Ingeborg Meyer: 25 Bühnenjahre und ungezählte Rollen

Von: Grit Schorn
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Eine Frau mit großer Verwandlungskraft: Die Schauspielerin Ingeborg Meyer, dem Publikum des Grenzlandtheaters bestens bekannt, blickt zurück auf 25 Bühnenjahre. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Mit laszivem Blick verwirrte sie als Marilyn Monroe die Zuschauer, als hartgesottene Marketenderin in Brechts „Mutter Courage” rührte sie das Publikum zu Tränen.

Diese ungewöhnliche Bandbreite macht die Schauspielerin Ingeborg Meyer aus, die seit 25 Jahren am Aachener Grenzlandtheater ihr mitreißendes Talent unter Beweis stellen konnte.

Mit ihrer furiosen Martha in Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf” erntete sie hier zuletzt wieder Beifallsstürme. An Dienstag stand sie beim „Abstecher” des Grenzlandtheaters in Alsdorf auf der Bühne, wo die letzte Aufführung umjubelt wurde.

Doch die erfahrene Schauspielerin, die aus dem Banat stammt und Anfang der 80er Jahre nach Deutschland kam, treiben viele Fragen um: Wird sie in Aachen unter der neuen Intendanz von Uwe Brandt ihre Arbeit fortsetzen können oder soll sie - die sesshaft gewordene „Nomadin” - hier ihre Zelte abbrechen und wieder die halbe Republik bereisen, um gute Rollen spielen zu können? Das muss sich noch alles klären, bevor sie „auswärts” seriöse Angebote annehmen oder ablehnen kann.

Zwei Intendanten und zwei Ehemänner habe sie hier „überdauert”, schmunzelt die attraktive Frau, die ihr Alter mit „50 plus” angibt und außerhalb der Bühne oft ein „totaler Chaot” ist.

Fördern und fordern

Sagt sie wenigstens, obwohl sie andererseits sehr zuverlässig wirkt. Vielleicht gehört ein bisschen Chaos aber auch zu dieser ebenso eigenwilligen wie präzisen Schauspielerin, die 1984/85 im damaligen Grenzlandtheater-Intendanten Karl-Heinz Walther jemand fand, der sie liebevoll förderte und gleichzeitig viel Leistung forderte. Die Zusammenarbeit zwischen ihr und Walther gestaltete sich ebenso erfolgreich wie die mit Manfred Langner, der 1994/95 den Intendantenstab übernahm.

In Erinnerung bleiben da berührende Aufführungen wie „Kindertransport”, ein Stück, in dem sie eine traumatisierte deutsche Jüdin spielte, die als Halbwüchsige nach England „verfrachtet” wurde und somit überlebte, oder „Molly Sweeney”, das Drama einer Blinden, die zwar nach einer Operation sehen kann, aber mit dem neuen Augenlicht ihr Leben nicht mehr in den Griff bekommt.

Unvergesslich bleibt auch ihre neurotische Blanche in Tennessee Williams„ „Endstation Sehnsucht”.In der vergangenen Spielzeit überzeugte Meyer als tragische Königin in Shakespeares „Hamlet”, in der aktuellen in der Revue „BuntesRepublik” als spießige Ehefrau, die sich zum munteren Flowerpower mutiert, und als Albees wilde Martha, diesem „Weibsbild und Bühnentier”, mit dem die erfahrene Schauspielerin, die privat „ganz unspektakulär” lebt, das Motto „Alles oder nichts” verbindet.

Reizen könnte sie - ob nun in Aachen oder anderswo - Tschechows „Möwe” und „Der „Kirschgarten wegen der „hervorragenden Frauenrollen”. Und verlieben möchte sich Ingeborg Meyer noch mal, „aber wo und wann”, fragt sie sich selbstironisch, „ich steh´ ja immer auf der Bühne oder stecke in Proben.”
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