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Kunst strömt aus aller Welt nach Aachen

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Bis 18. April muss das Ludwig Forum tiptop parat stehen - einen Tag später treffen 250 Werke von 100 Künstlern aus aller Welt für die Jubiläumsausstellung „Hyper Real” ein. Das Modell der Ausstellungsarchitektur ist für Direktorin Brigitte Franzen ein wichtiges Instrument für ihre Kuratoren-Regie. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der Geruch von frischer Farbe liegt in der Luft, von irgendwoher dringt Gehämmer ans Ohr, stählerne Absperrgitter durchziehen die Halle - der Umbau läuft auf Hochtouren im Aachener Ludwig Forum.

Er gilt einem der größten und ambitioniertesten Projekte in der Geschichte des Hauses: „Hyper Real” - der Jubiläumsausstellung zum 20-jährigen Bestehen des Museums in der ehemaligen Schirmfabrik. Selbst das traditionell hier stattfindende Tanzfestival „Schrittmacher” muss der Schau, die am 13. März mit einem Fest beginnt, weichen und seine 16. Runde in eine alte Stahlfabrik im Ostviertel der Stadt verlegen.

Die Mulde des Ludwig Forums ist bereits zur Hälfte überbaut. „Hier entsteht das Herzstück”, erklärt Brigitte Franzen: ein quadratisch angelegter Treffpunkt mit Video- und Filmeinspielungen ringsum, wo sich die Besucher niederlassen können, um sich das große Thema der Ausstellung noch einmal auf andere Weise zu vergegenwärtigen. Die Direktorin wirbelt durch ihr Forum - Organisation ist alles. Bis zum 18. Februar muss das Haus tiptop parat stehen: Einen Tag später treffen die Werke ein - aus aller Welt, 250 an der Zahl, von 100 Künstlern.

„Hyper Real”: Das Projekt gilt einem Herzstück der Sammlung Ludwig, das die weltberühmte Kollektion von Peter und Irene Ludwig seit ihren Anfängen mindestens ebenso maßgeblich bestimmt hat wie die Pop Art: der Fotorealismus, zumal in seiner amerikanischen Ausprägung.

Brigitte Franzen hat das Thema der Jubiläumsschau mit Bedacht gewählt, schlägt sie damit doch elegant den Bogen quasi von der Geburtsstunde des Ludwig Forums durch die Gründung des Vorläuferinstituts, der Neuen Galerie im Jahr 1970, bis zur Jetztzeit, in der die Sammlung auf die unterschiedlichsten Ludwig-Museen weltweit verteilt ist und ihren größten Bestand in Aachen hat.

Und so verläuft dieser Bogen: „Klischee und Antiklischee” betitelt Wolfgang Becker die Erstpräsentation in der Neuen Galerie im Februar 1970 - eine Gegenüberstellung von Pop Art und eben jenem „Neuen Realismus”, der bereits Andy Warhol alt aussehen lässt, vergegenwärtigt in Werken von Chuck Close, Duane Hanson, Domenico Gnoli und wie sie alle heißen. Aachen läuft zu dieser Zeit Kassel den Rang ab: Erst zwei Jahre später betreten die Fotorealisten auf der „documenta” die Bühne, da haben die Ludwigs längst eine ganze Kollektion der vieldiskutierten neuen Malerei beisammen. Das Riesenbild „Medici” von Franz Gertsch auf der „documenta” 1972, es stammt aus Aachen.

Sammlung ist global verteilt

Heute ist die Fotorealismus-Sammlung global verteilt in den Ludwig Museen in Köln, Koblenz, Wien, Budapest, Sankt Petersburg und Peking. Von dort aus werden die zum Teil gewaltigen Werke, deren Formate nur noch in Quadratmetergröße angegeben werden kann, am 19. Februar in Aachen eintreffen. Erstmals arbeiten dabei die Ludwig-Institute in dieser Weise so umfassend für ein Ausstellungsprojekt zusammen. Wien und Budapest, wo dann die sozialistische Spielart des Realismus naheliegenderweise im Mittelpunkt stehen wird, sind die beiden anderen Stationen der Ausstellung.

Keine Frage, dass allein der Transport enorme Mittel verschlingt - etliche Stiftungen haben allerdings die Bedeutung des Vorhabens erkannt und fördern es mit stattlichen Summen: Zum ersten Mal überhaupt fördern dabei die Kulturstiftung des Bundes und die der Länder mit „Hyper Real” gemeinsam ein Projekt - mit 400.000 und 100.000 Euro. Brigitte Franzen begreift das Engagement als Auszeichnung. Die Peter und Irene Ludwig-Stiftung steuert 150.000 Euro bei, und selbst die Gerda-Henkel-Stiftung, eigentlich eine Wissenschaftsstiftung, öffnet ihren Topf. Wissenschaftlich begleitet wird die Schau nämlich auch nach allen Regeln der Kunst. Im Fokus stehen dabei die Schnittstellen des neuen Realismus zwischen Malerei und Fotografie, die gleichfalls umfangreich in der Ausstellung zum Zuge kommen soll.

„Die ganze überbordende Bilderwelt dieser Zeit der 70er Jahre fand in der Kunst ihre Spiegelung”, so beschreibt Brigitte Franzen den Hintergrund des Aufkeimens jener speziellen Spielart des Realismus, als der Vietnamkrieg mit nie dagewesener brutaler medialer Härte in die Wohnzimmer einbrach. Als sich die USA-Kritik unter Richard Nixon in in fotojournalistischen Bildern manifestierte, denen sich niemand entziehen konnte. All das soll auch auf erhellende, umfassende Weise Thema von „Hyper Real” dokumentiert werden.

Dazu müssen vermehrt Wände her, schließlich ist der Bau des Ludwig Forums nicht als Galerie geboren worden. Drei ganz neue Räume sind so im hinteren Bereich der Ausstellungshalle bereits entstanden. Ein detailliertes Modell der Ausstellungsarchitektur bildet für Brigitte Franzen das unabdingbare praktisches Hilfsmittel ihrer Kuratoren-Regie.

Raum für Gerhard Richter

Die übrigen Räume ringsum werden von „Hyper Real” umfassend belegt: Dazu gehört auch wie damals in der Neuen Galerie die Gegenüberstellung mit der Pop Art à la Roy Lichtenstein und Andy Warhol, die zur gleichen Zeit entstand. Fotorealistische Schwerpunkte finden ihre Räume thematisch als Bilder der amerikanischen Stadt und der Landschaft. Aber auch Gerhard Richter mit seiner spezifischen Zwischenposition wird seinen Platz finden wie auch der europäische Fotorealismus.

Eine ganze Epoche öffnet sich so in „Hyper Real” dem Betrachter im Spiegelbild der Kunst und repräsentiert dabei auch ein wesentliches Stück Kultur, das in unserer Region mit geboren wurde. Man darf gespannt sein.

„Hyper Real”, Ausstellung zum 20-jährigen Bestehen des Aachener Ludwig Forums. Eröffnung mit anschließendem Jubiläumsfest: Sonntag, 13. März, 12 Uhr. Dauer: bis 19. Juni.
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