Karstadt-Kunst soll Millionen bringen

Von: Uta Knapp, dpa
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Chromatische Scheiben
Das Bild „Chromatische Scheiben” (1960) von Ernst Wilhelm Nay in einem Konferenzsaal der Karstadt Hauptverwaltung in Essen. Das Gemälde zählt zur Insolvenzmasse und soll mit anderen Kunstwerken versteigert werden. Der geschätze Wert des Bildes liegt zwischen 500.000 bis 800.000 Euro. Foto: dpa

Essen. Es war vielleicht eines der besten Geschäfte, die die mittlerweile insolvente Warenhauskette Karstadt je gemacht hat: Über Jahrzehnte hinweg hing das großformatige Gemälde „Chromatische Scheiben” des bekannten Kölner Künstlers Ernst Wilhelm Nay an einer Wand im großen Sitzungszimmer der Essener Unternehmenszentrale. Nun soll das für damals 90.000 DM (rund 46.000 Euro) erworbene Werk unter den Hammer kommen.

Experten rechnen nun mit einem Preis von 500.000 bis 800.000 Euro für das abstrakte Gemälde aus dem Jahr 1960.

Rechtzeitig vor dem in den nächsten Wochen geplanten Einstieg eines Investors oder auch vor der endgültigen Zerschlagung des Unternehmens will Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg das riesige Gemälde nun versteigern lassen, zusammen mit 471 weiteren Kunstwerken aus dem Besitz des Unternehmens.

Darunter sind Werke von Emil Schumacher („Gagaola”), Heinz Mack („Silbermosaik-Wand”), Christian Rohlfs („Tempera”) oder auch ein weiteres Bild von Nay mit dem Titel „Blätter und schwarze Punkte”. Insgesamt wird mit einem Versteigerungserlös „in Millionenhöhe” gerechnet, berichtet Görg-Sprecher Thomas Schulz. Das Geld soll den Gläubigern zugutekommen.

Künstlerwitwe Elisabeth Nay-Scheibler zählt die „Chromatischen Scheiben” heute zu den Hauptwerken ihres 1968 gestorbenen Mannes. „Es ist ein wunderbares Bild. Ich würde mir wünschen, dass es in ein Museum kommt”, sagt die Witwe in Köln. Das Bild, das seit fast 40 Jahren nicht mehr öffentlich zu sehen war, zähle mit einer Größe von 1,90 Metern zu 3,40 Metern zu den insgesamt nur fünf Werken des Künstlers in diesem Großformat. Werke von Nay in diesem Format seien etwa im Museum Ludwig in Köln oder in der Deutschen Oper in Berlin zu sehen.

In der Essener Karstadt-Zentrale hing das Bild über Jahre hinweg mitten im „Zentrum der Macht”. In dem Saal auf der mit dunklem Holz vertäfelten Vorstandsetage mussten gleich eine ganze Reihe von nicht immer glücklich agierenden Vorstandschefs ihre Berichte abliefern. Dort getroffene Entscheidungen endeten im Sommer 2009 schließlich in der spektakulären Insolvenz der Muttergesellschaft Arcandor mit ihren Töchtern Karstadt und Quelle.

Nach dem Aus für Arcandor und Quelle kämpft derzeit noch die Warenhauskette Karstadt mit 120 Filialen und 26.000 Beschäftigten ums Überleben. Zur Rettung des Unternehmens hatten sich die Gläubiger erst in dieser Woche bereiterklärt, auf Forderungen in Milliardenhöhe zu verzichten.
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