Aachen - Karls-Ausstellungen: Besucheransturm bereits am ersten Tag

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Karls-Ausstellungen: Besucheransturm bereits am ersten Tag

Von: Eckhard Hoog
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Erster Ansturm auf die Karls-Ausstellungen: Im Krönungssaal faszinieren die Projektionen auf den Rethel-Fresken das Publikum. Foto: Harald Krömer
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Fernsehjournalistin Myriam Seurat aus Paris drehte für TV5 Monde. Foto: Harald Krömer

Aachen. Mit einem Wort beschreibt Myriam Seurat ihren ersten Eindruck von den Karls-Ausstellungen in Aachen: „Magnifique!“ Großartig. Für den französischen Sender TV5 Monde ist die Fernsehjournalistin mit ihrem Team von Paris aus angereist, um in Aachen eine Reportage zu drehen über die Trias „Macht Kunst Schätze“.

Und während Kurator und RWTH-Historiker Frank Pohle ihr im Interview Rede und Antwort steht, staut sich bereits die Schlange der Besucher von der Eingangstür des Rathauses bis zum Ende des Foyers. Der Andrang ist enorm am ersten Tag, mindestens 200 Besucher strömen pro Stunde allein in den Krönungssaal, um hier die „Orte der Macht“ zu erleben. Und das „Tagesgeschäft“ im Rathaus wird auch noch aufrecht erhalten – als ob nichts gewesen wäre. Im Weißen Saal, gleich neben der Besucherschlange, heiraten an diesem Vormittag Kathrin Schampanis und Thomas Litan.

„Erleben“ ist angesichts der multimedial reichlich unterstützten Präsentation genau der richtige Begriff für die Schau im Krönungssaal. „Eine sehr attraktive Aufbereitung“, findet jedenfalls Norbert Will, der mit seiner Frau Sabine aus Bayreuth gekommen ist. Die Gäste aus dem Fränkischen zeigen sich tief beeindruckt: „Alles ist sehr aufwendig inszeniert.“ Und: „Erstaunlich und wunderbar ist es, dass so viele schöne Dinge aus dem 9. Jahrhundert heute noch erhalten sind.“

Das Ehepaar reist viel, ist historisch hoch interessiert und pflichtet dem Bruder und Schwager Eberhard Will bei, den sie gerade in Aachen besuchen: „Man kann froh sein, dass es das alles noch gibt. Heutzutage hat doch jeder neu gebaute Kirchturm den Charme eines Schornsteins.“

Fast 500 Kilometer haben Helga und Gerhard Hentze von Bad Harzburg aus zurückgelegt, nur um die Karls-Ausstellungen und die Aachener Altstadt zu besuchen. Zwei Übernachtungen haben sie eingeplant, um möglichst nichts auslassen zu müssen. Besonders die Mosaiken aus Rom und Ravenna haben es ihnen angetan: „Das sind richtig lebendige Gesichter.“

Eine noch weitere Reise hat Susy Liechtenhan unternommen, die wir im Handschriften-Saal des Centre Charlemagne, dem neuen Stadtmuseum, bei „Karls Kunst“ antreffen: Sie ist Reiseleiterin in Zürich – von Hause aus Historikerin und Kunsthistorikerin. Alle zwei Jahre organisiert sie für Schweizer Landsleute eine Reise nach Aachen, um sich hier gezielt „auf den Spuren Karls des Großen“ zu bewegen. Keine Frage, dass im 1200. Todesjahr des legendären Herrschers und angesichts dieser Schau das Interesse besonders groß ist. Am 5. Juli will sie mit einer Gruppe wiederkommen, jetzt bereitet sie schon einmal alles vor und verschafft sich einen Überblick. „Ich bin überwältigt vom Reichtum des Gezeigten“, sagt sie. Eine ganze Stunde lang hat sie allein der Betrachtung der mittelalterlichen Handschriften gewidmet.

Der Schweizer Gast findet allerdings im Centre Charlemagne auch ein recht schwer wiegendes Haar in der Suppe: „Die Beschriftung der Vitrinen ist so tief angebracht, dass man niederknien muss, um etwas erkennen zu können.“ Eine solche Ehrfurchtsbezeugung mag angesichts der Qualität der Exponate zwar angebracht sein – publikumsfreundlich ist das nicht. „Unverzeihlich“, sagt Susy Liechtenhan. Vor allem, weil die Verbeugung nichts nützt: Im Saal der Handschriften ist es viel zu dunkel, um die Texte auf den Täfelchen lesen zu können.

Und woher stammt nun die Affinität der Schweizer zu Karl dem Großen? Es ist das Benediktinerinnenkloster St. Johann im Val Müstair, ein Weltkulturerbe, das auf eine Stiftung Karls zurückgeht, erklärt die Züricher Historikerin – berühmt für seine karolingischen Fresken, von den Schweizern allseits hochgeschätzt. Außerdem steht in der Klosterkirche eine lebensgroße Stuckskulptur Karls des Großen – na, wenn das keine Verbindung zu Aachen ist.

„Das ist wortwörtlich goldig hier“, findet Joshua Lequen, zwölf Jahre alt, ein bemerkenswert treffendes Wortspiel über seinen Eindruck in der Domschatzkammer, wo die „Verlorenen Schätze“ untergebracht sind.

Mit Schwester Amelie und den Eltern Frank und Gudrun Lequen sind sie aus Münster gekommen, um bei einem Familientreffen in Aachen einen ausgedehnten Abstecher zu der Ausstellungs-Trias zu unternehmen. Die Mutter hat eine ganz besondere Beziehung zu den Exponaten in der Domschatzkammer, die sie mit Kennerblick betrachtet: Sie ist Goldschmiedemeisterin und fühlt sich hier beinahe heimisch. Ein Wort sagt alles: „Faszinierend!“ Am Nachmittag traf dann noch ein Fernsehteam aus Flandern ein, und das dürfte bei weitem nicht das letzte sein...

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