Aachen - Kammerspiele: „Piepchen” wird aufgepäppelt

Kammerspiele: „Piepchen” wird aufgepäppelt

Von: Grit Schorn
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Vergnügliches Puppenspiel im Theater Aachen: Wiebke Alphei (links) und Julia Brettschneider führen in der Kammer „Frau Meier, die Amsel” für Menschen ab fünf Jahren auf. Foto: Carl Brunn

Aachen. Die Kammer im Theater Aachen wird zum Kämmerchen: Ein großer, alter Tisch, leicht geneigt, damit alle alles sehen können, wird zur Bühne, die Schublade zum kuscheligen Ehebett für Frau und Herrn Meier, die unter urigen, rotweiß-karierten Plu- meaus sanft „schnorcheln”.

Liebevoll und gewitzt hat das Trio Wiebke Alphei, Julia Brettschneider und Katrin Eickholt (Dramaturgie) die Erzählung „Frau Meier, die Amsel” von Wolf Erlbruch szenisch umgesetzt.

Die drei Puppen hat Wiebke Alphei selbst entworfen und gebaut. Frau Meier mit ängstlicher Miene ist ebenso ansprechend wie Herr Meier mit Gelehrtenbrille und borstigem Haarkranz.

Und der kühne Schnabel der jungen Amsel, die Frau Meier im Garten findet, ist eigentlich eine Haarspange, von Alphei quietschgelb angemalt.

Dunkel gewandet und mit hochgestecktem Haar „dirigieren” die beiden ausgebildeten Puppenspielerinnen unauffällig die köstlichen Figuren, die dank Brettschneiders und Alpheis Kunst zu munterem Leben erwachen.

Nicht nur das ganz junge Publikum erlebt mit großem Vergnügen, wie viele Sorgen sich Frau Meier macht - ob sie nun genügend Rosinen in den Kuchen getan hat, ob der Gurkenvorrat reicht, oder gar, ob morgen die Sonne wieder aufgeht.

Die Textfassung von Julia Brettschneider kommt federleicht, witzig und ernsthaft zugleich daher. Scheu und ängstlich ist zunächst die junge Amsel, eigentlich ganz wie die bekümmerte Frau Meier, die bei der Vogelaufzucht zu neuem Selbstvertrauen findet.

Dass diese Frau eine Aufgabe braucht, erschließt sich kleinen und großen Zuschauern, so auch dem fünfjährigen Dennis: „Für jemanden sorgen, das macht zufrieden!” Frau Meier blüht auf, indem sie „Piepchen”, den elternlosen Vogel, aufpäppelt und sich viel im Garten aufhält - der übrigens schlicht und einfach aus Kartons mit Obst und Gemüse besteht.

„Vielleicht bist du ja ein Pinguin”, rätselt sie, als „Piepchen” nicht fliegen kann. Sie vergisst alle ihre Sorgen und hebt buchstäblich ab: Tollkühn macht sie der flügellahmen Amsel das Fliegen vor!

„Frau Meier, die Amsel” ist mehr als eine gelungene Lach- und Sachgeschichte - köstliche Dialoge und hinreißende Puppenspiel-Szenen verzaubern Jung und Alt. Tosender Beifall für alle Beteiligten und ein fröhliches Heimgehen am Schluss. Und natürlich verbeugen sich auch Herr und Frau Meier.
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