Köln - Kölner sehen Chance für neue Musikmesse

Kölner sehen Chance für neue Musikmesse

Von: Mark Ludwig, dpa
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Köln. Noch sind nicht alle Umzugskisten ausgepackt, und auch einige Büros stehen noch leer im „Sound of Cologne”, dem neuen Kreativzentrum der Kölner Musikbranche. Doch die Aufbruchsstimmung, die Köln nach der Absage der diesjährigen Musikmesse Popkomm in Berlin erfasst hat, ist deutlich spürbar.

„Köln muss sich als Musikstadt vor Berlin und Hamburg nicht verstecken”, sagt Norbert Oberhaus, Geschäftsführer des Musikfestivals c/o pop, der gemeinsam mit 50 weiteren Firmen hier in den kommenden Wochen seine neue Heimat bezieht. Das Kreativzentrum befindet sich im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Duftwasserherstellers 4711 im Szeneviertel Ehrenfeld.

Köln bastelt derzeit fleißig daran, sein angekratztes Image als Musikmetropole aufzupolieren. Während Berlin um die Popkomm trauert, die wegen geringer Anmeldezahlen und aus Protest gegen die Internetpiraterie abgesagt wurde, wittert Köln die Chance, mit einer neu aufgesetzten Musikmesse den Berlinern den Rang als Musikhauptstadt abzulaufen.

An einer Rückholaktion der in die Jahre gekommenen Popkomm, die 2003 von Köln nach Berlin abgewandert war, hat man in Köln jedoch kein Interesse. „In der Branche glaubt niemand mehr daran, diesen toten Riesen noch einmal zum Leben erwecken zu können”, sagt Oberhaus, dessen c/o pop die Popkomm in Köln 2004 abgelöst hatte. „Unser Ansatz ist es, die Kunden der Popkomm für ein neuartiges Messekonzept am Standort Köln zu gewinnen.”

Diskutiert werden nach Angaben von Oberhaus derzeit verschiedenste Ideen, auch eine Zusammenarbeit mit der Kölner Messegesellschaft ist nicht ausgeschlossen. „Es gibt noch keine konkreten Pläne, aber viele Gespräche mit der Branche und allen, die in Köln Musik- und Veranstaltungskompetenz mitbringen”, bestätigt auch Koelnmesse-Chef Gerald Böse. Mit der neuen Computerspielemesse gamescom und der c/o pop - beides findet im August statt - gebe es bereits „unterschiedliche Veranstaltungen, die den Unternehmen die nötige Plattform bieten”.

Vorteile des Standorts Köln sieht man in kurzen Wegen. Zudem falle in Berlin eine Musikmesse wie die Popkomm kaum auf, meint Oberhaus. Nicht zuletzt weiß man um die Stärken der c/o pop, die sich in den vergangenen Jahren von einem kleinen Elektropop-Festival zu einem ernstzunehmenden Branchentreff mit jungem Image entwickelt hat. „Im Windschatten der Popkomm in den vergangenen Jahren wurde bereits einiges getestet und daraus zukunftsfähige Konzepte entwickelt, die nicht zuletzt auch schon von Teilen der Musikwirtschaft mitgetragen werden”, sagt der c/o pop-Geschäftsführer Oberhaus mit Stolz.

Dennoch wissen auch die Kölner, dass ihr Musikstadt-Image in den vergangenen Jahren tiefe Risse bekommen hat: Neben der Popkomm wanderten auch Medien wie der Musiksender Viva oder das Szenemagazin „Spex” in die Hauptstadt ab. Auch das „Ringfest”, das zu Popkomm-Zeiten hunderttausende Zuschauer in die Domstadt gelockt hatte, wurde eingestellt. Jetzt scheint man sich auf die alten Zeiten zurückzubesinnen. So schlägt die SPD-Fraktion im Kölner Stadtrat vor, „das Kölner Festival c/o pop mit einer energischen Kraftanstrengung auf den Spitzenplatz der deutschen Veranstaltungen der Musikbranche zu heben”.

In Berlin glaubt man indes nicht an ein Wiedererstarken Kölns als zentralem Messestandort der Musikindustrie. Laut Popkomm-Gründer Dieter Gorny steht ein Standort-Wechsel nicht zur Debatte. Auch die Berliner Messe rechnet weiter mit einer Neuauflage der Popkomm in der Hauptstadt. „Wir wollen für 2010 gemeinsam mit der Musikbranche ein Gesamtkonzept entwickeln, das der Popkomm wieder eine tragfähige Perspektive eröffnet”, sagt Michael Hofer, Sprecher der Messe Berlin.

Für die ausfallende Veranstaltung in diesem Jahr hat das Berliner Kulturzentrum Radialsystem V eine Alternative entwickelt. Mit dem „Berlin Music Market” soll nach Angaben des Kulturzentrums am ursprünglichen Popkomm-Datum vom 16. bis 18. September unter dem Motto „all2gethernow!” ein „neuer Marktplatz der Musikwirtschaft” entstehen.
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