Aachen - Kampf mit der größten weiblichen Problemzone: Mann

Kampf mit der größten weiblichen Problemzone: Mann

Von: Grit Schorn
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Aachen. Leicht und luftig wie ein köstliches Baiser - so präsentierte sich der Ausklang der ersten Spielzeit unter der Leitung von Uwe Brandt, der 2009 den Grenzlandtheater-Stab von Manfred Langner übernommen hatte.

Mit ihrem süffisanten Roman „Mondscheintarif” über weibliche Unbill angesichts männlicher Stoffeligkeit hatte Ildikó von Kürthy 1999 ihren ersten großen Bucherfolg. Die Autorin und Journalistin, Jahrgang 1968, wurde in Aachen geboren und wuchs hier auf - als Tochter des ungarischen Erziehungswissenschaftlers Tamás von Kürthy, der an der RWTH lehrte. In der Bühnenfassung von Friedrich Dudy ging jetzt die spritzige Komödie über die Theaterbretter, von Charles Copenhaver kongenial vielseitig ausgestattet und mit raffinierter Aachener Silhouette versehen. Cora Hübsch heißt die Protagonistin, die an „der größten weiblichen Problemzone” nahezu verzweifelt - der Problemzone, die da „Mann” heißt...

Hübsche Geschichte

Eine hübsche Geschichte rundum Cora Hübsch, ihre beste Freundin Jo und den von Cora angebeteten Dr. Hofmann wirbelt da über die Bühne, halb gespielt und halb erzählt von Cora selbst. Die bereits bei ihrem ersten Zusammentreffen mit dem Traummann - unabsichtlich - denselben fast entmannt. Mit einem äußerst kantigen Hummer, der eigentlich als Trost für die Klofrau gedacht war. Temporeicher Boulevard: hemmungslos schräg und überzogen, kess und vital-witzig - die kurzweilige Geschlechter-Posse wird von den drei famosen Darstellern geadelt. Regisseur Ulf Dietrich lässt die Funken sprühen.

Die bereits in Aachen mit dem Karl-Heinz-Walther-Preis ausgezeichnete Schauspielerin Regine Gisbertz (als Marilyn in „Diamonds”) offenbart sich in der Hauptrolle als unwiderstehliche Komödiantin, die ihre Last mit Liebe, Leid und Lust auf urkomische Art zu tragen versteht. Dorothea Förtsch als treue Freundin Jo überzeugt ebenso wie Markus Angenvorth als „Traummann” Daniel, elegant alle Klippen umschiffend, die die etwas stereotype Rolle des umschwärmten Mediziners mit sich bringt. Auch als grauhaarige Klofrau, Coras Exfreund Sascha oder als Italo-Kellner erfreut der Schauspieler, ebenso wie Dorothea Förtsch als „Begleiterin” des Arztes und als temperamentvolle Kellnerin gefällt.

Coras köstliche Peinlichkeiten in schäbiger Unterwäsche oder laszivem Etuikleid machen Spaß, ihre explosive Mischung aus Naivität, Chuzpe und Charme schafft eine ganz besondere Atmosphäre. Die Telefondrähte glühen heiß und sind letztlich titelgebend - vor einem Jahrzehnt gab es nächtens noch den billigen „Mondscheintarif”. Am Ende kein „Warten auf Godot”, sondern auf Dr. Daniel Hofmann, der sich nach der ersten „wunderbaren” Nacht mit Cora nicht mehr meldet. Und so kann die tapfere Heldin ihren tragikomischen Liebeskummer mit vielen Anrufen und bitter-süßen Schokolade-Orgien eine ganze Weile bekämpfen - bis zum unausweichlichen Happyend (fabelhafte Kostüme von Heike M. Schmidt und Zarah Boras). Begeisterter Applaus.

Aufführungen bis zum 2. Juli

Weitere Aufführungen von „Mondscheintarif” nach Ildikó von Kürthys Roman im Aachener Grenzlandtheater, Elisen-Galerie, von Dienstag an bis 19. Juni. Ab 20. Juni bis 2. Juli Vorstellungen in Spielstätten der Region. Beginn jeweils 20 Uhr. Tickets unter 0241/4746111.

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