Kleiner Maulwurf auf großer Bühne

Von: Christoph Velten
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Mit seinen Figuren Frosch und Maulwurd amüsierte er das Publikum im Aachener Eurogress: René Marik. Foto: Christoph Velten

Aachen. Eine schwarze Stellwand, eine Gitarre mit Verstärker und ein Keyboard mit Lametta - so minimalistisch das Bühnenbild, so groß ist das Interesse an der kleinen Puppen-Show.

Bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen spielt René Marik mit seinem Handfiguren-Ensemble in der Region in ausverkauftem Haus. Am Mittwochabend im Aachener Eurogress.

„Hellau ihr Pfeifen!” Die Begrüßung ist Programm. Marik macht es dem Aachener Publikum nicht leicht, ihn zu lieben. Auch weil er ab und an mit der Gitarre in der Hand hinter der Stellwand hervortritt und in Begleitung seines Tastateurs „Professor Inge” (Ingo Günther) ein paar überflüssige Popsongs intoniert.

Seine Figuren haben es da einfacher. Der Maulwurf, blind, cholerisch, leicht debil und mit einem hinreißenden Sprachfehler gesegnet, bekommt Szenenapplaus, noch bevor er einen Satz gesagt hat. Frosch Falkenhorst, immer leicht genervt, bisweilen blasiert, muss sich in diversen Kostümen zum Affen machen. Und die neue Figur, der „Hasskasper”, darf sich lustvoll den Quälereien seiner Mitprotagonisten widmen.

Gewalttätiger Schwachsinn

Die Dialoge des neuen Programms „Kasperpop” sind absurd, witzig und bisweilen politisch unkorrekt. „Es ist ein wunderschön gewalttätiges Stück Schwachsinn geworden. Darüber bin ich sehr froh”, sagt Marik. So überrascht es nicht, dass der tiefere Sinn an diesem Abend hintanstehen muss.

Faszinierend ist das perfekte Spiel mit den Puppen, die Freude am Puristischen. Die Kulissen sind lediglich auf Pappe gemalt, einfache Lappen werden über den Händen des Künstlers lebendig. Spezialeffekte, eine aufwendige Lichtshow - all das fehlt, wird aber nicht vermisst. Marik und seine Puppenshow sind der gelungene Gegenentwurf zum 3D-Kino, zu immer lauteren, schnelleren und bunteren Sehgewohnheiten. Das Aachener Publikum liebt diese einfach inszenierte und doch so hohe Kunst.

„Neneneneneneee”, so würde der Maulwurf wohl sagen. Denn zu erklären ist dieser enorme Erfolg kaum. Auch für René Marik nicht. Ausverkaufte Hallen, weit über 100.000 verkaufte DVDs. Die Lawine wurde über das Videoportal YouTube losgetreten: Ein Auftritt in der „Kurt-Krömer-Show” war auf einer Best-of-DVD vertreten, und irgendjemand kam auf die Idee, den „Puppenquatsch” im Netz zu platzieren. „Ein paar Millionen Klicks später”, sagt Marik, „war bei Auftritten die Hütte voll.”

Ein Puppenspieler auf großer Bühne also. Dem Künstler ist der Erfolg zu gönnen, der Kunst selbst wäre eine kleinere Bühne zu wünschen. Das filigrane Spiel ist für die meisten im Saal lediglich über eine große Leinwand mitzuerleben.
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