Alsdorf/Aachen - Kino in Aachen und Alsdorf wird dreidimensional

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Kino in Aachen und Alsdorf wird dreidimensional

Von: Günter H. Jekubzik
Letzte Aktualisierung:
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Nichts für schwache Nerven: Der Horrorschocker „My Bloody Valentine” in 3D. Foto: Kinowelt

Alsdorf/Aachen. 25 Jahre, nachdem der „Weiße Hai” dreidimensional aus der Leinwand sprang und zubiss, kommt eine neue Dimension des Kinos in der Region an: Das digitale 3D-Kino erweitert die Handlung in den Zuschauerraum.

Ist das Comeback nur eine spektakuläre Zirkusnummer oder die Zukunft? Kinobetreiber Leo Stürtz glaubt jedenfalls an 3D und hat eine Menge in die Umrüstung von zwei Sälen in Aachen und Alsdorf investiert. Zwei weitere werden folgen. Das Publikum kann die Neuerung ab Donnerstag nächster Woche im Atrium des Alsdorfer Cinetower und im Aachener Eden-Palast erleben.

Dann laufen die 3D-Versionen von „Ice Age” sowie des Horrorfilms „My Bloody Valentine” an beiden Orten an. Weitere geplante 3D-Starttermine sind der Realfilm „Final Destination 4” am 3. September und James Camerons „Avatar” am 17. Dezember.

Solange es klassisch 2D bleibt, ist auf der Leinwand kein Unterschied zu sehen. Der digitale Film sieht genauso aus wie der vom 35mm-Film projizierte, er klingt nur etwas besser. Man muss schon in den Vorführraum des Alsdorfer Stammhauses der Kinofamilie Stürtz gehen, um die Zukunft zu sehen. Hier steht neben der massiven metallischen 35mm-Maschine von Bauer, die schon Jahrzehnte auf dem Buckel hat, ein Hightech-Kasten, ein 2K-Digitalprojektor der kanadischen Firma Christie.

Chef-Techniker Manfred Vohsel, der in den letzten Wochen gleichzeitig zwei Kinosäle in die Zukunft gebeamt hat und trotzdem sehr entspannt wirkt, bedient nun eine Computer-Tastatur, damit der Server hochfährt und der Film starten kann. Der wird nun mehrfach gesichert auf Terrabyte-Festplatte angeliefert. Die traditionelle größte Katastrophe für den Vorführer, die Filmrolle, die sich auf den Fußboden abwickelt, gibt es nicht mehr. Jetzt stürzt höchstens der Server ab.

Vor dem Projektor polarisiert eine sich rasant drehende Scheibe die Einzelbilder des Films abwechselnd horizontal und vertikal. Diese Bilder sortiert im Saal die 3D-Brille wiederum für das linke oder rechte Auge aus - und schon sehen wir auf einer flachen Leinwand räumlich. Ein faszinierender Effekt, der von den Filmemachern mal vorsichtig, mal mit dem Vorschlaghammer eingesetzt wird.

Kompliziert: die Finanzen

Was wörtlich zu nehmen ist, denn einen der eindrucksvollsten Effekte des neuen Zeitalters liefert der Horror-Schocker „My bloody Valentine”, beim dem die Spitzhacke des Killers immer wieder auf die Zuschauer zufliegt. Besonders herausgestellt arbeitet auch der Kinder-Zeichentrickfilm „Bolt”. Sehr dezent dagegen das kommende Pixar-Meisterwerk „Oben”, das auch ohne große Effekte die Lachmuskeln und Herzen erobert.

Noch komplizierter als die technischen sind die finanziellen Hintergründe der 3D-Technik. Leo Stürtz hat sich die Investition von 100.000 Euro pro Saal lange überlegt und ist doch noch rechtzeitig eingestiegen. Denn schon gibt es schon Engpässe: Die spezielle Silberleinwand, die besonders viel Licht reflektieren muss, kam aus England. Auch die Brillen mit den polarisierenden Gläsern mussten rechtzeitig gebucht werden. Denn wenn 3D beim Publikum einschlägt, wird ihr Verbrauch hoch sein.

Sie werden nach jeder Vorführung in Aachen mittels Spezialbad gereinigt und von Hand nachpoliert. Dass zum um 1,50 Euro erhöhten Eintrittsgeld ein „Brillengeld” von 1,50 Euro bezahlt werden muss, ist Folge eines Dauerstreits um die Kosten der Digitalisierung zwischen Verleihern und Kinos. Stürtz kann die 3D-Investitionen nur über diese Gebühr reinholen. Würde er den Obolus in den Preis der Kinokarte einrechnen, müsste er dem Filmverleiher fast 50 Prozent abgeben und auch noch eine Filmförderungs-Abgabe errichten. Normalerweise bleiben ihm von einem Euro nur 20 Cent nach Steuer und Abgaben übrig.

Weil der Disney-Verleih für „Oben” noch mehr Geld als üblich haben will, ist es eher unwahrscheinlich, dass der Pixar- Animationsfilm ab 17. September bei uns in 3D zu sehen sein wird. Da muss man vielleicht wieder nach Heerlen ausweichen, wo im Royal 3D bereits seit ein paar Monaten - in Originalversionen - läuft. Fest steht allerdings, dass auch der Tower 7 in Alsdorf und das Cineplex 3 in Aachen bald 3D-Kinos werden. Denn es hat sich bei „Ice Age 3” in anderen Städten gezeigt, dass 3D pro Kopie doppelt so viel einspielt wie 2D. Ob es auch doppelt so viel Spaß macht, wird das Publikum selbst erleben.

Konsolidierung hat noch nicht begonnen

Auch der zweitgrößte deutsche Kinokonzern Cinemaxx setzte seine Hoffnungen auf 3D. Für fünf Millionen Euro stattet der Konzern bundesweit fast 60 Kinosäle mit der enstprechenden Ausrüstung aus. Die Tickets für die Filme werden fünf Euro teurer sein.

Vorstandschef Christian Gisy sieht den Tiefpunkt des Jahres 2007 für die Kinowirtschaft, als nur noch 125 Millionen Tickets verkauft wurden, überwunden. „Wenn es für den Rest des Jahres gut läuft, können es 2009 ungefähr 135 bis 136 Millionen werden”, hofft Gisy. Das ist noch weit entfernt von den 178 Millionen Kinobesuchern des Jahres 2001, aber damals waren DVDs, große Flachbildschirme und Soundsysteme für den Hausgebrauch noch nicht verbreitet. Der Zuschauerboom der Jahrtausendwende belastet die Branche bis heute; damals wurden so viele neue Kinos gebaut, dass der Markt immer noch mit Überkapazitäten zu kämpfen hat.

Insgesamt gibt es in Deutschland rund 4800 Kinosäle, kaum weniger als von einigen Jahren - zu viele, findet Gisy. „Der Konsolidierungsprozess der Branche hat noch gar nicht begonnen, weil keiner der Marktteilnehmer die Kraft dazu hat.”
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