Monschau - KuK Monschau: Wenn Künstler politisch aufbegehren

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KuK Monschau: Wenn Künstler politisch aufbegehren

Von: Madeleine Gullert
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„Die Masken kommen“ (1946) von Heinz Trökes mutet surrealistisch an. Foto: Willy-Brand-Haus-Sammlung
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Abstrakte, geometrische Formen missfallen dem DDR-Regime: Herrmann Glöckner darf dieses Bild ohne Titel (1957) nicht ausstellen. Foto: Willy-Brand-Haus-Sammlung
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Elfriede Lohse-Wächter malt ein „Paar (Zwei in der Heuernte)“ (1930). Zeigen darf sie ihr Bilder im Dritten Reich nicht. Foto: Willy-Brand-Haus-Sammlung

Monschau. Menschen mit eingefallenen müden Augen schauen sich misstrauisch um. Sie haben verlernt zu lachen. Die beklemmende Stimmung in Kriegszeiten zeigt Max Beckmann (1884-1950) in seiner Lithographie „Die Enttäuschten“. Es ist eines von 120 Bildern aus der Sammlung des Willy-Brandt-Hauses, die ab Sonntag im Kunst- und Kulturzentrum (KuK) der Städteregion Aachen in Monschau zu sehen sind.

„Ich verehre Max Beckmann“, sagte Nina Mika-Helfmeier, Leiterin des KuK, am Donnerstag bei der Vorbesichtigung der Ausstellung. Die beiden Bildern standen deshalb auch ganz oben auf der Wunschliste. Die Willy-Brandt-Sammlung umfasst 3000 Exponate. „Mir ist wichtig, dass es sich nicht um eine parteipolitische Sammlung handelt“, sagte Mika-Helfmeier. Auch wenn den Besucher am Eingang eine kleine Willy-Brandt-Statue empfängt, handelt es sich um eine gesellschaftspolitische Sammlung.

Was die in Monschau ausgestellten Bilder eint, sind die Themen: Die Werke symbolisieren Arbeitslosigkeit, Krieg, Militarismus, den Kampf für Meinungsfreiheit. Zu sehen sind Bilder, die in den vergangenen 100 Jahren entstanden sind – von der Klassischen Moderne bis zu staatsferner Kunst in der DDR. „Wir haben uns bewusst für Künstler entschieden, die in diktatorischen Regimen oder unter widrigen Bedingungen versucht haben, ihre Ideale durchzusetzen. Die für ihre Philosophie in Form der Kunst eingestanden sind“, erklärte Mika-Helfmeier.

Neben Beckmann sind Werke von Otto Dix, Max Ernst und Neo Rauch zu sehen. Es sind große Namen, aber Mika-Helfmeier geht es auch darum, etwas „in Vergessenheit geratene Künstler“ zu zeigen – beispielsweise Elfriede Lohse-Wächtler. Die Dresdner Künstlerin (1899-1940) feierte Erfolge mit ihren Bildern, wurde nach privaten Rückschlägen aber in die Psychiatrie eingewiesen. Dort entstanden hoch gelobte Porträts der anderen Patienten. Unter den Nazis wurde Lohse-Wächtler zwangssterilisiert und im Rahmen einer Euthanasie-Aktion vergast. „Mich faszinieren die bewegenden, oftmals dramatischen Geschichten hinter den Bildern“, sagt Mika-Helfmeier. Täfelchen neben den Bildern informieren die Besucher über die Künstler und die Hintergründe ihres Schaffens, mitunter sind es Leidenswege.

Ein düsteres Bild von Käthe Kollwitz zeigt in den Gesichtern der Menschen, die zu Fratzen werden, den Schrecken und die Verzweiflung der Nazi-Herrschaft. Dieses und viele der anderen gezeigten Bilder gehörten zu der Ausstellung „Entartete Kunst“. Bilder, die den Nationalsozialisten missfielen, wurden ab 1937 in dieser Wanderausstellung gezeigt. Die Künstler erhielten Ausstellungsverbote. „Man muss bedenken, dass das erst 80 Jahre her ist“, ruft Mika-Helfmeier in Erinnerung.

Bilder aus der DDR zeigen, dass es Unterdrückung und Einschränkung der künstlerischen Freiheit auch später noch in Deutschland gab. „Die Bilder entsprachen nicht den Vorgaben der sozialistischen Regierung und wurden deshalb verboten“, erklärt Mika-Helfmeier. Hermann Glöckner (1899-1987) war ein konstruktivistischer Maler. In der Ausstellung sind zwei Bilder zu sehen: ein blaues mit schwarz-weißen geometrischen Figuren und ein rotes ebenfalls mit geometrischen Figuren. In diesen abstrakten Werken ist nur schwer Kritik am System zu erkennen. Tatsächlich aber wurde Glöckners Schaffen eingeschränkt aufgrund des Formalismusstreits: Die geometrischen Figuren entsprachen nicht den Vorgaben des Sozialismus. Man bevorzugte realitätsgetreue Situationen, figuratives Malen. „Dennoch gab es Künstler, die Abstraktes oder auch Pop-Art ausprobiert haben, und das wollen wir hier zeigen“, sagte Mika-Helfmeier. Sie wollten die Absurdität des Systems aufzeigen. Einige Künstler wurden deshalb aus der DDR ausgewiesen.

Eine besondere Herausforderung sei es gewesen, die verschiedenen Kunststile zu vereinen, Expressionismus, aber auch Dadaismus und Surrealismus sind in Monschau zu sehen. Kunst trifft laut Mika-Helfmeier immer eine politische Aussage – und das vermag die Ausstellung zu zeigen: meist auf dramatisch düstere Weise, mal mit einem Augenzwinkern.

Auf humorvolle Weise präsentierte Kritik zeigt der Düsseldorfer Künstler Joseph Beuys (1921-1986) mit seinem berühmten Plakat mit der Aufschrift: „Letzte Warnung an die Deutsche Bank. Beim nächstenmal werden Namen und Begriffe genannt.“

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