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Kunst aus NRW: Tonnenweise Eisen eines Schwermetallers

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Dieser Käfig von Ansgar Nierhoff gehörte 1970 zu seiner Einzelausstellung in der Neuen Galerie – Sammlung Ludwig: Seine Witwe Gisela (r.) und Maria Engels präsentieren ihn in der Reichsabtei. Foto: Andreas Herrmann

Kornelimünster. Drei Eisenkugeln, jede zwei Tonnen schwer, sind mit einem Tieflader in Kornelimünster angekommen und mit Hilfe eines Krans aus 40 Zentimetern Höhe auf das Pflaster vor der Alten Reichsabtei geplumpst. Mit Absicht.

„Die rollt keiner weg“, grinst Maria Engels, die Leiterin der Sammlung Kunst aus NRW. Und hofft, dass sie auch nicht geklaut werden – die einschlägigen Metalldiebe sollen ja neuerdings vor nichts mehr zurückschrecken...

Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll bei der neuen Ausstellung in der Alten Reichsabtei: die handwerkliche Konsequenz und die spürbare Liebe zum Material, mit der Ansgar Nierhoff, der 2010 im Alter von 69 Jahren gestorbene Kölner Bildhauer, Stahl und Eisen nach allen Regeln der Kunst in schwergewichtige Formen brachte. Oder die Art, mit der Maria Engels als Alleinkämpferin mit wenigen Helfern eine Schau mit solch monumentalen Exponaten stemmen konnte.

Die Präsentation, zusammengestellt mit Arbeiten aus den verschiedensten Schaffensphasen, soll an diesen vielfach preisgekrönten Schwermetaller, Schüler von Norbert Kricke, erinnern, der beharrlich immer wieder die gleichen Grundformen ins Metall faltete, streckte, rollte, legte, stellte oder einfach auch nur trennte. Dabei kommt auch zutage, dass seine künstlerische Karriere in Aachen begann: im Jahr 1970, mit seiner ersten Einzelausstellung in der damaligen Neuen Galerie – Sammlung Ludwig. Derselbe, jetzt raumfüllende Edelstahlkäfig, mit dem Nierhoff damals das Publikum verblüffte, kann hier wieder betreten werden. Man muss nur mit einer angebrachten Zeitschaltuhr bestimmen, wie lange man sich darin aufhalten will. Ein Kunsthistoriker hat seinerzeit mit Studenten wissenschaftlich beobachtet, wie die Menschen mit der Situation des Eingeschlossenseins im Käfig umgegangen sind: Von 150 Personen hatten es nur zwei geschafft, die eingestellte Zeit auch drinnen auszuhalten.

1978 wechselte Nierhoff das Material: Statt Edelstahlskulpturen mit ironischen Aussagen zu versehen, begann er, das rohe Eisen zu schmieden – ohne jede Botschaft, rein interessiert an der Form, der Monumentalität, der gewaltigen Dichte des Materials. Da kam es vor, dass er einen eisernen Würfel mit dem Dampfhammer zur Kugel zusammenklopfte – dichter geht‘s nimmer. Ansgar Nierhoff ist damit berühmt geworden. Seine Witwe Gisela hat die Exponate jetzt mit ausgesucht.

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