Kraftakt der großen Mozart-Messe bravourös gemeistert

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
14043525.jpg
Erhabene Kulisse: Thomas Beaujean (links) leitete das Chorkonzert mit der Cappella Aquensis, Solisten und dem Sinfonieorchester Aachen in St. Michael. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Vor einem Monat bereits konnte der von Hermann Godland einstudierte Chor der Aachener Musikschule, Ars Cantandi, mit einer eindrucksvollen Aufführung der Großen Messe in c-Moll von Mozart überzeugen. Damals stand ihm der Chor der Musikhochschule zur Seite, jetzt ergriff Thomas Beaujean die Gelegenheit, den Werk-erfahrenen Chor zur Unterstützung seiner Cappella Aquensis für diesen Kraftakt zu engagieren.

Mit Mozarts größtem, anspruchsvollstem und trotz des „Requiems“ vielleicht bedeutendstem Chorwerk sowie Francis Poulencs schillerndem „Gloria“ nahm sich Beaujean für sein traditionelles Oratorienkonzert in der voll besetzten Kirche St. Michael in diesem Jahr besonders viel vor.

Die Versiertheit der Cappella Aquensis, der wie immer tadellose Einsatz des Aachener Sinfonieorchesters sowie ein nicht ganz homogenes, aber dennoch hochwertiges Solistenquartett minderten die Risiken angesichts der beachtlichen Herausforderungen. Beaujean schlug in der Mozart-Messe mäßigere Tempi an als sein Kollege Godland, wodurch er den eindrucksvollsten Chorpassagen, etwa dem „Kyrie“ oder „Qui tollis peccata mundi“, stärkeren Nachdruck verleihen konnte, ohne den natürlichen Fluss der Musik zu verschleppen. Auch den schnellen fugierten Chorsätzen kam Beaujeans Gangart entgegen, wenn auch die Transparenz des Chorklangs angesichts der halligen Akustik begrenzt blieb.

Exzellente Leistungen

Und die räumliche Enge verhinderte leider die doppelchörigen Effekte der Eingangs- und Schlusschöre. Mit den exzellenten Leistungen der Chöre war bereits eine vorzügliche Interpretation des Werks gesichert. Allerdings spickte Mozart seine Chor-Messe mit zwei geradezu abenteuerlich schwierigen Sopran-Arien, für die Beaujean mit der blutjungen Milena Knauß und der erfahrenen Caroline Stein zwei Sängerinnen denkbar unterschiedlichen Zuschnitts verpflichtete. Milena Knauß aus der erfolgreichen Kölner Sänger-Schmiede von Prof. Claudia Kunz-Eisenlohr präsentierte mit der ersten, etwas milder gestrickten Arie, dem „Laudamus te“, eine beachtliche Talentprobe ihrer frischen, sehr sicher geführten und angenehm timbrierten Stimme.

Caroline Stein, mittlerweile selbst Professorin an der Musikhochschule Leipzig, blieben die halsbrecherischen Tücken des „Et incarnatus est“ vorbehalten. Technisch bereiten ihr die geradezu instrumentalen Anforderungen keine Probleme. Allerdings wird in den Höhen eine recht unflexible Härte hörbar, die nicht nur den Eindruck der Solo-Gesänge trübt, sondern auch die Ausgewogenheit der Ensemblesätze. Die kleineren Aufgaben der männlichen Partien waren mit dem Tenor Keith Bernard Stonum vorzüglich und mit dem Bassisten John Janssen verlässlich besetzt.

Aufgabe entspannt gelöst

Chor und Orchester fordert Poulenc in seinem 1961 uraufgeführten „Gloria“ ein hohes Maß an stilistischer Flexibilität und klanglicher Wandlungsfähigkeit Maße ab. Ein raffiniert instrumentiertes Loblied mit der Poulenc eigenen Gratwanderung zwischen tiefer Religiosität und ironisch gefärbter Distanz. Nach dem musikalischen und spirituellen Gipfelsturm der Mozart-Messe lösten die Sänger und Instrumentalisten Poulencs Aufgaben geradezu entspannt. Begeisterter Beifall für ein Chorkonzert auf beachtlichem Niveau.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert