Kunstmesse Art Cologne rechnet mit gutem Geschäft

Von: Gerd Korinthenberg, dpa
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Art Cologne
Vor dem Kunstwerk ,Niemand weiß was wir fühlen von Paule Hammer auf dem Stand der Galerie ,Laden für Nichts steht in Köln ein Messebesucher. Foto: dpa

Köln. Der Rundgang durch die Kölner Messehalle gleicht dem Blättern in einem Lexikon für die Kunst des vergangenen Jahrhunderts: Mit dem traditionellen Angebot von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart öffnet am Mittwoch der Internationale Kunstmarkt Art Cologne.

Die 184 Galerien aus fast zwei Dutzend Ländern zeigen fünf Tage lang Gemälde, Arbeiten auf Papier, Skulpturen, Video oder Fotografien für Preise von einigen hundert bis einige Millionen Euro. Erwartet werden bis zum kommenden Sonntag mehr als 50.000 Kunstliebhaber.

Die Ausstellerzahl ist bei der 43. Ausgabe der weltweit ältesten Kunstmesse deutlich kleiner gehalten als in den vergangenen Jahren, um mehr Übersicht fürs Publikum zu erreichen. Und auch eine engere Verzahnung mit der Kunstregion Rheinland sowie die Kooperation mit wichtigen Galeristen der kultur-konkurrierenden Nachbarstadt Düsseldorf gehören zu den Neuerungen, die der neue Art-Cologne-Chef Daniel Hug zu seiner Premiere eingefädelt hat. Damit will er dem in die Jahre und unter internationalen Konkurrenzdruck geratenen rheinischen Kunstmarktplatz ein frischeres Image zu verpassen.

Und noch eine Strategie wird deutlich, mit der die einstmals hochbedeutende Kunstmesse der eigenen wie der globalen Krise entgehen will: Mehr denn je werden Kunstwerke angeboten, die die wichtigsten Kunsttendenzen des 20. Jahrhunderts „lexikalisch” illustrieren. So reicht dann die Palette von den Expressionisten bis zu Gerhard Richter und Imi Knoebel, ist besonders die Avantgarde der 1950er bis 1970er Jahre auffallend stark vertreten.

Er rechne nicht damit, dass Sammler in Krisenzeiten auf die gesicherte Klassische Moderne als Geldanlage setzen und der jungen Kunst den Rücken kehren, meint Klaus Gerrit Friese als Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Editionen (BVDG). Die Art Cologne sei aber sicher der „Indikator, wie es auf dem Kunstmarkt werden wird.”

Zu den gesicherten Werten zählen ein hochformatiges „Interieur” des Expressionisten Max Pechstein (980.000 Euro), von dem auch ein „Hafen” für 2,4 Millionen Euro angeboten wird oder die erstaunlich häufigen Kirchner-Skizzen (bis 100.000 Euro) sowie Picassos winziges „Stillleben mit Gitarre” (1921/285.000 Euro). Selbst Fotoanbieter gehen mit Motiven von Edward Weston, Man Ray (je 45.000 Euro) oder Helmut Newton auf Nummer sicher. Zu den Quellen der Moderne zählt die Kunst Afrikas, unter der in Köln eine kubistische Wahrsagefigur der Mumuye aus Nigeria (125.000 Euro) herausragt.

Die überaus präsente Nachkriegskunst wartet mit den Werken von Cobra bis ZERO auf, präsentiert Appels expressive „Zwei Figuren” oder ein kontemplatives Nagelrelief von Uecker (1966/380.000 Euro), das zuerst auf der Biennale Venedig 1972 zu sehen war. Endlich wiederentdeckt wird Düsseldorfs ehemaliger Akademiedirektor Norbert Kricke, dessen furios-schwungvolle Raumplastiken ebenso in zahlreichen Kojen auftauchen wie die Bilder von Schumacher oder Götz als Väter der deutschen Abstraktion.

Und auch die Galeristen jüngster Kunst kommen zwischen allerlei Gewöhnungsbedürftigem nicht ohne zeitgenössische Stars wie Katharina Sieverding mit ihren Fotoarbeiten, Knoebels Farbfeldern oder einer frechen Wandarbeit Johannes Wohnseifers (o.T./27.000 Euro) als brandrote Containertür aus.

Satirisch bannt der rheinische Maler C.O.Paeffgen den Zeitgeist mit einer bonbonrosa Leinwand, auf der blutrot „Krise” geschrieben steht. Sein russischer Kollege Andrei Molodkin setzt seine Plexiglasbuchstaben - gefüllt mit schwarzem sibirischen Erdöl - optimistisch dagegen: „YES WE CAN”.
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