Kunst aus NRW: Die Vielfalt des Vierecks

Von: js
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Kunst aus Karton: Arbeiten von Erwin Heerich präsentieren Künstlersohn Martin Heerich und Kuratorin Birgit Brunk. Foto: Andreas Herrmann

Kornelimünster. In dieser Ausstellung bekommt der Betrachter viereckige Augen – ganz ohne Bildschirme! Als „Schachtelkünstler mit der strengen Form“ ist der Bildhauer Erwin Heerich (1922 bis 2004) bekannt, die begehbaren Skulpturen auf der Museumsinsel Hombroich sind architektonischer Ausdruck seiner puristischen Ideengebäude.

Einen Einblick in diese deutsche Variante der Minimal Art gibt jetzt die Sammlung Kunst aus NRW in der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster. Und der ist ganz bewusst auch minimal, beschränkt er sich doch auf eine geometrische Form: eben das Viereck. Dessen Vielfalt hat Heerich mit mathematischer Präzision und spielerischer Lust erkundet. Klar, konzentriert, konzeptuell, konsequent.

Nach dem Krieg wurde Heerich an der Düsseldorfer Akademie Meisterschüler des aus Aachen stammenden Künstlers Ewald Mataré, dem das Haus an der Inde zum 125. Geburtstag kürzlich eine große Schau gewidmet hat. Leiterin Maria Engels betont diese Kontinuität. Beide Künstler verbinde die Strenge, doch der Schüler gehe noch weiter Richtung Reduktion. Wo Mataré etwa zeichenhafte Tierplastiken auf der Suche nach Urformen der Schöpfung schuf, löst sich Heerich von der alltäglichen Gegenstandwelt. Sein Sohn, Martin Heerich, bringt den Unterschied mit einer Anekdote lachend auf den Punkt: „Als mein Vater mit dem Lineal in den Unterricht kam, sagte Mataré: ,Hier scheiden sich die Geister‘.“ Der Architekt wird auch zur Eröffnung kundig erläutern, wie sein Vater, meist beginnend auf Kästchenpapier, „aus der Linie die Kunst macht“.

Rund 70 Werke – Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien – zeigen, wie das Viereck, einem Maß folgend, verwandelt werden kann. Etwa in technischen Diagrammen, Holzwürfeln oder den berühmten Kartonplastiken, mit denen Heerich das banale Material Pappe für die Kunst entdeckte. Da zählt eben die Idee, nicht die Ausführung.

„Zwischen Objektivierung und Sinnlichkeit“ überschreibt Kuratorin Birgit Brunk, die das Heerich-Archiv für die Stiftung Insel Hombroich eingerichtet hat, ihre Auswahl. Das Sinnliche wird mancher Betrachter wohl suchen. Vielleicht finden Tetris- oder Zauberwürfel-Spieler es besonders leicht.

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