Aachen - Kurpark Classix: Vorfreude auf die Stimme von „Supertramp”

Kurpark Classix: Vorfreude auf die Stimme von „Supertramp”

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Daniel Jakobi
Klassik trifft Pop: Aachens stellvertretender Generalmusikdirektor Daniel Jakobi freut sich auf das Konzert mit Rock-Legende Roger Hodgson („Supertramp”). Foto: Ulrich Simons

Aachen. Die Musikerinnen und Musiker des Sinfonieorchesters Aachen fiebern dem ungewöhnlichsten Konzertereignis des Jahres entgegen: Am 22. August ist Roger Hodgson - Gitarrist, Keyboarder, Stimme und vor 40 Jahren Mitbegründer der legendären Rock/Pop-Formation „Supertramp” - Stargast beim Crossover-Konzert der Kurpark Classix 2009.

Gemeinsam mit dem Sinfonieorchester Aachen unter Leitung des stellv. Generalmusikdirektors Daniel Jakobi geht es auf eine musikalische Reise in die 70er und 80er Jahre. Am Rande einer Probe sprach unser Redakteur Ulrich Simons mit dem Dirigenten.

Herr Jakobi, Sie sind Jahrgang 1977, demnach 32 Jahre alt. Vermutlich hat man Ihnen erst einmal erklären müssen, wer Roger Hodgson ist?

Jakobi: Der Name war mir in der Tat nicht sofort geläufig. Aber als der Begriff „Supertramp” fiel, da wusste ich sofort, um wen es ging.

Gegenfrage: Wusste Roger Hodgson denn, wo Aachen liegt?

Jakobi: Ich habe mit ihm schon im Frühjahr telefoniert, und es schien mir, als kenne er sich ein wenig aus in Europa. Oder er hatte sich vorbereitet. Er war schon informiert, auch über das Orchester.

Als „Supertramp” ihr Platin-Album „Breakfast in America” veröffentlichten, waren Sie zwei Jahre alt. Wann haben Sie die Band zum ersten Mal bewusst wahrgenommen?

Jakobi: Das war, als ich meine erste Platte gekauft habe. Das muss Ende der 80er Jahre gewesen sein und war auch schon keine Vinyl-Platte mehr, sondern eine der ersten CDs. Und das war tatsächlich eine Scheibe von „Supertramp”, nämlich die mit dem eingeschneiten Flügel: „Even in the Quietest Moments”.

Mit Gastinterpreten und -solisten zu musizieren, ist für ein Sinfonieorchester nichts Ungewöhnliches. Worin liegt der besondere Reiz bei Roger Hodgson?

Jakobi: Der Reiz liegt darin, dass sich zwei unterschiedliche Musikgattungen treffen, nämlich Klassik und Pop. Das Orchester hat sehr viel Spaß daran, gerade weil man jemanden aus einem Metier trifft, das nicht unser Tagesgeschäft ist.

Ist das wirklich die reine Freude, wenn man Klassik gewohnt ist?

Jakobi: Natürlich nicht nur. Eine Opern-Arie verläuft linear, hat einen Anfang und ein Ende. Pop-Songs funktionieren anders. Die haben Strophen und Refrains und innerhalb des Titels Sprünge oder Wiederholungen bestimmter Taktfolgen. Das ist für die Musiker ein bisschen gewöhnungsbedürftig.

Auf der Bühne agiert am kommenden Samstag nicht das komplette Sinfonieorchester Aachen. Wer hat die Musiker ausgesucht?

Jakobi: An dieser Stelle trifft der normale Dienstplan das ungewöhnliche Konzert. Zunächst werden die Orchestermusiker nach Dienstplan eingeteilt, das machen die Stimmgruppenführer. Bei solchen Crossover-Projekten kommt es auch gerne mal vor, dass Musiker sagen: Ich möchte das unbedingt spielen. Notfalls wird dann gelost.

Hat es den umgekehrten Fall auch gegeben, dass jemand gesagt hat: „Supertramp - um Gottes Willen - bitte nicht!”?

Jakobi: Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Es ist doch etwas Besonderes, plötzlich so einen Superstar aus der Nähe zu erleben und vor allem - was für die Musiker am wichtigsten ist - gemeinsam mit ihm Musik zu machen.

Wie entsteht so ein Konzert? Es beginnt vermutlich damit, dass nach Abschluss der Verträge irgendwann der Paketbote die Noten bringt?

Jakobi: Das ist ein ganz verrücktes Unternehmen. Nachdem die Wahl auf Roger Hodgson gefallen war, setzten sich zwei Maschinerien in Gang, nämlich einmal unsere in Aachen, das Sinfonieorchester, die ganze Planung der Kurpark-Classix, und auf der anderen Seite der Tourneebetrieb von Roger Hodgson. Und alles läuft sehr professionell auf diesen einen gemeinsamen Treffpunkt am kommenden Samstag zu.

