd, mit listigen Fouls, kameradschaftlicher Begeisterung und wilder Aggression machen die zwölf Tanzartisten die Bühne zum tobenden Hexenkessel. Alles nur eine tolle Show, die genial-kreative Choreografie der großartigen Christine Coudun?

Weit mehr als das, denn „Contrepied” kommt trotz des ironischen Titels nie auf dem falschen Fuß auf, erhebt die kreatürliche Lust an der Bewegung, am sportlichen Kampf sogar ins Spirituelle und beschwört tänzerisch einen völkerverbindenden „Weltgeist” herauf. Geräusche, Töne und Musik (Originalkomposition von Carole Rieussec & Gino Favotti) verbinden sich zu einer rauschhaften Klang-Installation, die kein Stadion imitiert, aber deren aufgeheizte Atmosphäre überträgt.

Hingerissen verfolgt das Publikum die schier unendlichen Variationsmöglichkeiten der Truppe, die selbst nach 80 Minuten Höchstleistung kaum Ermüdungserscheinungen zeigt. Expressive Bilder wie „Die Angst des Tormanns vorm Elfmeter”, chaplineske „Schiri”-Attitüden oder ein lasziv ins Tornetz verstricktes und bestrickendes „Fußball-Luder” lassen immer wieder Applaus aufbranden.

Rasende Geschwindigkeit und Aggression münden in raffiniertes Zeitlupen-Tempo. Eben noch Fußball als „Spiel auf Leben und Tod”, dann wieder herrlich leichtfüßig und übermütig verspielt - ein grandioser Abend, der mit Jubelrufen, Standing Ovations und Beifallsstürmen endet.

Nächste Veranstaltung im Rahmen des Festivals ist „Itutu”, eine Zusammenarbeit der amerikanischen Choreografin Karole Armitage, ihrer Kompanie Armitage Gone! Dance, dem Komponisten Lukas Ligetti und der westafrikanischen Electronica-Band Burkina Electric. Die Performance ist am Freitag, 26., und Samstag, 27. Februar, im Ludwig Forum zu sehen. Beginn jeweils um 20.30 Uhr.

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