Aachen - Kuss Quartett: Atemberaubend präzise und klanglich höchst delikat

Kuss Quartett: Atemberaubend präzise und klanglich höchst delikat

Von: Thomas Beaujean
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Aachen. Der Sturz eines Quartett-Mitglieds hatte eine kurzfristige Umdisposition beim letzten Accordate-Konzert der Saison erforderlich gemacht: Statt des angekündigten Keller-Quartetts trat das Kuss Quartett im Aachener Rathaus an.

Dass dies nicht unbedingt einen Qualitätsverlust bedeuten musste, das ahnten die Hörer voraus, die das Quartett bereits vor einigen Jahren in dieser Reihe gehört hatten. In der Tat boten die vier Streicher Jana Kuss und Oliver Wille, Violine, William Coleman, Viola, und Mikayel Hakhnazaryan, Violoncello, einen Kammermusikabend von erlesener Qualität, den das Publikum zu Beifallsstürmen hinriss.

Dazu trug auch das erfrischend unkonventionelle Programm bei, dessen Schwerpunkt Musik aus Russland bildete. Begonnen wurde jedoch mit einem Mozart-Quartett, dem ersten „preußischen“ D-Dur KV 575, das König Friedrich Wilhelm II zugedacht war.

Schon die ersten Töne des Beginns ließen erkennen, mit welcher klanglichen Sensibilität, aber auch mit welch packendem Zugriff diese Quartett-Formation musiziert. Ein Mozart-Spiel mit starken Kontrasten, untrüglicher Stilsicherheit, sorgfältiger Phrasierung und einer stupenden klanglichen Ausgewogenheit.

Danach wurde es russisch mit Bearbeitungen von Stücken aus Tschaikowskys Album für die Jugend, original für Klavier, einige der wenigen Stücke für Streich-quartett aus der Feder Igor Strawinskys aus seinen wilden 20er Jahren, ein Kanon von Alfred Schnittke und schließlich, im zweiten Teil, das erste Streichquartett op. 11 von Peter Tschaikowsky.

Das Kuss Quartett musizierte diese stilistisch so gegensätzliche und reizvoll zusammengestellte Musik mit einer hinreißenden Intensität und Vitalität. Interpretationen mit vollem Risiko, die aber nie aus der Kontrolle gerieten, mit atemberaubender Präzision im Zusammenspiel, auch bei den mit aller Härte ausgespielten vertrackten rhythmischen Finessen bei Strawinsky, machten das Zuhören zu einem geradezu aufregenden Erlebnis.

Und mit welcher Geschmackssicherheit dieses Ensemble agiert, das konnte es am langsamen Satz des Tschaikowsky-Quartetts demonstrieren, der, obwohl mit größter klanglicher Delikatesse geboten, keinen Moment ins Gefühlige abglitt. Als Zugaben gab es noch zwei kleine Tschaikowsky-Stückchen.

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