Karin Baiers letzte Saison als Intendantin an Kölner Schauspielhaus

Von: Jenny Schmetz
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Köln. Theater-Intendanten sollten heute in zwei kräftezehrenden Disziplinen besonders gut trainiert sein: Gerangel ums Geld und Stücke-aus-dem-Spielplan-Streichen. Ja, auch die erfolgsverwöhnte Chefin des Kölner Schauspielhauses musste diese leidige Erfahrung machen.

Vor fünf Jahren war Karin Beier in ihrer Heimatstadt mit 20 Premieren fulminant gestartet, jetzt - in ihrer letzten Saison - kann sie aus Sparzwängen nur noch etwa halb so viele anbieten.

Die scheidende Chefin hat nun eine Million Euro weniger zur Verfügung als vor zwei Jahren. Aber Beier „möchte nicht mit Dreck auf die Stadt werfen”. Stattdessen kündigt sie einen kleinen, aber feinen Sparspielplan an. Schließlich will die 46-Jährige ihrem Nachfolger Stefan Bachmann (auch 46) keine Miesen hinterlassen. Er wird wohl erst mal genug damit zu tun haben, das Super-Image des Kölner Hauses weiter zu polieren. Immerhin wurde es unter Beiers Leitung zwei Jahre in Folge zum „Theater des Jahres” gekürt. Und auch in der Vorsaison war es in NRW sicherlich spitze. Werfen wir also einen Blick auf die neue Spielzeit.

Motto: Gibt es nicht. Aber über allem erklingt ein trotziges: „Wir sparen, aber nicht an der Qualität!” So ist das Jahresheft zwar nicht auf Hochglanz-Papier, aber am Computer-Bildschirm zu lesen. Und Regie-Shootingstar Herbert Fritsch (61) verzichtet zwar auf seine Inszenierung von „Bürger Schippel”, aber einige renommierte Kollegen kommen schon nach Köln (siehe unten).

Völlig neu: Nicht nur mit Kürzungen muss sich Karin Beier herumschlagen. Wegen der Sanierung von Schauspielhaus (und Oper) stand auch ein Umzug an - in die Expo XXI am Gladbacher Wall 5. Aus der Messehalle wurden zwei Interimsspielstätten: die Expo 1 mit 436 Plätzen (also weniger als im Großen Haus am Offenbachplatz) und die Expo 2 mit 200 Plätzen (deutlich mehr als in der Schlosserei). Ein Problem: Beide Bühnen können nicht gleichzeitig bespielt werden, da sie nur durch Vorhänge voneinander getrennt sind. Aber Neu-Intendant Bachmann will ja auch 2013 schon wieder umziehen - in eine ehemalige Industriehalle in Köln-Mülheim. Viel Bewegung also bis zur Wiedereröffnung des Schauspielhauses, voraussichtlich 2015/2016...

Start:Mit viel Frauenpower gehte_SSRqs los. Die englische Regisseurin Katie Mitchell will ihre einzigartige Kunstform weiterentwickeln - eine Art Videotheatersoundhörspiel. Als Vorlage fließt wieder ein Bewusstseinsstrom: Friederike Mayröckers Erzählung „Reise durch die Nacht” (Uraufführung am 13. Oktober in der Halle Kalk, die weiterhin als Bühne dient). Dann lässt Puppenspielerin Suse Wächter am „Abend aller Tage” die Welt untergehen (Uraufführung: 14. Oktober, Expo 2), und Theatertreffen-Dauergast Karin Henkel schaut in Hautpmanns „Ratten” einer Gesellschaft beim Verfall zu (ab 20. Oktober, Expo 1). Die Krise lässt also grüßen!

Anschauen!Noch mehr bekannte Namengefällig? Nur ein Beispiel: Christoph Marthaler, musikalischer Meister der Langsamkeit, inszeniert das Sprachtraumspiel „Oh, ite_SSRqs like home” der preisgekrönten Sasha Rau (Uraufführung: 19. Januar, Halle Kalk).

Mal sehen:Deutlich weniger (Köln-)Projekte als bisher bietet der Spielplan leider - auch aus Spargründen. Als kleine Überraschung findet man dagegen Wittenbrinks Dauerbrenner „Männer” im Programm (ab 25. Oktober, Expo 1). Einen Fußballliederabend. Ein Hauch von „Ätschibätschi” weht da mit. War Karin Beier doch im Jahr 2007 mit der Ansage gestartet: „Keine Liederabende und Abitur-Stücke!” Aber damit kommt natürlich Kohle rein.
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