Kolossales Landschaftsgemälde erinnert an Strauss

Von: Thomas Beaujean
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Mit dem Berner Symphonieorchester unter seinem Chefdirigenten Andrey Boreyko war einer der großen Klangkörper der Schweiz zu Gast in der Reihe der Meisterkonzerte in Aachen.

Am Konzertmeisterpult saß ein alter Bekannter: Alexis Vincent, ehemaliger hochgeschätzter Konzertmeister des Sinfonieorchesters Aachen.

Die besondere Attraktion des Abends, der türkische Pianist Fazil Say, hatte krankheitsbedingt absagen müssen. Für ihn war der Russe Konstantin Lifschitz eingesprungen, ein spieltechnisch hochveranlagter Pianist, der über eine höchst differenzierte Anschlagspalette und einen schönen, singenden Ton verfügt.

Wenn die Wiedergabe von Ludwig van Beethovens 3. Klavierkonzert dennoch nicht völlig überzeugte, dann lag das daran, dass den Ecksätzen das von Beethoven im Kopfsatz geforderte Brio fehlte, der Schwung und Elan. Das war festzumachen an den behäbigen Tempi der Ecksätze, denen das energische Drängen nach vorne fehlte.

Lifschitz streute hier immer wieder retardierende Passagen ein, die der Dirigent mühsam wieder auffangen musste. Im Largo gelang es beiden nicht, einen großen Spannungsbogen aufzubauen, so schön manches Detail auch gelang. Dem untadelig spielenden Orchester hätte man mehr klangliche Konturierung und Schärfe gewünscht. Eine sehr konventionelle Beethoven-Interpretation.

Zuvor hatten die Berner mit der ihnen gewidmeten und von ihnen uraufgeführten Neukomposition „Taranis” des Schweizer Komponisten Fabian Müller aufgewartet, ein kolossales Landschaftsgemälde in der Nachfolge der großen Tondichtungen eines Richard Strauss, mit den Mitteln des modernen Orchesters mit breiten Strichen hingeworfen, in lyrischen Partien auch mit feiner Feder gezeichnet. Ein farbiges Tableau in gemäßigt moderner und gut anzuhörender Tonsprache.

Seine vorzüglichen Qualitäten konnte das Orchester schließlich an der von Mikhail Pletnev zusammengestellten Suite aus Peter Tschaikowskys Ballett „Dornröschen” demonstrieren, die mit rundem Gesamtklang und vorzüglichen solistischen Leistungen realisiert wurde.

ass Alexis Vincent nichts von seinem eminenten geigerischen Können eingebüßt hat, das bewies er bei seinem großen Violinsolo in der Entreacte. Ob die fünf Nummern, die Tschaikowsky selber in realistischer Selbstbescheidung für eine Suite zusammengestellt hatte, nicht ausgereicht hätten, ist eine andere Frage. Als Zugabe noch ein Walzer von Tschaikowski.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert