Ikob Museum: Die Magie verschleierter Räume

Von: Eckhard Hoog
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Transparente Vorhänge mit symbolischen, gestickten Bildern: Das zeigt Isa Melsheimer im Eupener Museum Ikob. Foto: eho

Eupen. Hauchzarte Gebilde prägen momentan das Ikob Museum für zeitgenössische Kunst in Eupen – besonders erstaunlich daran: Die 1968 in Neuss geborene Künstlerin Isa Melsheimer, die in den neunziger Jahren in Berlin in der Meisterklasse von Georg Baselitz studiert hat, benutzt dabei eine uralte textile Technik, die man einer zeitgenössischen Künstlerin so gar nicht zugetraut hätte: die Stickerei.

Melsheimers Ausstellung, die am Sonntag um 15 Uhr eröffnet wird, schließt den Präsentationsreigen der „Fata Morgana“ im Ikob ab.

Das nicht greifbare Phänomen

Fata Morgana, das ist für Direktorin Maïté Vissault eine vielfältige Metapher: für die „Erscheinung von anderen Räumen“ ebenso wie für die Kunst selbst, „die nicht sofort verstehbar ist“ oder auch für das Imaginäre an sich – ein wahrnehmbares und doch unerreichbares, nicht greifbares Phänomen.

Wie geheimnisvolle Schleier schweben nun also die halbtransparenten Stoffe der Künstlerin im Raum, Vorhänge, die immer neue Räume und Durchsichten schaffen, die verhüllen und offenbaren zugleich. „Schleier“, das ist für Maïté Vissault ein Aura-schaffendes Phänomen, etwas Mystisches, Entrücktes.

Die Künstlerin versieht ihre Schleier mit Figuren, Szenen und Momenten von hintergründiger, symbolischer Bedeutung. Die Eule kehrt dabei immer wieder – ein Wesen, das selbst in absoluter Dunkelheit weit mehr sieht als andere, so wie man durch die Kunst Neues wahrnehmen kann. Die bereits mehrfach ausgezeichnete Künstlerin – ein Stipendium in der Villa Massimo in Rom gehörte dazu – stickt ihre Bilder selbst. Und sie nimmt gelegentlich dabei auch Bezug auf sehr heutige und urbane Räume: die Baustelle mitten in der Stadt zum Beispiel, kunstreich in Stoff gewirkt. Oder sie schafft mit ihren Vorhängen einen Raum in der Form eines Containers, für sie ein Sinnbild der Globalisierung – mit allen positiven und auch negativen Erscheinungen.

Dem Nebeneinander der Kulturen in der Nähe des Rotterdamer Hafens mit chinesischen Schriftzeichen im Stadtbild gibt sie ebenso ein gesticktes Bild wie den Bootsflüchtlingen, die mit halsbrecherisch zerbrechlichen Schiffen versuchen, das Mittelmeer zu überqueren. Die ständige Gefährdung durch allerlei Katastrophen, auch das kommt in Sinnbildern vor, die in der gestickten Form eine gewisse Magie ausstrahlen.

„Isa Melsheimer – Synapsen“, Ausstellung im Ikob Museum für zeitgenössische Kunst, Eupen, Rotenberg 12 B, Telefon 0032/87/560110. Eröffnung: Sonntag, 7. Dezember, 15 Uhr. Dauer: bis 15. Februar. Geöffnet: Di.-So. 13-17 Uhr.

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