Die Noten sind da - wie geht es weiter?

Jakobi: Die Noten sind wegen der sechswöchigen Spielzeitferien schon Ende Mai gekommen und waren in einem ausgezeichneten Zustand, so dass die Musiker genug Zeit hatten, sie mit nach Hause zu nehmen und zu üben. Normalerweise reichen ein, zwei Monate.

Wie viele Proben in voller Besetzung wird es bis zum Konzert gegeben haben?

Jakobi: Die erste gemeinsame Probe haben Sie gerade erlebt (Anm. d. Red.: das war am Mittwoch). Es gibt noch eine Generalprobe am Tag selber, wo wir mit Roger Hodgson vor Ort das gesamte Programm einmal durchspielen. Abends ist dann das Konzert.

Nur zwei Proben? Klingt nach Ritt auf der Rasierklinge. Oder ist das etwas, was Profis können müssen?

Jakobi: Die Profis müssen an dem Abend ihre Arbeit tun, und die können das auch. Die Schnittstelle zwischen Band und Orchester bin ich als Dirigent. Für mich ist es etwas spannender, weil ich nicht schlussendlich weiß, wie die Band auf der Bühne ist, wie schnell die Übergänge sind - da passiert dann sehr viel auf Zuruf. Das ist der Ritt auf der Rasierklinge, aber das Adrenalin, das dabei entsteht, ist auch sehr gesund.

Wenn man sich im Internet die Konzertausschnitte anschaut, dann sitzt oder steht Roger Hodgson an der Rampe, und Orchester und Dirigent agieren hinter ihm. Wie kann da noch Kommunikation ablaufen?

Jakobi: Wir sind in Aachen bei unserem Bühnenaufbau ein bisschen integrierter. Auf der anderen Seite werden solche Kontakte bei Videos häufig auch einfach rausgeschnitten. Sicher dreht man sich auch mal um, sicher braucht man auch den Kontakt für die Übergänge, das kann man aber auch sehr geschickt vertuschen, und dann sieht das ziemlich perfekt aus. Ohne Kommunikation geht beim Musikmachen gar nichts.

Einige der bekanntesten Stücke von „Supertramp” bestechen durch hinreißende Saxophon-Passagen. Im klassischen Sinfonieorchester kommt dieses Instrument aber gar nicht vor. Wer füllt die Lücke?

Jakobi: Roger Hodgson bringt seinen eigenen Saxophonisten und eine kleine Band mit. Der Rest kommt von uns.

Wenn Sie von „Rest” sprechen: Wie ist denn die gefühlte Hierarchie auf der Bühne? Dürfen Sie eine Rock- und Pop-Legende musikalisch begleiten, oder darf Roger Hodgson mit dem großen Aachener Sinfonieorchester musizieren?

Jakobi: Weder - noch. Oder: Sowohl - als auch. Bei den bisherigen Crossover-Konzerten ist das immer sehr professionell und auf Augenhöhe abgelaufen.

Da rollen also zwei große musikalische Zahnräder aufeinander zu, und wenn die exakt laufen und ineinandergreifen, kann nichts schiefgehen?

Jakobi: Dann sollte eigentlich nichts schiefgehen.

Wie viel künstlerischen Spielraum hat man als musikalischer Leiter denn überhaupt noch bei solch einem Projekt?

Jakobi: Die Art und Weise, wie ein Orchester musiziert, bleibt ja trotzdem erhalten. Wir spielen die Kompositionen von Roger Hodgson, wir spielen sie auch nach seinen Vorgaben, aber die Art und Weise, wie das Sinfonieorchester Aachen musiziert, ist einmalig, und das wird natürlich auch in dem Konzert erhalten bleiben.

Die echten Fans kennen jede Textzeile und jede Note auswendig. Wie viel Kreativität akzeptieren die? Geht es denen nicht primär um absolute Werktreue?

Jakobi: Nein. Ich glaube, weil man die Melodie wiedererkennt und den Refrain wird das Erlebnis eher dahin gehen, dass man sagt: "Wow - wie anders können diese Stücke klingen." Wenn auf einmal 50 Leute die Musik eines Solisten oder auch einer Band begleiten, wenn plötzlich der sinfonische Charakter dazukommt, hat man eigentlich immer dieses verblüffende Erlebnis, welch einen immensen und phänomenalen Klang diese Stücke auf einmal bekommen.

Also wird man am nächsten Samstag nicht sagen: „Das klingt genau wie damals auf der Schallplatte!”, sondern eher: „So gewaltig hab ich das noch nie gehört!”?

Jakobi: Das ist unser Ziel.

Wird es von diesem einmaligen Konzert eine Aufzeichnung geben?

Jakobi: Leider nein. In und für Aachen wird es ein einmaliges Ereignis bleiben.
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