Im Datennetz der Gefühle

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
Das Paar, das erst eines werde
Das Paar, das erst eines werden will: Solveig August und Timo Hübsch in „Alle sieben Wellen”. Foto: Kerstin Brandt-Heinrichs

Aachen. Rettungslos verliebt per Internet - geht das? Oder anders gefragt, geht das gut? In „Alle sieben Wellen”, dem Schauspiel des Wieners Daniel Glattauer (51), geht das vor allem erstaunlich lange.

Denn Emmi und Leo, die schon die Protagonisten im Stück „Gut gegen Nordwind” waren, hatten sich eigentlich „aus den Augen verloren”, über neun Monate gab es keinen Email-Kontakt mehr. Doch nun ist Leo aus Boston zurück, was die lebhafte Emmi zu neuen Sturmangriffen im Netz verleitet. Und auch der eher wortkarge Leo spürt wieder jene Vibrationen, die ihn nach Boston flüchten ließen.

Emmi im schwarzen Negligé

Die bezaubernde Emmi im schwarzen Negligé ist indes noch immer mit dem älteren Bernhard verheiratet, und Leo hat inzwischen Pamela kennen gelernt, eine Frau, die offenbar gut zu ihm passt. Eine, die die eifersüchtige Emmi schon mal abschätzig „Päm” nennt . . . So flüchtig und unverbindlich wie ein Chat-Flirt kommt die Geschichte aber nicht daher, denn die komplizierte Beziehung wird noch schwieriger, als die beiden sich endlich zu einem „echten” Treffen in der Wirklichkeit eines Cafés treffen. „67 Minuten” schweigen sie sich an, sehr entflammt, aber eben stumm. Was man dem zurückhaltenden Leo vielleicht abnimmt, der quirligen Emmi schon weniger.

Wie schon in „Gut gegen Nordwind” spielen Solveig August und Timo Hübsch das Paar, das erst eines werden will. Charmant, klug und kapriziös von Solveig August verkörpert, wünscht man dieser quirligen Emmi, dass Leo seine karierten Socken endlich ablegt und sich ganz zu ihr bekennt. Fein austariert, ganz ohne Übertreibungen zeigt sich Timo Hübsch als „Traumpartner”, der sich nicht traut.

Elektrisierend die heiße Begegnung in einer Nacht, in der Emmi und Leo sich ganz real ihrer Hemmungen und ihrer Kleider entledigen. Doch der Starkstrom ist gefährlich, zumal Bernhard, Emmis Ehemann, ein Gutmensch, ein gefährliches Störfeuer legt . . .

Gute Texte, gute Schauspieler und die inspirierende Regie (Uwe Brandt und Anja Junski) sorgen für ungetrübtes Vergnügen, das auch durchaus tiefsinnigere Aspekte von Partnerbeziehungen aufzeigt. Und man erfährt endlich, was „die siebte Welle” bedeutet. Sehr individuell die Kostüme von Heike M. Schmidt und Linda Lange, - Kostüme zwischen Jeans, Dessous und Schlabberlook, die vor allem Emmi/Solveig blitzschnell zu wechseln vermag.

Ebenso gelungen die „kluftige” Bühne von Nicole Royé und Willy Zitzen, die den vernetzten Akteuren viel „Spielraum” gibt. Das Ende wird hier nicht verraten - immerhin findet schon mal ein Umzug von Emmis Goldfischen statt. Das Publikum zeigte sich animiert und begeistert, die Damen vielleicht mit erhöhtem Puls . . .

Weitere Aufführungen von „Alle sieben Wellen” im Aachener Grenzlandtheater, Elisen-Galerie, finden täglich bis zum 30. November statt. Beginn 20 Uhr. Weitere Vorstellungen in Spielorten der Region vom 1. bis 15. Dezember. Karten-Telefon: 0241/474611.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert