Kölner Inszenierung des „Wozzek” enttäuscht

Von: Pedro Obiera
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Das Ende einer einsamen Liebe
Das Ende einer einsamen Liebe in trister Umgebung: Florian Boesch und Asmik Grigorian als Wozzeck und Marie in der Kölner Inszenierung des „Wozzek” im Palladium. Foto: Klaus Lefebvre

Köln. So rein das Weiß in Achim Freyers unvergesslicher Kölner Inszenierung des „Wozzeck” erstrahlte, so porentief schwarz bleibt die Bühne in Ingo Kerkhofs Annäherung an Alban Bergs genialer Büchner-Vertonung. Die Kölner Oper zog dafür ins Mülheimer Palladium um, in einen schmucklosen Raum, den Gisbert Jäkel ohne jeden Eingriff seiner hässlichen Tristesse überließ.

Die gräulich-schwarzen Kostüme Jessica Karges verweigern sich ebenfalls jeder mildernden Korrektur. Ein Szenario, das so abweisend und hoffnungslos ist wie das Schicksal Wozzecks, des militärischen Underdogs, des Spielballs von Willkür, Häme und Untreue. Zugleich jedoch ein Szenario, in dem der Blick gezwungen wird, sich ausnahmslos auf die Figuren zu richten.

Und der Schauspiel-erfahrene Regisseur lässt erkennen, wie filigran er die Beziehungen zwischen den Figuren und die emotionalen Attacken der Protagonisten deutlich machen kann.

Profillose Handwerksburschen

Das führt bei den Hauptpersonen, Wozzeck und Marie, zu überzeugenden Lösungen. Rund wirkt die Inszenierung dennoch nicht. Dafür beachtet Kerkhof die Nebenfiguren zu lasch. Der beklemmend menschenverachtende Sarkasmus der Doktor-Szene wird ebenso verschenkt wie die burlesk-bösartigen Auftritte des Tambourmajors. Die Möglichkeiten der Wirtshausszene bleiben dank profilloser Handwerksburschen und eines bedeutungslos unauffällig herumstehenden Narren ungenutzt.

Zudem leidet die Produktion an einer mangelhaften Textverständlichkeit, die teils der schlampigen Artikulation der Sänger, teils dem orchestral wuchtigen Dirigat von Markus Stenz zu verdanken ist. Stenz erweist sich hier nicht als Meister des transparenten, sensiblen Klangs, sondern wuchtet die feinziselierte Musik grob durch den anderthalbstündigen Abend. Vokal weitgehend überzeugen vermag lediglich Florian Boesch in der Titelrolle, der die inneren Qualen und die Wahnsinnsschübe darstellerisch und stimmlich mit beachtlicher Intensität zum Ausdruck bringen kann.

Asmik Grigorian verkörpert zwar eine zauberhaft jugendliche und sinnliche Marie, wirkt aber mit ihrem im Grunde lyrischen Sopran überfordert.

Enttäuschend der auch szenisch kaum beachtete Doktor von Dennis Wilgenhof mit einer blassen, stimmlich zu tief timbrierten und textunverständlichen Leistung ohne jede hintergründige Schärfe. Mittelmaß bestimmt den Rest des Ensembles.

Freundlicher Beifall für alle Beteiligten. Dennoch eine vertane Chance, nach langer Zeit eins der besten Musikdramen des 20. Jahrhunderts auf adäquatem Niveau in Köln zu zeigen.

Die nächsten Aufführungen des „Wozzeck” im Palladium in Köln-Mülheim, Schanzenstr. 40: am 1., 5., 9., 11., 13., 16., 18. und 23. Juni.
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