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Komikertrupps mit Luftballons und einem Hund

Von: Armin Kaumanns
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„Les Paladins” an der Rheinoper: mit (von links) Anna Virovlansky, Anders J. Dahlin, Sören Swart. Foto: H.J. Michel

Düsseldorf. Ziemlich genau 250 Jahre seit der Pariser Uraufführung hat Jean-Philippe Rameaus Partitur von „Les Paladins” in irgendwelchen Schubladen geschlummert. Jetzt meint die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf den vermeintlichen Schatz heben und zur deutschen Erstaufführung bringen zu müssen.

Nach der Premiere darf man füglich zweifeln, ob der enorme Aufwand lohnte, wenngleich es viel Schönes zu hören und zu sehen gibt.

Beispielsweise die Musik. Im halb hochgefahrenen Graben sitzen nicht etwa die Düsseldorfer Symphoniker, sondern spielt das örtliche Spezialistenensemble „Neue Düsseldorfer Hofmusik” an Barockgeigen, wunderbar knarzigen Fagotten, rauen Hörnern.

Sogar ein Musette, eine Art Dudelsack, und eine Menge farbenfroher Schlaginstrumente sind aufgeboten, Rameaus Partitur klanglichen Charme einzuhauchen. Und weil Barock-Kenner Konrad Junghänel mit bloßen Händen frenetisch dirigiert, zirpt und gluckst es sehr lebendig, fast ausgelassen tänzerisch im für diese Art Musik allerdings überdimensionierten Opernhaus.

Auf der Bühne agiert durchweg junges, durchweg talentiertes Personal, das über die Alte-Musik-typischen kleinen, aber wohlgeführten Stimmen verfügt. Ein Ohrenschmaus der helle, sehr hohe Tenor von Anders J. Dahlin, der äußerst gelenkig Rameaus Ziselierungen beherrscht; wunderbar timbriert, mitunter jedoch unsauber, der Sopran von Anna Virovlansky - die beiden geben das Liebespaar Atis und Argie.

Sehr gefällig im Ohr bleiben Iulia Elena Surdu als Zofe Nérine (Sopran) und der Bariton Laimonas Pautienius in der Rolle des plump-liebenswerten Dieners Orcan.

Auf der Bühne von Frank Phillip Schlößmann herrscht unausgesetztes Gewusel. Ein Trupp schwarzer Männer schiebt pausenlos riesige Wände durch die Szene, die rasante Ortswechsel ermöglichen. Der Boden ist durchlöchert mit Luken, aus denen Chor und Statisten bei Bedarf ein- und auskrabbeln. Hier verschwinden aber auch die riesigen Tücher, die stimmungshalber zeitweise die Wände bedecken.

Ununterbrochen hüpfen und scherzen dazu Trupps von ziemlich bunt verkleideten Personen herum, formieren sich zu Reihe, Kreis oder Dreieck um die wenigen Hauptpersonen herum. Dabei ist die Geschichte von „Les Paladins” schlicht: Die beiden Liebenden sind getrennt, der alte Vormund Anselme will die süße Argie für sich.

Diener und Zofe fungieren als Buffo-Paar, und eine Fee schwirrt auch noch herum, den Liebenden zum Schutz. Dazu gibt´s noch eine merkwürdige Moral im Sinne von: Der Eifersüchtige liebt verkehrt.

Rameaus Musik ist schwierig. Schon vor 250 Jahren als manieriert kritisiert, findet sie vor lauter Raffinesse kaum zur Ruhe und Kraft wahren Ausdrucks. Regisseurin Arila Siegert springt auf diesen Zug, die gelernte Choreographin inszeniert die Komödie aus den Zutaten Dekor, Delikatesse und Dekadenz.

Dabei ist Tanz ein fundamentales Mittel der Bildsprache, im Grunde befinden alle Bühnenfiguren sich im Zustand körperlicher Entrücktheit. Menschen von heute (die Liebenden) treffen auf Komikertrupps mit Luftballons und einem Hund, der effektvoll Dukaten scheißt.

Zaubrische Mächte mit Flügeln, zum Leben erweckte Statuen sind nur einige Ideen einer Bildsprache, der live per Projektor der Maler Helge Leiberg recht frivoles, farbenfrohes Dekor beigibt. Bei soviel Drumherum ist man ganz baff.

Zweieinhalb Stunden, einePause. Nächste Vorstellungen in der Rheinoper Düsseldorf, Heinrich-Heine-Allee: 11., 14. Februar, 29. April.

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