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Kornelimünster: Meerschweinchen eines Mal-Virtuosen

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Genialer Maler mit Blick für seltene Motive: Cornelius Völker ist vermutlich der erste Künstler, der Meerschweinchen malt. Von heute an sind seine Werke in der „Kunst aus Nordrhein-Westfalen” bis zum 7. März in der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster zu sehen. Foto: eho

Aachen. Die alten Azteken schätzten sie als Delikatesse, spanische Seefahrer brachten sie nach Europa mit, kleine und große Kinder schenken ihnen heute ihr ganzes Herz: Meerschweinchen.

Nur die Kunst, zumal die Malerei, ließ die knuddeligen Nager schnöde links liegen und verewigte stattdessen so langweiliges Getier wie Pferde, Hunde, Geflügel und selbst Fische - tot auf der Tafel liegend - heroisch in Öl auf der Leinwand.

Damit ist es endlich vorbei: Der Düsseldorfer Künstler Cornelius Völker verhilft dem Meerschweinchen zu seinem längst überfälligen Recht. Die „Kunst aus Nordrhein-Westfalen” in der Reichsabtei Kornelimünster zeigt jetzt in einer Doppelausstellung mit Bildern von Andrea Küster und Cornelius Völker zwei aktuelle Positionen gegenständlicher Malerei.

Glatt, kraus, drahtig

Und Völker malt sie alle: die wirbeligen, die glatten, die krausen, die drahtigen, die borstigen, die Coronet, Peruaner, Texel, Mohair, Alpaka, Lunkarya - das sind die Langhaarigen -, die Crested, Ridgeback-, Somali- und Curly-Meerschweinchen - das sind die Kurzhaarigen. Aber wie die kleine Auswahl beweist: nicht einfach so und nicht so, wie man es erwartet, sondern einfach genial. Ein ganzes strubbeliges Wesen mit kühn gedrechselten Wirbeln zaubert der 45-Jährige mal eben mit höchstens zehn, zwölf Pinselstrichen hin - wie im Vorübergehen.

Das ist wahres Virtuosentum: Während Tizian und Rembrandt an Pelzen stundenlang kleinmeisterlich herumpinselten und sich die größte Mühe gaben, um ihre Könnerschaft zu beweisen, wischt oder spachtelt Völker mal eben über die Leinwand - und schon ist das Fellknäuel in seinem typisch knuffig-neugierigen Ausdruck geboren. Verblüffend: Aus nächster Nähe erkennnt man - nichts. Allenfalls ein abstraktes Gestrieme von Farbe. Mit zunehmendem Abstand „kippt” dann der Blick. Unter den alten Meistern gelang allenfalls Frans Hals solch ein Wunder, etwa mit zwei, drei Stichen eine komplette Hand darzustellen. Cornelius Völker - der Frans Hals des 21. Jahrhunderts.

Der in Düsseldorf und New York lebende Künstler nimmt neben dem Meerschweinchen das vermeintlich Banale des Alltags in Blick und widmet ihm seine virtuose Malerei. Und er findet dabei Motive, die scheinbar so ganz und gar nicht die Weihen der Kunst verdient haben: halbnackte Männer zum Beispiel, offenbar passionierte Burger-Verfutterer, die das Bemühen um eine gewisse Körper-Ästhetik längst aufgegeben haben - und wenigstens beschämt zur Seite blicken. Sind das wirklich noch taugliche Gegenstände der Kunst? Was eigentlich ist überhaupt malenswert?

Fragen über Fragen, aber Cornelius Völker ist künstlerisch absolut auf der Höhe der Zeit. Seine Bilder erzählen ihre Entstehungsgeschichte gleich mit und reflektieren sich quasi selbst, anstatt einen Gegenstand - und sei es ein so Weihevolles wie ein Meerschweinchen - einfach nur abzubilden. Die Arme der Menschen - ganze Körperglieder wirft dieses Genie mit einem einzigen Pinselstrich hin, und selbst eine Physiognomie bedarf unter seiner Hand kaum mehr als dreier Striche. Nebenbei entwirft er mit diesen schlaff herumhängenden Kerlen ein Modell der Männlichkeit, das vermutlich viel eher der heutigen Wahrheit nahekommt als all die heldischen Typen in sonstiger Kunst und Werbung.

Und so geraten Völker die unscheinbarsten Objekte in die malenden Finger, die sie monumentalisieren und in einem spannenden Schwebezustand zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit halten - man muss nur den entsprechenden Abstand wählen. Küchenhandtücher und der Strudel im Waschbecken, Pistolen und Feuerzeuge - und wenn es ganz hart kommt, malt er auch noch das Allergeringste, von dem man nicht für möglich gehalten hätte, dass es einem Ästheten würdig gewesen wäre, seine Kunst zu opfern, mit einem einzigen eleganten Strich: ein winziges Stückchen Zigarettenasche.

Die Spannung zwischen Benennbarem und Unbestimmbaren prägt die Malerei von Andrea Küster, gleichfalls aus Düsseldorf stammend. Sie gewinnt eine gezielte Wirkung der Irritation durch die Konfrontation pflanzlicher Motive mit rein malerischen Formen, Flächen und Farben, in denen so manche Qualität und Charakteristik des Floralen wiederzuerkennen ist, sich quasi spiegelt. Der malerische Prozess, die Reflexion des Künstlers und schließlich der Gegenstand selbst gehen eine inspirierende Verbindung ein.

Eröffnung und Dauer der Ausstellung

Andrea Küster und Cornelius Völker in der „Kunst aus Nordrhein-Westfalen” Konrelimünster, Abteigarten 6.
Eröffnung: Samstag um 15 und um 16 Uhr. Dauer: bis 7. März.

Geöffnet: Di./Mi. 10-13 u. 15-17, Sa. 15-18, So. 12-18 Uhr und nach Vereinbarung, 02408/6492.

Im Seitenflügel sind die jüngsten Neuerwerbungen zu sehen.

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