Klaviersolist kommt nach Bahnverspätung zu spät zum Konzert

Von: Thomas Beaujean
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Phonstark ging es zu beim 5. Meisterkonzert. Die Russische Nationalphilharmonie und ihr Dirigent Vladimir Spivakov hatten ein rein russisches Programm mitgebracht, dessen zweiten Teil Tschaikowskys Fünfte bildete.

Und die ist nun einmal laut, vor allem im Finale. Und selbst wenn diese geballten Klangmassen immer kontrolliert und ausgewogen daherkommen, geraten die akustischen Kapazitäten des Eurogress schnell an ihre Grenzen.

Ist Tschaikowskys vom immer wiederkehrenden Schicksalsmotiv beherrschtes Bekenntniswerk ein überaus populäres und dankbares Stück, so waren es die beiden weiteren Programmpunkte keineswegs. Das Orchesterzwischenspiel „Die drei Wunder“ aus Nikolai Rimski-Korsakoffs Oper „Das Märchen vom Zaren Saltan“ ist hierzulande völlig unbekannt, und Sergej Rachmaninoffs erstem Klavierkonzert, einem Jugendwerk des gerade mal 17-jährigen Konservatoriumsschülers, begegnet man im Gegensatz zu den beiden nachfolgenden Konzerten eigentlich eher selten.

Das in großer Besetzung angetretene Orchester zeigte gleich zu Beginn seine außerordentlichen Qualitäten: Der ausgeglichene, warme Klang aller Instrumentengruppen, die spieltechnische Perfektion und die beinahe gedrillt wirkende Gleichheit des Bogenstrichs in den Streichern sorgen für ein kompaktes und dennoch transparentes Klangbild.

Das Missgeschick des zu späten Eintreffens des Solisten Nikolai Tokarev, der Opfer einer drastischen Verspätung der Bahn geworden war, überspielten Spivakov und sein Orchester mit der Dreingabe von drei Sätzen aus Tschaikowskys Ballett „Schwanensee“ elegant. Tokarev meisterte den virtuosen Klavierpart des Konzertes unbeeindruckt von seinem „Kaltstart“ souverän, kraftvoll und dennoch klanglich differenziert, die oft in die Mittelstimmen verlegte Melodik sorgfältig ausarbeitend. Nahtlos das Zusammenspiel mit dem Orchester. Als Zugabe bot er eine delikat zelebrierte Bach-Bearbeitung von Alexander Siloti.

Spivakov ging Tschaikowskys fünfte Sinfonie mit höchster klanglicher Intensität an und hielt das Werk vom düsteren Beginn bis zum triumphalen Schluss bei aller sorgfältigen Ausformung der stark kontrastierenden Details unter permanenter Innenspannung. Dabei waren berückend schöne Bläsersoli zu hören wie etwa das berühmte Hornsolo im langsamen Satz. War der Schluss der Sinfonie schon klanglich äußerst ausladend, so ging es in dem Stil bei Zugaben von Schostakowitsch und Khatchaturian weiter. Der Beifall war enthusiastisch.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert