Aachen/Dalheim - Kletterhalle, Restaurant oder Grabstätte?

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Kletterhalle, Restaurant oder Grabstätte?

Von: Matthias Benirschke
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Auch in Aachen gibt es Beispiele für „umgenutzte” Kirchen: Aus St. Josef wurde eine Grabeskirche. Denkmalschützer in NRW sind auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten, wertvolle historische Kirchenbauten zu erhalten. Foto: Harald Kroemer

Aachen/Dalheim. Bürgerhaus, Konzertsaal, Urnenfriedhof oder Kletterhalle - mit dem Mitgliederschwund der großen Kirchen geht auch in Nordrhein-Westfalen die Frage einher: Was soll mit den nicht mehr genutzten Kirchen geschehen? Die Denkmalschützer der Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) arbeiten mit Hochdruck an der Erfassung der Kirchengebäude.

Ziel ist es, die kulturell wertvollsten Gebäude als Denkmäler für die Nachwelt zu erhalten und Lösungswege aufzuzeigen.

Experten schätzen, dass seit dem Zweiten Weltkrieg in NRW rund 150 Kirchen „umgenutzt” wurden. 48 gelungene Beispiele sind in dem Buch „Kirchenumnutzungen - Kirchen im Wandel” aufgeführt, das am Dienstag im LWL-Landesmuseum für Klosterkultur in Lichtenau-Dalheim bei Paderborn vorgestellt wurde. Her-ausgeber ist neben den Landschaftsverbänden die Landesinitiative StadtBauKultur NRW.

„Natürlich stellt sich die Frage, ob eine Umnutzung als Kletterhalle angemessen ist”, sagte der Leiter der Denkmalpflege im Rheinland, Udo Mainzer. Auf diese Weise könne aber die sakrale Hülle erhalten werden, frei nach dem Motto: Besser umgenutzt als vorschnell abgerissen. „Wenn die Gesellschaft mal keine Lust mehr auf Klettern hat, kann die Wand schonend entfernt werden.”

Gemeint ist die ehemalige Kirche St. Peter in Mönchengladbach-Waldhausen. Im zwölf Meter hohen Innenraum der ersten Kletterkirche Europas stehen seit 2009 Kletterwände, in den Seitenschiffen befinden sich Empfang, Duschen und Umkleiden. Die Backsteinkirche ist durch einen langfristigen Pachtvertrag gesichert. Sie war nicht mehr benötigt worden, als sich 2007 zwei katholische Gemeinden zusammentaten.

In der katholischen Kirche St. Konrad in Marl-Hüls ist 2006 ein „Kolumbarium” in einer ehemaligen Kirche entstanden. Dort werden Urnen in ihren Kammern aufbewahrt. Ebenfalls eine solche „Grabeskirche” wurde St. Josef in Aachen. Aus der anglikanischen Kirche St. George in Mönchengladbach wurde 2006 ein Gourmet-Restaurant.

Rund 2500 Kirchen seien in NRW allein nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden, sagte LWL-Denkmalpfleger Markus Harzenetter. Davon seien erst ein Viertel bis ein Drittel von den Denkmalschützern erfasst.

Es gehe relativ langsam vor-an mit der Inventarisierung, weil die seit 2009 vom Land gewährten Fördermittel wieder gestrichen worden seien, klagten die Denkmalpfleger.

„Durch die massive Intervention der Kirchen ist die Inventarisierung aus der Förderung gefallen”, kritisierte Harzenetter. Hintergrund seien die Sparmaßnahmen der Kirchen und die Furcht der Gemeinden vor Betriebskosten für ungenutzte Kirchen.

„Kirchenumnutzungen - Kirchen im Wandel”: Das Buch kann kostenlos angefordert werden über: Gemeinnützige Werkstätten Neuss, Schriftenversand, Am Henselgraben 3, 41470 Neuss.

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