Aachen - Keine Gegensätze

Keine Gegensätze

Von: Thomas Beaujean
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Klassik und Jazz in einem Konzert: Geht das überhaupt? Der Lions Club Aachen Urbs Regalis bewies in seinem mit „Cross Culture” betitelten Konzert im Ballsaal des Alten Kurhauses, dass es geht. Allerdings nur dann, wenn sich adäquate Musiker zusammenfinden.

Olga Scheps, die raketenartig aufstrebende junge russische Pianistin, die seit langem in Deutschland lebt, bestritt den ersten, der Jazzpianist Frank Chastenier mit seinem Trio den zweiten Konzertteil. Es war eine spannende Reise durch verschiedene Stile mit gewissen Korrespondenzen.

Olga Scheps spielte Musik der Romantik, Walzer von Tschaikowsky und Scrijabin, eine Ballade und ein Nocturne von Chopin, ein Prélude von Rachmaninow, und konnte dabei den ganzen poetischen Zauber ihres Klavierspiels entfalten. Zu reiner Klangpoesie mit unnachahmlicher Eleganz gerieten die drei Walzer. Liszts zwei Liebesträume wurden in mustergültiger Differenzierung der verschiedenen Klangebenen geboten, mit wunderbar singender Melodik, ebenso Chopins Des-Dur-Nocturne. Die beiden „Knaller” dieses ersten Teils, Chopins g-Moll-Ballade und, als Zugabe, Rachmaninows cis-Moll-Prélude, hatten nicht diese Überzeugungskraft, nicht zuletzt, weil sie spieltechnisch nicht ganz souverän waren.

Als Frank Chastenier den zweiten Teil mit Edith Piafs „Je ne regrette rien” eröffnete, da hatte man zunächst das Gefühl, dass sich stilistisch wenig veränderte. Auch er begann äußerst poesievoll, fast still und klanglich zurückhaltend, bis die Musik mit dem Einsatz von Bassist John Goldsby und Schlagzeuger Hans Dekker allmählich zu grooven begann.

Wie Chastenier Titel völlig unterschiedlicher Stilistik von Jacques Demy, Jimmy McHugh, Herbert Grönemeyer und Vincent Youmans als Ausgangspunkt seiner teils poetisch-stillen, teils geradezu explosiven, mitreißend swingenden Improvisationen macht und dabei immer wieder auf seinen unverwechselbaren Personalstil zurückkommt, das ist meisterhaft und lässt kaum jemanden ruhig auf seinem Stuhl sitzen. Da wird selbst Lehars Schmachtfetzen „Dein ist mein ganzes Herz” ein vergnüglich pulsierendes Ereignis.

Zu diesem begeisternden Erlebnis trugen Chasteniers Kollegen Goldsby und Dekker durch kongeniales Zusammenspiel entscheidend bei, letzterer mit einem fulminanten Schlagzeugsolo in „Les parapluies de Cherbourg”.

Standing Ovations.
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