Im Visier der Wasserpistolen

Von: Susanne Schramm
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Mit dem Charme der Urfassung: Die Neuinszenierung der „Rocky Horror Show” ist im Düsseldorfer Capitol zu erleben. Foto: Thomas Brill

Düsseldorf. Im Capitol Theater ist der Wahnsinn ausgebrochen. Kollektiv. Bestrapste Teenies, ältere Herren in dunklen Anzügen, rundliche Blondinen im Kellnerinnen-Outfit - sie alle hält es nicht mehr auf ihren Plätzen. Sie springen auf, sie johlen und werfen die Arme in die Luft. Sie tanzen den „Time Warp”.

Und alle die, die textsicher sind, singen lauthals mit. 35 Jahre nach ihrer Uraufführung erlebt die „Rocky Horror Show” bei ihrer NRW-Premiere in Düsseldorf eine triumphale Wiedergeburt.

Dabei hat die Geschichte von Brad und Janet, einem biederen, frisch verlobten Paar, das sinnenfreudigen Außerirdischen in die Hände fällt und darob komplett seine Unschuld verliert, eigentlich nie seine Faszination verloren. Das exzentrische Musiktheaterstück von Richard O´Brien mauserte sich zum Kult-Musical, tourte rund um den Globus und begeisterte mehr als 20 Millionen Menschen in über 30 Ländern.

Und wer keine Gelegenheit hatte, die verführerische Mischung aus Sex, Horror und Rock n´ Roll live zu erleben, der besuchte das Kino seines Vertrauens, wo die „Rocky Horror Picture Show” (1975) eine Dekade lang und länger, immer pünktlich zur Geisterstunde, lief, um zum hinreißenden Mitmach-Spektakel zu mutieren. Genau das passiert in Düsseldorf. Zeitungen werden entfaltet, Konfetti und (illegal eingeschmuggelter) Reis fliegen durch die Luft, alle Wasserpistolen feuern aus feuchten Rohren.

Die Neuinszenierung von Sam Buntrock (Regie), Matthew Mohr (Choreografie) und David Farley (Kostüme und Bühnenbild) hat den Charme der Urfassung bewahrt, ohne die jedoch blind zu kopieren. So ist die Liga der außerirdischen Hedonisten beispielsweise komplett erblondet, was Eingeweihte als Hommage an Wolf Rillas Klassiker des Science- Fiction- und Horror-Genres „Das Dorf der Verdammten” (1960) erkennen.

Neben Rob Morton Fowler, der Frank´n´Furter, den charismatischen Anführer der „Transylvanians”, mit fantastischer, äußerst wandlungsfähiger Stimme gibt und seine Figur als verführerische Mischung aus Ikone Tim Curry (spielte die Rolle im Film) und einer männlichen Lulu anlegt, kann besonders Kerry Winter überzeugen. Ihrer Columbia - die, inmitten des Vakuums fehlender Empathie, hemmungslos und tragisch-komisch Gefühle zeigt - liegt das Publikum zu Füßen. Nach gut zwei Stunden (mit Pause) ist der Wahnsinn kein bisschen abgeebbt. Beim letzten „Time Warp” tanzt wieder der ganze Saal.

Aufführungen bis zum 1. März. Vorstellungen bis 1. März im Capitol Theater Düsseldorf (Di-Fr. 20 Uhr, Sa. 17 und 21 Uhr, So. 15 und 19 Uhr).

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